Syphilis, Tripper, Chlamydien HIV-Schutz mit Medikamenten könnte Risiko für Geschlechtskrankheiten erhöhen

Wer sich mit der sogenannten Prep vor HIV schützt, verwendet seltener Kondome. Eine aktuelle Studie zeigt, wie stark sich das auf das Risiko für andere sexuell übertragbare Krankheiten auswirkt.
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Wer sich vor einer Infektion mit dem HI-Virus schützen will, kann das nicht nur mit Kondomen tun, sondern auch mit der sogenannten Prä-Expositionsprophylaxe, kurz Prep. Allerdings: Die Medikamentenkombination verhindert eine HIV-Ansteckung zwar ebenso gut wie Kondome, doch sie bewahrt nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten. Ärzte diagnostizierten bei fast drei Viertel der Patienten, die Prep nutzten, innerhalb des ersten Jahres der Nutzung Tripper, Chlamydien oder Syphilis. Das berichten Forscher um Jason Ong von der London School of Hygiene and Tropical Medicine in London jetzt im Fachmagazin "Jama Network Open". 

Die Wissenschaftler um Ong, darunter Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hatten 88 Untersuchungen aus fünf Kontinenten zur Nutzung von Prep ausgewertet. Bei der Eingangsuntersuchung wurde bei 23,9 Prozent der Patienten Tripper, Chlamydien oder Syphilis diagnostiziert, im Laufe eines Jahres infizierten sich 72,2 Prozent der Prep-Nutzer.

Schon seit Langem befürchten Experten, dass die Prep-Arzneien die Nutzer dazu verleiten könnten, seltener Kondome zu verwenden - und dadurch deren Gefahr steigt, sich mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zu infizieren. Ob das tatsächlich so ist, lässt sich aus den Zahlen der Untersuchung nicht ermitteln. Geeignet ist Prep den deutsch-österreichischen Leitlinien zufolge für verschiedene Personengruppen.

Mehr als 7000 Syphiliserkrankungen in Deutschland pro Jahr

Dass sexuell übertragbare Krankheiten auch hierzulande nicht zu vernachlässigen sind, zeigen die vor wenigen Tagen veröffentlichten Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI): 2018 lagen die Syphilis-Neuerkrankungen in Deutschland demnach bei 7232 Fällen und damit auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Vorjahr. Die durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit kann durch Antibiotika geheilt werden, unbehandelt drohen jedoch langfristig Schädigungen des Gehirns und der Blutgefäße. Das Ansteckungsrisiko ist den Zahlen des RKI zufolge in den Bundesländern unterschiedlich: In Berlin gab es demnach 32,5 Fälle pro 100.000 Einwohnern, in Thüringen nur 4,3. Der Bundesdurchschnitt lag bei 8,8 Betroffenen pro 100.000 Einwohner.

Für Armin Schafberger von der Deutschen Aidshilfe in Berlin sind die Zahlen der aktuellen Prep-Studie nicht überraschend. Er gibt jedoch zu bedenken, dass die Studie Art und Umfang der medizinischen Untersuchungen und Diagnosen nicht berücksichtige. Dies zeige sich beispielsweise darin, dass Tripper, Chlamydien und Syphilis in Ländern mit hohem Durchschnittseinkommen viel häufiger nachgewiesen wurden als in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Durchschnittseinkommen. Ein denkbarer Grund: In reichen Nationen werden häufig auch diejenigen auf Krankheiten untersucht, die gar keine Symptome haben. "Wenn man genauer hinsieht, findet man auch mehr", betont Schafberger.

Ähnliche Studien - wenn auch mit weniger Daten - mit vergleichbaren Ergebnissen habe es bereits gegeben, so Schafberger. Er habe sich von der aktuellen Analyse eigentlich erhofft, dass die Daten genutzt werden, um klare Empfehlungen für die medizinische Begleitung zu Prep zu geben. Doch noch sei unklar, ob die Bekämpfung der Infektionen ohne Symptome mit Antibiotika den Patienten mehr nutzt oder mehr schadet - etwa, weil die häufige Anwendung von Antibiotika zu Resistenzen führen kann.

Schafberger sieht in den hohen Diagnosezahlen auch etwas Positives: "Sie zeigen, dass man über die Prep-Behandlung tatsächlich die Gruppen erreicht, die ein großes Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten haben." Dies sei eine gute Chance für vorbeugende Maßnahmen. Denn während der Prep-Behandlung müssen sich die Patienten alle drei Monate nicht nur auf HIV untersuchen lassen. Die deutsch-österreichischen Prep-Leitlinien empfehlen außerdem Untersuchungen auf Hepatitis C (alle sechs bis zwölf Monate), Syphilis (alle drei Monate), Tripper (alle drei bis sechs Monate) und Chlamydien (alle drei bis sechs Monate).

hei/dpa