Radon in Innenräumen Unterschätzte Gesundheitsgefahr in Deutschland

Nach Rauchen ist Radon die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in Deutschland. Das Edelgas kann durch den Boden in Gebäude eindringen. Dies sei vielen nicht bekannt, warnt das Bundesamt für Strahlenschutz.

Radon zerfällt nach dem Einatmen in der Lunge, wobei radioaktive Strahlung frei wird
Science Photo Library/ Getty Images

Radon zerfällt nach dem Einatmen in der Lunge, wobei radioaktive Strahlung frei wird


Das Gesundheitsrisiko durch das radioaktive Gas Radon etwa in Wohnungen ist aus Sicht des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) in Deutschland nicht ausreichend bekannt.

"Radon ist ein ernst zu nehmendes Risiko für die Gesundheit, denn nach dem Rauchen ist Radon die zweithäufigste Ursache von Lungenkrebs", sagte BfS-Präsidentin Inge Paulini. Viele Menschen wüssten das nicht.

Dabei sei es oft einfach, sich zu schützen. "Dafür muss man wissen, ob die eigene Wohnung von erhöhten Radon-Werten betroffen ist. Dies lässt sich mit Messungen leicht feststellen", sagte Paulini.

Nicht zu sehen, riechen oder schmecken

Das Edelgas Radon entsteht im Boden beim Zerfall von Uran und Radium und kann über den Untergrund in Gebäude eindringen. Daneben kann es auch im Baumaterial enthalten sein und freigesetzt werden. Es ist nicht zu sehen, zu riechen oder zu schmecken. Rund fünf Prozent aller Todesfälle durch Lungenkrebs in Deutschland gehen dem BfS zufolge auf Radon zurück. Ein Schwellenwert, unterhalb dessen das Gas mit Sicherheit ungefährlich ist, sei nicht bekannt.

Für eine Untersuchung im "Deutschen Ärzteblatt" schätzten Wissenschaftler 2018, wie viele Krebsfälle vermeidbar gewesen wären. Demnach hätten allein in diesem Jahr rund 3200 neue Erkrankungen durch Radon in Innenräumen vermieden werden können.

Radon zerfällt nach dem Einatmen in der Lunge, wobei radioaktive Strahlung frei wird. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt Bürgern, regelmäßig zu lüften und undichte Stellen in Keller und Erdgeschoss abdichten zu lassen, falls eine Radon-Belastung existiert.

Radon-Messgeräte lassen sich bei verschiedenen Anbietern bestellen, die anschließend die Daten auswerten. Die Messungen kosten dem BfS zufolge je nach Anbieter zwischen 30 und 50 Euro.

Belastung durch Radon: Große regionale Unterschiede

Die Radonbelastung schwankt in Deutschland stark - abhängig davon, wie viel Uran und Radium in einer Region im Boden vorhanden sind und wie durchlässig dieser ist. Erhöht ist die Radongefahr etwa in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen. (Eine Karte mit dem Radonpotenzial in Deutschland finden Sie auf dieser Seite des Bundesamtes für Strahlenschutz, sie ermöglicht allerdings nur eine grobe Einschätzung.)

Um die Radon-Belastung in Deutschlands Innenräumen genauer zu erfassen, lässt das Bundesamt für Strahlenschutz momentan in zufällig ausgewählten Haushalten Radon-Messgeräte aufstellen. Bis Ende 2020 müssen die Bundesländer Gebiete ausweisen, in denen in vielen Gebäuden der Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter überschritten wird, sogenannte "Radonvorsorgegebiete". Dort soll dann etwa an Arbeitsplätzen im Erd- oder Kellergeschoss das Messen Pflicht sein.

irb/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 55 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Also ... ööö 23.08.2019
1. Der Vollständigkeit halber ...
Lungenkrebsfälle durch Rauchen: 120.000 pro Jahr Das mit dem Radon kann man übrigens in der Schule lernen wenn man Physik nicht so bald als möglich abwählt ...
merk! 23.08.2019
2. Macht Bauen noch teurer
Eins von tausend Gutachten bei der Planung eines Neubaugebiets ist die Radonbelastung. Wenn man das liest, will man nicht mehr bauen.
permissiveactionlink 23.08.2019
3. Die klare Trennung
der Verursacher der Bronchialkarzinome ist nicht ganz so einfach, wie im Beitrag dargestellt. Natürlich entsteht das ganze Übel mit dem Radon im Erdboden sowie im Gestein und Putz der Mauern eines Hauses durch radioaktiven Zerfall von Uran- oder Thoriumatomen , und das dabei entstehende Radon ist nicht nur ein Edelgas, sondern ein sehr schweres Edelgas, schwerer als Luft, sodass es sich besonders über Kellerböden findet, zumindest da lässt es sich gut absaugen und aus dem Haus entfernen. Die eigentliche Gefahr geht aber von direkten oder späteren Zerfallsprodukten der natürlichen Radonisotope, Rn 219, 220 und 222 aus (alle Alphastrahler), denn aus ihnen entstehen gefährliche andere Isotope, allesamt Alphastrahler des Schwermetalls Polonium , Po 210, 211, 212, 214, 215, 216 und 218. Dieses Element, welches in Form seines Isotopes 210 schon zur heimtückischen Vergiftung von Politikern und Dissidenten genutzt wurde, hat eine recht lange mittlere Verweilzeit im menschlichen Körper (ca. 2 Monate) und ist für die Lungentumoren verantwortlich. Und ganau da kommt der Tabak ins Spiel. Da natürliche Phosphatdünger Uranminerale in bemerkenswert hohen Konzentrationen enthalten, ist in ihnen auch Polonium vorhanden. Dieses, und das aus dem Boden entweichende Radon, welches den Boden auch mit Polonium anreichert, wird von Tabakpflanzen aufgenommen und in den Tabakblättern gespeichert. Es ist bekannt, dass Pflanzen Schwermetalle aufnehmen und anreichern können. Dieses sogenannte "Phytomining" wird schon zur Gewinnung von Schwermetallen in sogenannten "Superplants" kommerziell, zur Exploration von Vorkommen und zur Entgiftung kontaminierter Böden (Arsen !) genutzt. Nur Rauchen möchte diese Pflanzen natürlich dann niemand. Vermutlich gehen mehr als 10 % der Bronchialtumoren auf in Tabakblättern vorhandenes und beim Rauchen in die Lungen inhaliertes Polonium zurück, sodass der Anteil der Bronchialkarzinome insgesamt vermutlich bis zu 20 % auf Polonium-Isotope bzw. letztlich auf Radon zurückzuführen sind, bzw. auf Uran und Thorium, die letzten radioaktiven Überreste jenes Sternenstaubes früherer Supernovae, aus denen sich unser Sonnensystem einst vor ca 4,6 Milliarden Jahren bildete. Wir alle sind Sternenstaub, und leider macht er uns manchmal auch todkrank !
Pinky McBrain 23.08.2019
4. Die unsichtbare Gefahr!
Der Artikel ist voll von "kann" und "falls". Sicher ist sich wie immer niemand. Vielleicht ist es auch anders. Wie mit den Handystrahlen. Am Ende steht fest: Sterben müssen wir alle. Und wenn meine Wahrscheinlichkeit von 0,5%, dieses Jahr an Krebs zu erkranken, durch das Radon um einen Prozent steigt (das macht in der Summe übrigens 0,505%), kann ich damit gut leben. Weit wahrscheinlicher ist hier, dass mich meine Raserei oder mein Fleischkonsum umbringt. ------- Übrigens dürften Vermieter bald gesetzlich gezwungen werden, das böse Radon aus den Kellern raus zu lüften. Ratet mal, was die mit den Kosten machen.
AtmosFear 23.08.2019
5. Es gibt keine radioaktive Strahlung
Radioaktivität ist eine Stoffeigenschaft. Radioaktive Strahlung gibt es nicht. Korrekt wäre ionisierende Strahlung. Leider taucht dieser Fehler in jedem SPON Bericht zu diesem Thema auf.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.