Rauchen in China "Zigaretten sind hier so billig wie Wasser"

315 Millionen Chinesen rauchen. Nur in wenigen Großstädten greifen inzwischen strenge Gesetze zum Nichtraucherschutz. Weitere Maßnahmen verhindert die Tabaklobby.

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Liu Ying hat den Gestank von Zigaretten immer gehasst. Doch die Zeiten, in denen sie wehrlos in verqualmten Restaurants oder Bars sitzen musste, sind für die Pekingerin vorbei. "Wenn trotz Verbot geraucht wird, hole ich mein Handy raus und mache Fotos", sagt die 37-Jährige.

Per App meldet sie den Vorfall. Auf einer digitalen Karte werden betroffene Gaststätten für jeden sichtbar zunächst mit einem blauen Warnlicht gekennzeichnet. Gibt es mehr als fünf Verstöße, ändert sich die Farbe zu Rot. Dann droht dem Restaurant ein Bußgeld. "Es ist nicht nett, aber es funktioniert", sagt Liu Ying.

Nach halbherzigen Versuchen in der Vergangenheit sei es Peking erstmals gelungen, "ein ausgezeichnetes" Nichtrauchergesetz durchzusetzen, sagt Bernhard Schwartländer, China-Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Streng werde seit der Einführung vor zwei Jahren nicht nur in Restaurants, sondern auch in öffentlichen Gebäuden und Büros kontrolliert. Chefs, die Angst vor den hohen Strafen haben, würden das Verbot bei ihren Mitarbeitern durchsetzen.

Größter Zigarettenproduzent der Welt

Trotz der Erfolge in Städten Shanghai, Peking und Shenzhen ist der WHO-Chef mit dem Gesamtbild in China unzufrieden: "Große Teile des Landes fallen weit zurück." Bei seinen Reisen komme er immer wieder in Städte, in denen sich nicht ein einziges Hotel mit Nichtraucherzimmern finden lasse. 315 Millionen Chinesen sind Raucher.

Der Einfluss der mächtigen staatlichen Tabakindustrie sei schuld daran, dass in China internationale Verpflichtungen zur Tabakkontrolle bisher nicht eingehalten würden, so Schwartländer. Ein landesweites Nichtrauchergesetz werde von der Lobby erfolgreich verzögert.

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China: 315 Millionen Raucher

China ist die Nummer eins auf der Welt bei der Zigarettenproduktion. Fast der gesamte Markt wird von dem Staatskonzern China National Tobacco Corporation kontrolliert, der mehr als 160 Zigarettenmarken vertreibt.

Zigaretten bescheren nicht nur dem Staat Einnahmen, sondern sichern auch etwa 20 Millionen Menschen ihr Einkommen. "Die Industrie sitzt bei allen Entscheidungen mit am Tisch", kritisiert Zhang Jianshu, der Vorsitzende der Pekinger Vereinigung zur Tabakkontrolle. "Die Tabakindustrie behauptet immer, dass sie der Regierung massive Steuereinnahmen liefert." Doch die Kosten, die durch kranke Raucher auf das Gesundheitssystem zukommen, würden diese Einnahmen langfristig um ein Vielfaches übersteigen.

Aus Sicht von Zhang Jianshu müssen drei Dinge schnell geschehen: Die Tabakindustrie muss in ihrer Macht beschränkt werden, die scharfen Gesetze von Peking und Shanghai auf das ganze Land ausgeweitet und die Preise für Zigaretten drastisch erhöht werden.

Das sieht auch Schwartländer als wichtigsten Schritt, um die Zahl der Raucher zu reduzieren. "Eine Schachtel Zigaretten ist hier so billig wie eine Flasche Wasser", sagt der WHO-Experte: "Junge Menschen und Arme werden so systematisch süchtig gemacht."

wbr/Jörn Petring, dpa



insgesamt 19 Beiträge
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C. V. Neuves 26.05.2017
1.
Rauchen senkt auch die Langlebigkeit, welche ja eines der grundlegenden Probleme der derzeitigen globalen Demographie ist. Keiner will ja bis 70, oder gar darüber, arbeiten, was ja in untergeordneten Positionen in strengen Hierarchien auch wenig aushaltbar ist. Ewiges Bevölkerungswachstum funktioniert auch nicht und von der Dritten Welt jeden anzuheuern der schon mal eine Schule von innen gesehen hat, das ist auch problematisch, zumal ja auch die Chinesen Ingenieure schon besser bezahlen als die Amerikaner. Auf der anderen Seite sind aber mit kraftvollem Moralisieren die Probleme der Welt wirklich leicht zu beheben. Hier sollten die Anstrengungen daher noch verdoppelt werden.
auweia 26.05.2017
2. Weiterqualmen !
Meine private Alterssicherung beruht teilweise auf Aktien. Hierbei haben sich die Papiere der Tabakindustrie als Anlage mit sicheren Dividenden und erfreulichen Steigerungsraten erwiesen.
mariomeyer 26.05.2017
3. Wasser
Herr Schwartländer scheint ein Freund exotischen Wassers zu sein, das dann auch gerne teurer ist. Natürlich ist es falsch, dass in China eine Schachtel Kippen so viel wie eine Flasche Wasser kostet. Das ist eine Lüge. Recht hat er damit, dass Kippen in China sehr billig sein können - wenn man nicht die bekannten Marken zum Auf-Dicke-Hose-Machen wählt. Die sind teurer als in Deutschland. Die Tabak-Industrie in China hat andere Probleme. Man könnte ja mal darüber berichten, wer für diesen Industriezweig verantwortlich ist. Das könnte interessant sein.
endew 26.05.2017
4. Das x-te Rauchverbot
wird in Shanghai seit März ziemlich konsequent umgesetzt. Ist zwar etwas nervig, wegen einer Fluppe vor die Tür zu gehen, ich höre aber kaum Beschwerden von chinesischen und nichtchinesischen Freunden und Kollegen. Auf dem Land wird das aber sicher noch ganz anders gehandhabt. In vielen ausländischen Firmen gibt es seit langem nur eine Raucherecke, Rauchen in Kantine oder Büro ist verboten. Zudem sehe ich bei den jungen chinesischen Kollegen den starken Trend, ganz auf das Rauchen zu verzichten.
schlaueralsschlau 27.05.2017
5.
Und wie teuer sind die Kippen denn nun?
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