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21. Juni 2013, 15:45 Uhr

Rauchen

Schockbilder kommen auf deutsche Zigarettenschachteln

Schockbilder und Verbote: Die EU-Gesundheitsminister haben deutliche Warnungen auf Zigarettenschachteln beschlossen. Große Bilder sollen vor allem Jugendliche vom Rauchen abhalten. Die Einführung schärferer Regeln bedeutet auch für Mentholzigaretten das Aus.

Luxemburg - James Reilly, der irische Gesundheitsminister, wird emotional. Bevor im Rat der Europäischen Union die letzten Änderungswünsche der Mitgliedstaaten vorgetragen werden, hält er eine Zigarettenschachtel in die Höhe: "Was ich in meiner Hand halte, betrachte ich als Werbung", sagt er. Dann hebt Reilly, der Arzt ist, mit der anderen Hand eine weitere Schachtel in die Höhe, auf der ein großes Bild auf die Folgen des Rauchens hinweist: "Was ich in dieser Hand halte, ist eine Warnung."

Reilly kämpft für den Vorschlag, in der gesamten Europäischen Union große Warnhinweise und schockierende Bilder auf Zigarettenschachteln vorzuschreiben, um so vor allem Kinder und Jugendliche vom Rauchen abzuhalten. "Wir alle wissen, das Produkt tötet eine von zwei Personen, die es nutzen. Wir wissen, dass die Industrie Kinder als Zielgruppe betrachtet."

Nach einer Reihe von Änderungswünschen und einer fünfminütigen Bedenkpause auf Bitten des Vertreters Deutschlands steht fest: Die von der irischen Ratspräsidentschaft gewünschte Tabakrichtlinie (Entwurf, PDF) ist von den EU-Gesundheitsministern beschlossen. Damit wird es künftig in der Europäischen Union große Warnhinweise vor den Folgen des Rauchens auf Zigarettenschachteln geben - großflächige Schockbilder von schwarzen Lungen und Raucherbeinen inklusive. Allerdings muss das EU-Parlament den Änderungen noch zustimmen. Mit einem Beginn der Verhandlungen rechnen EU-Diplomaten im Herbst.

Die Gesundheitsminister einigten sich darauf, dass 65 Prozent der Fläche von Zigarettenpackungen künftig mit Warnhinweisen und abschreckenden Bildern versehen werden müssen. "Das ist ein wirklich wichtiger Tag", sagte James Reilly als Vertreter der EU-Ratspräsidentschaft. Es gehe darum, die nächste Generation davon abzuhalten, abhängig zu werden.

Stark geschmacksverändernde Aromen, wie sie etwa in Mentholzigaretten enthalten sind, sollen verboten werden. Extra dünne Slimzigaretten wollen die Mitgliedstaaten entgegen früherer Vorschläge der EU-Kommission hingegen auf dem Markt belassen. Auch der Verkauf von nikotinhaltigen elektronischen Zigaretten soll deutlich strenger reguliert werden, da sie ab einem bestimmten Nikotingehalt eine Zulassung als Arzneimittel benötigen sollen.

Zigarettenverband ist von der Regierungskoalition enttäuscht

Der Deutsche Zigarettenverband (DZV) kritisiert den Schockbilder-Beschluss scharf. Diese Maßnahme der EU sei maßlos überzogen und ihre beabsichtigte Wirkung zudem höchst zweifelhaft. Über Nacht würden binnen Jahrzehnten aufgebaute Marken zerstört. Weniger als ein Drittel der Packungsfläche bleibe den Herstellern künftig zur individuellen Gestaltung. Damit bliebe als Unterscheidungsmerkmal nur noch der Preis, was eine Zunahme des Tabakschmuggels befürchten lasse.

"Wir sind enttäuscht, dass der Vertreter der deutschen Bundesregierung diesem unverhältnismäßigen Kompromissentwurf zugestimmt hat und damit sämtliche zuvor geäußerte Bedenken nicht nur von Seiten der Bundesregierung sondern auch der Regierungsfraktionen des Deutschen Bundestages beiseite gewischt hat", so der DZV am Freitagnachmittag in einer Mitteilung gegenüber SPIEGEL ONLINE. Der Verband sieht "verfassungsrechtlich geschützte Rechte" der Hersteller verletzt und bezweifelt einen besseren Gesundheitsschutz. Schließlich warnt die Zigarettenindustrie vor dem Verlust von Arbeitsplätzen.

Der Kritik, die beschlossenen Vorgaben könnten negative wirtschaftliche Auswirkungen haben, lässt Reilly nicht gelten: "Es kann nie eine Wahl zwischen Arbeitsplätzen und dem Leben geben." In der EU würden jährlich 700.000 Menschen an den Folgen des Rauchens sterben, die Gesundheitssysteme würden mit geschätzten 25 Milliarden Euro belastet. Hinzu komme die emotionale Belastung für Betroffene und deren Angehörige.

"Die Ergebnisse internationaler Studien zeigen, dass kombinierte Warnhinweise aus Bild und Text auf Zigarettenschachteln ein geeigneter Baustein einer umfassenderen Präventionsstrategie sein können", kommentiert Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die EU-Entscheidung.

"Die Botschaft ist einfach", sagt James Reilly. "Wenn Du noch nicht angefangen hast, zu rauchen, lass es." Reillys Kampf gegen das Rauchen ist noch nicht vorüber. Bei der abschließenden Pressekonferenz hält er eine Packung Slimzigaretten in die Höhe und sagt: "Dieses Produkt zielt auf junge Mädchen ab."

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dba, mit Material von AFP

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