Rauchen Faulheit schlägt Sucht

Je weiter ein Raucher vom nächsten Tabakladen wegzieht, desto eher gibt er das Rauchen auf. Das zeigt eine Analyse aus Finnland. Für Ex-Raucher aber ist die Schmacht so nicht auszutricksen.

DPA

Von


Wer aufhören möchte zu rauchen, sollte am besten aufs Land ziehen - weit weg vom nächsten Tabakladen und dem nächsten Zigarettenautomaten. Das legt zumindest eine Studie nahe, die mit Rauchern in Finnland durchgeführt wurde.

Forscher um Anna Pulakka von der University of Turku haben die Daten von zwei Studien untersucht - einer mit mehr als 15.000 akuten und ehemaligen Rauchern und einer mit mehr als 5000 akuten und ehemaligen Rauchern. Dabei beschäftigte sie vor allem eine Frage: Wie wirkt es sich aus, wenn Raucher weiter weg ziehen vom nächsten Tabakladen?

Tatsächlich konnten die Forscher einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Entfernung zur Zigaretten- oder Tabakquelle und den Rauchstopp-Raten beobachten: Knapp 40 Prozent der Probanden wechselten in der Untersuchungszeit ihren Wohnort. Pro 500 Meter, die sich ein Raucher von einem Tabakladen entfernte, stieg die Aufhörwahrscheinlichkeit um 20 bis 60 Prozent.

Auf die Rückfallquoten von Ex-Rauchern hatte die Entfernung zum nächsten Tabakladen allerdings keinen Einfluss. Das könne darauf hindeuten, dass hier andere Faktoren bedeutender seien - etwa die Zahl von Rauchern, die einen umgeben, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Jama Internal Medicine".

528 Meter bis zum nächsten Tabakladen

Die Daten seien nicht grundsätzlich auf andere Länder übertragbar, schränken die Forscher ihre Ergebnisse ein. Alle Teilnehmer wohnten in Finnland, wo strenge Rauchergesetze gelten. Dort benötigen Tabakverkäufer seit 2009 eine spezielle Lizenz. Das ermöglichte den Forschern, die Entfernung vom Wohnort der Studienteilnehmer zur nächsten Verkaufsstelle abzuschätzen. Im Schnitt war die Einkaufsmöglichkeit 528 Meter weit weg.

Zudem berücksichtigen die Forscher den Einfluss von Faktoren wie Alter, Heiratsstatus oder die finanzielle Situation. Diese können sich sowohl auf die Wohnsituation als auch auf die Rauchgewohnheiten auswirken und die Ergebnisse somit verzerren.

Vorherige Untersuchungen zum Rauchverhalten und der Entfernung zur nächsten Tabakquelle hatten uneinheitliche Ergebnisse geliefert, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie. Zum Teil spielte der Laufweg zum Tabakladen nur in armen Gegenden eine Rolle und nicht in wohlhabenden, zum Teil nur bei Männern und nicht bei Frauen. Zuvor habe aber noch niemand untersucht, wie es sich auswirke, wenn sich die Entfernung zum Tabakladen verändere, schreiben die Forscher.

Nie zu spät zum Aufhören

Die Studie sei die erste ihrer Art, schreiben auch Cheryl Bettigole und Thomas Farley vom Philadelphia Department of Public Health in einem begleitenden Kommentar. "Es ist Zeit, die Risiken zu begreifen, die Tabakläden für unsere Gesellschaft darstellen", heißt es dort. Die beiden Forscher haben nicht an der aktuellen Untersuchung mitgewirkt.

Jährlich sterben weltweit fast sechs Millionen Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums. Das sind fünfmal mehr, als durch das HI-Virus. Studien sprechen dafür, dass es nie zu spät ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Selbst Menschen jenseits der 60 profitieren, wenn sie auf die Zigaretten verzichten. Das zeigte 2015 eine Untersuchung mit einer halben Million Menschen.

Bei einer anderen Studie aus dem Jahr 2012 analysierten Wissenschaftler die Daten von einer Million Frauen. Wer es schafft, die Zigaretten vor seinem 40. Geburtstag aus seinem Leben zu verbannen, gewinnt demnach statistisch gesehen zehn Lebensjahre dazu. Das deckt sich mit weiteren Untersuchungen, an denen auch Männer teilgenommen hatten.



insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon-facebook-10000830155 16.08.2016
1. Automaten
Das weiß die Tabakindustrie schon seit Jahrzehnten.Deshalb währe als Präventionsmaßnahmen des Staates auch wichtig,dieZigarettenautomaten zu verbieten.
fiftysomething 16.08.2016
2. Wahnsinn.
6 Millionen Tote. Wie kann das glaubhaft weiter erlaubt sein? Da werden harte Drogen gebannt und jeder kann soviel Zigaretten kaufen und rauchen, wie er/sie kann. Nach meiner Erfahrung ist es für die Süchtigen ein ernsthaftes Problem, aufzuhören, weil sie nicht wissen, was sie mit der Zeit, die sie dann nicht mehr rauchen, anfangen sollen. Geschweige denn, soziale Kontakte herstellen ohne mit anderen zu rauchen. Das ein Produkt, das wirklich niemand braucht, soviel Einfluß und Macht kriegen konnte.... und nur dank seiner suchtmachenden Eigenschaften.
zeichenkette 16.08.2016
3. Ich verstehe ohnehin nicht
warum hierzulande noch jede Tankstelle und jeder Supermarkt Zigaretten direkt an der Kasse verkaufen darf. Wenn es nach mir ginge, würde Tabakwerbung in der Öffentlichkeit verboten und der Verkauf von Zigaretten nur noch in Tabakgeschäften erlaubt. Aber dann würden ja weniger Zigaretten verkauft und das geht einfach nicht. Der vorgestellte Idealfall scheint jemand zu sein, der jeden Tag zwei Schachteln Zigaretten kauft und sie sofort in den Müll wirft...
frutsch 16.08.2016
4. Das Auto relativiert die Entfernung
Morgens an der Tanke oder im Schreibwaren-/Lotto-/Zeitschriftenladen sieht man sie. Die Typen im eleganten Sport-Outfit. Schnell mal vorgefahren, eine Stange, ein paar Rubbellose bzw. an der Tanke diese kleinen Schnapsflaschen, die BILD (man ist gebildet bzw. bildet sich), beim Anstehen am Sack gekratzt, vielleicht ein Schwätzchen mit ähnlichen Leuten und wieder heimgebraust.
bert.vari 16.08.2016
5. Wieder ein
schönes Beispiel für die Doppelmoral des Staates. Um 3000 Verkehrstoten zu begegnen wird ein ganzes Heer von Polizei und anderen Kräften bemüht, bei 30000 Hygienetoten in Krankenhäusern, 200000 Alkoholtoten und wer weiß wie viel Tote durch Rauchen pro Jahr kräht kein Hahn, obgleich die die Gesellschaft extrem schaden, wobei die Schnellfahrer i.d.R. nur sich selbst schaden. Soviel zur Sinnhaftigkeit von Gesetzen mit Rauschmitteln. Sobald Steuereinahen generiert werden können, interessieren Tote den Staat nicht mehr.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.