Prostatakrebs "Jeder Mann soll selbst entscheiden, ob er einen PSA-Test macht"

Wie sinnvoll ist der PSA-Test beim Mann? Deutsche Urologen warnen vor der Früherkennungsuntersuchung für Prostatakrebs: Das Screening kann Leben retten, aber auch fatale Fehlalarme auslösen. Eine endgültige Nutzen-Risiko-Bewertung steht noch aus.

Prostata-Krebszellen: Der PSA-Test zur Früherkennung ist umstritten
Corbis

Prostata-Krebszellen: Der PSA-Test zur Früherkennung ist umstritten


Wie beim Brustkrebs streiten Mediziner seit Jahren über Sinn und Nutzen von Prostatakrebs-Screenings: Mit einem Bluttest können Ärzte das Risiko für Prostatakrebs abschätzen, Frühstadien erkennen und die Zahl tumorbedingter Todesfälle senken. Vom PSA-Test als generelles Früherkennungsprogramm rät die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) dennoch ab. Die Endergebnisse langjähriger internationaler Studien stünden noch aus, erklärte Präsident Michael Stöckle vor dem Jahreskongress der Gesellschaft der Nachrichtenagentur dpa. Nur sie erlaubten eine Schaden-Nutzen-Betrachtung für ein generelles PSA-Screening.

Warum ist die PSA-Früherkennung des Prostatakarzinoms umstritten?

Stöckle: Wie bei jedem Früherkennungsprogramm werden Befunde und Krankheitsstadien entdeckt und oft behandelt, deren Nichtentdeckung und Nichtbehandlung den Betroffenen nicht geschadet hätten. In der Folge kann es auch beim PSA-Test zu Überdiagnostik und Übertherapie kommen. Deren tatsächliches Ausmaß wird aber erst die endgültige Auswertung der europäischen PSA-Screening-Studie (ERSPC) zeigen. In der Öffentlichkeit werden jedoch immer wieder Zwischenergebnisse als vermeintliche Endergebnisse präsentiert - und sorgen für hitzige Kontroversen um den PSA-Test.

Wird der PSA-Test schon erfolgreich anderswo eingesetzt?

Stöckle: Eine flächendeckende Screening-Empfehlung gibt es derzeit in keinem Land der Welt. Seit Einführung des PSA-Tests in den USA ist die Sterblichkeit dort um rund 35 Prozent gesunken, die Häufigkeit metastasierter Prostatakarzinome sogar um 50 Prozent. Für die USA gibt es seriöse Hochrechnungen, wonach sie sich bei einer Abschaffung des Tests innerhalb von zehn Jahren verdreifachen würde. Auch in Deutschland ist die Sterblichkeitsrate während der letzten Jahre gesunken, wenn auch nicht im gleichen Umfang wie in den USA.

Aber auch die DGU sieht einen Massentest kritisch, was wäre aus Ihrer Sicht denn der richtige Weg?

Stöckle: Ein Massenscreening wie etwa beim Brustkrebs wird aufgrund der heutigen Studienlage noch nicht empfohlen. Wir plädieren für eine bestmögliche Aufklärung früherkennungsinteressierter Männer und auch der Öffentlichkeit über Vor- und Nachteile. Derzeit sollte jeder Mann selbst entscheiden, ob er einen PSA-Test macht. Das persönliche Erkrankungsrisiko, Lebensalter und geschätzte Lebenserwartung sollten dabei immer berücksichtigt werden. Vor allem Männer, deren Angehörige bereits in sehr jungem Alter erkrankt sind, haben ein vier- bis fünffach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Familiäre Prostatakarzinome treten nämlich ungefähr zehn Jahre früher auf als sporadische.

Also ist die Kritik am Masseneinsatz des Bluttests berechtigt?

Stöckle: Eine abschließende Schaden-Nutzen-Bewertung des PSA-Tests ist noch nicht möglich. Der beste Umgang mit dem PSA-Test ist derzeit in der S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms definiert. Das heißt: bestmögliche Aufklärung der früherkennungswilligen Männer, differenzierter Einsatz des Tests auf der Grundlage des besten und jeweils aktuellsten medizinischen Wissens. Der Test muss betrachtet werden wie ein hochwirksames Medikament - wohldosiert segensreich, aber falsch eingesetzt kann es schädlich sein.

cib/dpa

insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
masonicus 03.09.2013
1. wäre heute bereist tot
wenn ich den Test nicht vor ca. 13- 15 Jahren mehrfach gemacht hätte, wäre ich heute wohl tot
dongerdo 03.09.2013
2.
Zitat von sysopCorbisWie sinnvoll ist der PSA-Test beim Mann? Deutsche Urologen warnen vor der Früherkennungsuntersuchung für Prostatakrebs: Das Screening kann Leben retten, aber auch fatale Fehlalarme auslösen. Eine endgültige Nutzen-Risiko-Bewertung steht noch aus. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/prostatakrebs-screening-urologen-streiten-ueber-nutzen-und-risiken-a-920036.html
Na ja - das PSA Screening ist aus mehr als einem Grund umstritten, die Mortalitäten in diversen Ländern mit extrem unterschiedlichen Ausprägungen an Vorsorge sind unterm Strich nahezu gleich. Diverse Vorsorgeuntersuchungen machen schon Sinn aber ob man gerade bei Prostatakrebs flächendeckend vorgehen muss ist mehr als fraglich - alleine die extreme Korrelation mit (hohem) Alter und der damit verbundenen hohen Komorbidität der Patienten lässt manch böse Zunge überspitzt behaupten "Mann stirbt nicht AN Prostata-CA, man stirbt MIT ihm...."
fatherted98 03.09.2013
3. Was für ein Hpye...
...um den PSA Test. Nehmt ihn doch als das was er ist...ein Hinweis auf eine mögiche Erkrankung. Weitere Tests zeigen dann ob oder ob nicht....man muss sich dann halt "tackern" lassen wenn man sicher sein will.
conception.design 03.09.2013
4. Lebensretter!
Dieser Test hat mir das Leben gerettet, und das Wichtigste, das ich meinen Kindern mit auf den Weg geben werde, ist, diesen Test ab dem 40sten Lebensjahr jährlich mache zu lassen.
murmel57 03.09.2013
5. Verantwortung abschieben
Das Thema scheint so komplex zu sein, dass eine pauschale Aussage für oder gegen den Test den Spezialisten unmöglich ist. Daher ist es einfacher jedem Betroffenen die Entscheidung zu überlassen, schließlich ist sein mangelndes Fachwissen eine bessere Entscheidungsgrundlage.
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