Heuschnupfen Wehe, wenn die Pollen kommen

Die Pollensaison ist in vollem Gang. Jeder sechste Deutsche leidet an Heuschnupfen - Tendenz steigend. Klimawandel? Zu viel Hygiene? Umweltverschmutzung? Über die Ursachen für die zunehmende Zahl der Allergiker können Forscher nur spekulieren.
Kribbelnde Nase, verquollene Augen: Immer mehr Menschen haben Heuschnupfen

Kribbelnde Nase, verquollene Augen: Immer mehr Menschen haben Heuschnupfen

Foto: Corbis

Der Krieg hat wieder begonnen. Der Gegner: Kleine Kügelchen, wenige hundertstel Millimeter groß, unter dem Mikroskop sehen sie aus wie Seeminen aus dem Zweiten Weltkrieg. 25 Millionen Deutsche führen den aufreibenden Kampf gegen harmlose Körner, die Pflanzensamen transportieren. Sie fliegen millionenfach durch die Luft und versetzen das Immunsystem von Allergikern irrtümlich in Alarmbereitschaft. Die Folgen: Triefende Nasen, juckende Augen, kratzende Hälse, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, bis hin zu Asthma und lebensbedrohlicher Atemnot.

Laut einer Forsa-Umfrage der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) sind 27 Prozent aller Männer und 39 Prozent aller Frauen in Deutschland Allergiker, ein Drittel der Bevölkerung. Bei fast der Hälfte der Betroffenen ist die Allergie gegen Pollen gerichtet, was insgesamt wiederum einem Sechstel der Bevölkerung entspricht.

Die Zahl der (Pollen-)Allergiker nimmt seit Jahren stetig zu. Über die Gründe können Wissenschaftler nur spekulieren. Liegt es an immer höheren Hygienestandards, die unser Immunsystem unterfordern, so dass es ersatzweise auf harmlose Pollen anspringt? Dafür spricht, dass in Industrieländern mehr Menschen an Allergien leiden als in Entwicklungsländern. Und dass Kinder, die mit Tieren aufwachsen, weniger Allergien und Asthma  entwickeln. Aber auch Umweltverschmutzung und Umweltgifte gelten als mögliche Gründe. Als sicher gilt, dass es eine genetische Prädisposition gibt, das eine Heuschnupfen-Gen allerdings nicht.

Die Heilung von Allergien ist nicht möglich

Sehr wahrscheinlich ist, dass der Klimawandel die Lage verschlimmert. Europaweit sei die Blütenstaubmenge in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, berichtete kürzlich ein internationales Forscherteam - in den wärmeren Städten jährlich um drei Prozent, auf dem kühleren Land um eines.

Die steigende CO2-Konzentration in der Luft regt die Pflanzen zu stärkerer Pollenproduktion an. Bei milderen Temperaturen blühen Pflanzen vorzeitig und die Pollensaison beginnt früher. Mittlerweile gibt es nur noch zwei pollenfreien Monate im Jahr - November und Dezember. Los geht's im Januar mit Hasel und Erle, das Pollenjahr endet mit Gräsern, Beifuß, Brennnessel und der Ambrosia, auf deren Pollen Allergiker besonders heftig reagieren. Leider breitet sich das Beifußblättrige Traubenkraut, das ursprünglich aus Nordamerika stammt, aufgrund des Klimawandels immer weiter in Europa, auch in Deustchland, aus.

Die Auswirkungen von Allergien werden von vielen Menschen unterschätzt. Es geht nicht nur um ein paar Nieser - Betroffene sind erschöpft, schlafen schlecht, können nicht mit ganzer Kraft arbeiten. Zudem drohen ihnen aufgrund des geschwächten Immunsystems Infektionen: Die Schleimhäute im Bereich von Nase, Rachen und Bronchien kann der Heuschnupfen so schwächen, dass die Patienten während des ganzen Jahres besonders infektanfällig sind.

Allergien zu heilen ist nicht möglich. Die einzige ursächliche Therapie ist die spezifische Immuntherapie, die allerdings nicht lebenslang hilft. Dabei wird der Körper durch wiederholte Gabe des Allergens nach und nach daran gewöhnt und die Immunreaktion abgeschwächt. Bei Erfolg sind Allergiker anschließend mehrere Jahre beschwerdefrei. Auch die Symptome lassen sich gut behandeln, beispielsweise mit rezeptfrei erhältlichen Antihistaminika und Mastzellstabilisatoren.

Tipps - so meiden Sie unnötige Pollenbelastung:

  • Pollenflugvorhersage  beachten
  • Täglich Nasenduschen machen (Anleitung in Omas Hausmittel-Liste)
  • Jeden Abend vor dem Zubettgehen Haare waschen
  • Mehrmals täglich Gesicht waschen
  • Straßenkleidung nicht im Schlafzimmer ausziehen
  • Regelmäßig Bettwäsche waschen
  • Teppiche und Teppichboden gegen Laminat oder Parkett tauschen
  • Nasse Handtücher in der Wohnung aufhängen - sie fangen Pollen ab
  • Fenster geschlossen halten - auf dem Land zwischen 19 und 24 Uhr lüften, in der Stadt zwischen 6 und 8 Uhr
  • Während der Saison nicht zu lange im Freien aufhalten
  • Nach Regengüssen ins Freie gehen und pollenfreie Luft genießen
  • Stark befahrene Straßen meiden - durch Abgas verunreinigte Pollen wirken aggressiver
  • Beim Autofahren Fenster geschlossen halten
  • Pollenfilter in die Lüftungsanlage des Autos einbauen lassen
  • Urlaub auf die Pollensaison abstimmen und bevorzugt ans Meer oder ins Gebirge fahren

Fragen an den Experten

Es ist wichtig, bei einer Allergie zu reagieren und sie zu behandeln. Sonst droht der sogenannte Etagenwechsel: Aus dem Heuschnupfen entwickelt sich innerhalb von zehn bis 15 Jahren bei etwa 40 Prozent der Betroffenen ein allergisches Asthma.

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