Praxisschließungen Was tun, wenn der Arzt streikt?

Für die Patienten wird es ernst: Noch im September könnten sie bei ihrem Arzt vor verschlossenen Türen stehen. Doch die Niedergelassenen haben trotz der anstehenden Streiks bestimmte Verpflichtungen. SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick.

Arztpraxis mit Streik-Schild: Trotz Praxisschließungen muss die medizinische Grundversorgung gewährleistet sein.
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Arztpraxis mit Streik-Schild: Trotz Praxisschließungen muss die medizinische Grundversorgung gewährleistet sein.


Rund 130.000 niedergelassene Ärzte aus der Bundesrepublik haben sich am Donnerstag bei einer Urabstimmung für flächendeckende Warnstreiks ausgesprochen. Die Folge: Noch im September könnte deutschlandweit an knapp 90.000 Arztpraxen zeitweise ein Schild "Wegen Streik geschlossen" hängen.

Was können Patienten tun, wenn sich ihr Arzt am Streik beteiligt?

Was man wissen sollte: Ein Streikrecht im juristischen Sinn haben niedergelassene Ärzte nicht, weil es sich nicht um Arbeitnehmer handelt. Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben ihren Auftrag zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung zu erfüllen. Die Einhaltung dieser Verpflichtung ist von den Aufsichtsbehörden zu überwachen, also den Gesundheitsministerien der Länder. Bei Protesten kann es sich aus Expertensicht daher nur um vorübergehende Praxisschließungen handeln. Jeder Vertragsarzt hat eine Präsenzpflicht. Die Mediziner müssen bei einer vollen Zulassung mindestens 20 Stunden wöchentlich in Form von Sprechstunden zur Verfügung stehen.

Wer betroffen ist: Zwar können Ärzte nicht zu einer Praxisschließung gezwungen werden. Dennoch rechnet der Sprecher der Allianz der Verbände, Dirk Heinrich, mit einer massiven Teilnahme. Auch Privatpatienten wären von dem Streik betroffen. "Wenn eine Praxis zu ist, ist sie für mich zu." In akuten Notfällen sollten Betroffene lieber kurz bei der Praxis anrufen, bevor sie vor verschlossenen Türen stehen. Ist ein Arzt vor Ort, darf er die Behandlung im Notfall aber trotz Streik nicht verweigern.

Die Streik-Vertretung: Patienten haben auch bei einem Streik ein Recht auf medizinische Grundversorgung. "Daher ist jeder Arzt dazu verpflichtet, auf einen Vertreter zu verweisen, wenn er seine Praxis schließt", erklärt Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg. Für Notfälle muss der Praxisarzt einen Vertreter aus derselben Fachrichtung benennen. Viele Patienten könnten aber auch Glück haben, denn es streiken längst nicht alle Arztpraxen.

Wo man Informationen bekommt: Für gewöhnlich hängen die Ärzte an ihren Praxen Schilder aus, auf denen die Namen und Adressen der Notdienste zu finden sind. Viele hinterlassen diese Informationen auch auf dem Band des Anrufbeantworters. Im Zweifelsfall kann man sich aber auch an die Kassenärztliche Vereinigung wenden.

Vereinbarte Termine: Fällt durch den Streik ein Termin in der Praxis aus, gibt es laut Kranich keine Vorgaben, wie schnell er nachgeholt werden muss. Dirk Heinrich zufolge kann es auch sein, dass vorerst keine neuen Termine vergeben werden.

Die Praxisgebühr: Wurden die Patienten im laufenden Quartal von ihrem streikenden Arzt bereits einmal behandelt, darf dessen Streik-Vertretung die Praxisgebühr nicht erneut einfordern. Darauf weist Kranich hin. Eine Ausnahme gilt für die Notfallambulanz des Krankenhauses: Dort müssen Patienten die Praxisgebühr erneut zahlen.

Behandlung chronisch Kranker: Auch Patienten, die regelmäßig oder gar täglich Medikamente von ihrem Arzt verabreicht bekommen, haben ein Recht auf die Fortführung der Versorgung. Der Arzt ist also verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Patienten weiterhin ihre Medikamente erhalten, beispielsweise durch eine Vertretung.

Krankschreibungen: Gleiches gilt auch für fortlaufende Krankenschreibungen. Ärzte müssen garantieren, dass Patienten die Scheine erhalten. Im Zweifelsfall sollten sich die Betroffenen an die Krankenkassen wenden.

cib/dpa



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Seite 1
Ambermoon 14.09.2012
1.
Nun ja. Wenn man mal schaut, wo ein ins Gesundheitssystem gepumpter oder ein im Gesundheitssystem eingesparter Euro so landet, ergibt sich anteilsmäßig diese Reihenfolge: 1.) Pharmaindustrie 2.) Krankenkassen 3.) Ärzte 4.) Patienten Einen Gleichstand kann und braucht man nicht herbeiführen, aber wenn z.B. Ärzte relativ zur Pharmaindustrie etwas mehr verdienen wollen, ist das sicherlich kein Unding. Dass der Patient wie immer der Gelackmeierte ist, scheint Naturgesetz zu sein, bis irgendwann mal eine sekundäre Anwendungsmöglichkeit für Laternenpfähle wiederentdeckt wird.
cekay 14.09.2012
2. .
"Was tun, wenn der Arzt streikt?" Einfach: Gesund ernähren, dann bleibt man gesund und braucht keinen Arzt, keine Pillen und selbst keine Versicherung.
horstnorbert 14.09.2012
3.
Zitat von AmbermoonNun ja. Wenn man mal schaut, wo ein ins Gesundheitssystem gepumpter oder ein im Gesundheitssystem eingesparter Euro so landet, ergibt sich anteilsmäßig diese Reihenfolge: 1.) Pharmaindustrie 2.) Krankenkassen 3.) Ärzte 4.) Patienten Einen Gleichstand kann und braucht man nicht herbeiführen, aber wenn z.B. Ärzte relativ zur Pharmaindustrie etwas mehr verdienen wollen, ist das sicherlich kein Unding. Dass der Patient wie immer der Gelackmeierte ist, scheint Naturgesetz zu sein, bis irgendwann mal eine sekundäre Anwendungsmöglichkeit für Laternenpfähle wiederentdeckt wird.
Und wo schaut man sich das an? Ich empfehle: GKV-Finanzentwicklung in 2011 - Bundesgesundheitsministerium (http://www.bmg.bund.de/ministerium/presse/pressemitteilungen/2012-01/gkv-finanzentwicklung-in-2011.html) Ausgaben in Prozent: ärztliche Behandlung: 18 % Zahnärztliche Behandlung (ohne Zahnersatz) 5 % Zahnersatz 2 % Arzneimittel aus Apotheken und von Sonstigen 17% Hilfsmittel 4 % Heilmittel 3 % Krankenhaus-behandlung 33% Krankengeld 5 % Fahrkosten 2 % Vorsorge- und Reha-Maßnahmen 1 % Behandlungs-/Häusliche Krankenpflege 2 % Netto-Verwaltungskosten 5 % Sonstige Ausgaben 4 % Interessant ist auch, dass sich die Ausgaben der für Arzneimittel und die Verwaltungskosten verringert haben. Was mich bei Ihrer Aufstellung wundert - wie wollen Sie ermitteln, was beim Patienten ankommt?
mundi 14.09.2012
4. Die Sterblichkeitsrate ändert sich dadurch kaum!
Zitat von sysopDPAFür die Patienten wird es ernst: Noch im September könnten sie bei ihrem Arzt vor verschlossenen Türen stehen. Doch die Niedergelassenen haben trotz der anstehenden Streiks bestimmte Verpflichtungen. SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,855679,00.html
Nicht hingehen, auch nicht woanders. Man lernt dabei, nicht immer vom Arzt bestätigen zu lassen, was man ohnehin bereits weiß. Die Sterblichkeitsrate ändert sich dadurch kaum!
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