Quecksilber, Blei und Co. So gesundheitsschädlich sind Schwermetalle

Schadstoffe wie Blei, Quecksilber oder Arsen gefährden die Gesundheit. Manche Substanzen wirken langfristig im Körper, manche direkt. Welchen Schaden können Sie anrichten? Und worauf sollte man beim Kauf vom Spielzeug achten?
Spielwarenmesse in Hongkong (Archivbild): Spielzeug aus Asien ist oft stärker mit Schadstoffen belastet

Spielwarenmesse in Hongkong (Archivbild): Spielzeug aus Asien ist oft stärker mit Schadstoffen belastet

Foto: Jens Kalaene/ dpa

Berlin - "Giftiges Spielzeug überschwemmt seit Jahren den Markt." So oder so ähnlich warnen Verbraucherschützer immer wieder vor den Gefahren durch Produkte, die mit Schadstoffen belastet sind. Ein EU-Gericht hat jetzt entschieden: Deutschland muss seine Grenzwerte für bestimmte Schwermetalle den Vorgaben der EU anpassen.

Welche Gefahren drohen durch die Schadstoffe? Und worauf kann man beim Kauf von Spielzeug achten? Ein Überblick.

Kann man erkennen, ob Spielzeug Schwermetalle enthält?

"Da besteht leider keine Chance", sagt Wolfgang Döring. Er ist Mitglied im Verein Spiel Gut und prüft Spielzeuge auf Schadstoffe. Blei, Arsen oder Quecksilber seien nicht auffällig. Als grobe Richtlinie empfiehlt er Eltern, auf den Sitz des Herstellers zu achten. Erfahrungsgemäß sei beispielsweise das Spielzeug aus Asien höher belastet. Bei europäischen Herstellern sei die Chance höher, dass alle erforderlichen Grenzwerte eingehalten werden. "Aber natürlich gibt es viele Mischteile in Spielzeugen, von denen man nicht weiß, wo sie produziert wurden."

Gibt es ein Siegel, an dem man sich orientieren kann?

Nein, ein einheitliches Siegel fehlt bisher. Zwar gebe es einzelne Auszeichnungen wie "TÜV-schadstoffgeprüft", sagt Döring. Hundertprozentige Sicherheit liefere das aber nicht. "Es bleibt für Eltern unklar, was genau geprüft wurde." Und auch wer sich an Spielzeugtests orientiere, sehe immer nur einen Ausschnitt des Ganzen. "Was gut getestet wurde, kann im Jahr danach deutlich schlechter sein."

Ist Öko-Spielzeug sicherer?

Auch hier ist unklar: Was bedeutet Öko? Oft beziehen sich solche Angaben darauf, ob nachwachsende Rohstoffe wie Holz verwendet wurden. "Da kann dann aber ein schädlicher Lack mit Schwermetallen drauf sein", erklärt Döring. Platze der außerdem schnell ab, könne das Kind diese Stoffe schlucken, wenn es das Spielzeug in den Mund steckt. Die Bezeichnung "Öko" allein helfe Eltern somit nicht weiter.

Woran können sich Eltern orientieren?

Döring empfiehlt nach wie vor den Riechtest. Alles, was chemisch ausdünstet, sollte besser im Regal liegen bleiben. Wichtig ist darauf zu achten, dass Spielzeuge abwaschbar und Stofftiere waschbar sind. Und nicht zuletzt sollten Eltern nicht nur beim Spielzeug Gesundheitsgefahren im Blick haben: "Kinder kommen den ganzen Tag mit irgendwelchen Produkten in Berührung: Teppichen, Böden, Kleidung oder Möbel." Wer sein Kind vor Giftstoffen schützen will, muss auch bei diesen Dingen darauf achten.

Gefahren durch Blei:

Blei und seine Verbindungen kommen in Farben und Kunststoffen vor. Es wird auch in Batterien und als Lötmetall verwendet. Das Schwermetall ist giftig, egal ob es über den Mund, die Atemwege oder die Haut in den Körper gelangt. Wer Blei über längere Zeit aufnimmt, wird blass, schwach, müde und leidet an Appetitlosigkeit. Seltene akute Bleivergiftungen rufen Koliken und Erbrechen hervor und können zum Tod führen. Weitaus häufiger sind jedoch schleichende Schäden: Bei Kindern kann die geistige Entwicklung zurückbleiben. Einige Bleiverbindungen wirken krebserregend.

Gefahren durch Quecksilber:

Quecksilber reagiert im Körper mit lebenswichtigen Enzymen und hemmt deren Wirkung. Es kann zu Erbrechen und Durchfall führen, bei längerer Aufnahme zu Seh- und Gedächtnisstörungen. Gelangt das giftige Schwermetall in die Umwelt, kann es von Mikroorganismen in Verbindungen umgewandelt werden, die das zentrale Nervensystem schädigen und schlimmstenfalls zum Tod führen. Quecksilber wird unter anderem für Neonröhren, Energiesparlampen und Batterien verwendet. Die Verbindung Quecksilberchlorid kommt bei der Porzellanmalerei vor und wird als Desinfektionsmittel eingesetzt.

Gefahren durch Arsen:

Arsen wird für Metall-Legierungen, in der chemischen Industrie und zur Herstellung von Spezialglas und Halbleitern eingesetzt. Akute Vergiftungen führen zu blutigen Brechdurchfällen, Kreislaufkollaps und Atemlähmung. Gelangt Arsen in kleinen Mengen über längere Zeit in den Körper, kann es Störungen des Nervensystems und Krebs verursachen.

Gefahren durch Antimon:

Antimon wird als krebserregend eingestuft. Bei Antimon-Vergiftungen zeigen sich mit Hautreizungen, Magenkrämpfen und Durchfall sowie Herz-Kreislauf-Problemen ähnliche Symptome wie bei Arsen. Ins Kinderzimmer kommt Antimon als Flammschutzmittel oder über Spielzeug aus Polyester.

Gefahren durch Barium:

Barium kann über flüssige Materialien wie Farbe auf Spielzeug geraten. Vergiftungen mit der Substanz können zu Bluthochdruck führen und sich negativ auf die Nierenfunktion auswirken. Werden größere Mengen aufgenommen, können Erbrechen, Schwindel, Darmkoliken und Herzrhythmusstörungen die Folge sein.

cib/dpa
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