Resistenz gegen Antibiotika 35.000 US-Bürger sterben jährlich durch "Superkeime"

Die Zahlen sind alarmierend - und liegen fast doppelt so hoch wie bisher vermutet: Mehrere Zehntausend Menschen werden in den USA jedes Jahr Opfer sogenannter Superbugs. Ein Bakterium ist besonders gefährlich.

Bakterien-Proben (Symbolbild): Immer mehr Fälle in den USA beunruhigen die Ärzte
Suzanne Plunkett/ REUTERS

Bakterien-Proben (Symbolbild): Immer mehr Fälle in den USA beunruhigen die Ärzte


"Einige Wundermittel sorgen nicht mehr länger für Wunder", heißt es in dem Bericht der US-Gesundheitsbehörde CDC, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. In den USA sterben jährlich etwa 35.000 Menschen durch antibiotikaresistente Keime.

Insgesamt gebe es 2,8 Millionen Infektionen durch Erreger, von denen manche selbst mit modernen Antibiotika nicht abgetötet werden können, so die CDC. Die Zahl liegt um das Doppelte über der bisher vermuteten Opferzahl. Dabei sei allein das gefährlichste Darmbakterium, "Clostridioides difficile", für 12.800 Todesopfer verantwortlich.

Während die Zahl der Todesfälle in Krankenhäusern - ein Hort für resistente Erreger ("Superbugs") - zurückgegangen sei, hätten die Fälle außerhalb von Kliniken zugenommen.

Die Weltgesundheitsorganisation hatte im Juni vor einer weltweit ansteigenden Antibiotikaresistenz gewarnt. Diese drohe, 100 Jahre medizinischen Fortschritts zunichtezumachen. Von Antibiotikaresistenz sprechen Ärzte, wenn Patienten auf ein Antibiotikum nicht reagieren, das heißt, wenn die krank machenden Keime durch das Antibiotikum nicht vernichtet werden.

Problem auch in Deutschland bekannt

Resistenzen können sich entwickeln, wenn bei einem Antibiotikaeinsatz einige Erreger überleben. Sie könnten dann allen Antibiotika widerstehen, die einstmals gegen sie wirkten. Für Patienten, die von ihnen befallen sind, gibt es dann oft kaum Heilungschancen.

Auch in Deutschland weisen Experten bei Krankenhauspatienten immer häufiger Keime nach, die gegen wichtige Reserveantibiotika resistent sind. Diese Antibiotika werden eingesetzt, wenn die herkömmlichen Mittel bereits versagt haben.

Im Jahr 2017 fanden die Experten des Nationalen Referenzzentrums für gramnegative Krankenhauserreger (NRZ) der Ruhr-Universität Bochum in fast jeder dritten verdächtigen Probe eine sogenannte Carbapenemase. Dabei handelt es sich um von den Bakterien produzierte Enzyme, die unter anderem Reserveantibiotika aus der Gruppe der Carbapeneme unwirksam machen.

jok/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
Garnix72 14.11.2019
1.
80 - 90 % der verabreichten Antibiotika in Deutschland werden in der Massentierhaltung eingesetzt (etwa 1.700 bis 1.800 Tonnen jährlich). Ca. 98,3 % der Fleisch- und Wurstwaren haben ihren Ursprung in der Massentierhaltung. Die Chancen, dass Antibiotikaresistenzen relativ schnell (2030 - 2050) zur weltweiten Todesursache Nummer 1 wird, sind hoch.
telos 14.11.2019
2. Witschaftlichkeit versus Menschlichkeit
Hinzu kommt noch, dass sich die meisten großen Pharmaunternehmungen aus der Entwicklung und Forschung nach neuen Antibiotika zurückgezogen haben. Diese sei sehr aufwendig und teuer und die Wertschöpfung nicht so, wie gewünscht.
ArnoNyhm1984 14.11.2019
3. unfassbar!
Was sich da abspielt ist eine Katastrophe mit Ansage: Wir wissen seit Jahren um das sich hier auftürmende Problem der Antibiotikaresistenzen. Und es passiert: NICHTS! Die Pharmafirmen haben ihre Forschungen zu neuen Antibiotika im wesentlichen mangels wirtschaftlicher Lukrativität eingestellt, der Geetzgeber bleibt zum Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung weiterhin skandalös untätig und auch die seitens Staatsfinanzierung mögliche Forschung zu neuen Medikamenten in staatlichen Kliniken und Forschungseinrichtungen existiert faktisch nicht!
erzengel1987 14.11.2019
4. Die Massentierhaltung ist ein Problem aber nicht das Problem
In der Massentierhaltung werden massiv Antibiotika eingesetzt, das ist nicht schön nur gibt es hier bislang noch keine Studie die belegt, dass das für den Menschen gefährlich wird. Nur es gibt ein großes Problem. Dank der Globalisierung werden die meisten Medikamente nicht mehr in Deutschland oder Europa hergestellt. In Europa gelten zu hohe Vorschriften, um Abwasser sauber zu halten etc. Das heißt die Herstellung ist bei uns zu teuer. Nun werden Antibiotika in Ländern hergestellt, denen die Umwelt egal ist. Hier sind in Seen, Flüssen, Bächen, Brunnen, die von den Menschen als Trinkwasserquelle genutzt werden starke Antibiotkaresistente Keime gefunden worden. Zudem ist das Wasser regelmäßig mit Schaum und anderen Abwässern von der Pharmaindustrie belastet. Die Regierung und die Bevölkerung scheinen die Gefahr nicht zu kennen. Aber dort sind die absolut teuflischen Brutstätten für Keime, gegen die kein Antibiotikum mehr hilft. Das heißt ein wichtiger Schritt wäre ein Gesetz, dass Antibiotika nur noch innerhalb Europas produziert und gekauft werden dürfen. Das wäre eine wirksame Methode um diese Brutstätten auszutrocknen.
antimission 14.11.2019
5.
Zitat von erzengel1987In der Massentierhaltung werden massiv Antibiotika eingesetzt, das ist nicht schön nur gibt es hier bislang noch keine Studie die belegt, dass das für den Menschen gefährlich wird. Nur es gibt ein großes Problem. Dank der Globalisierung werden die meisten Medikamente nicht mehr in Deutschland oder Europa hergestellt. In Europa gelten zu hohe Vorschriften, um Abwasser sauber zu halten etc. Das heißt die Herstellung ist bei uns zu teuer. Nun werden Antibiotika in Ländern hergestellt, denen die Umwelt egal ist. Hier sind in Seen, Flüssen, Bächen, Brunnen, die von den Menschen als Trinkwasserquelle genutzt werden starke Antibiotkaresistente Keime gefunden worden. Zudem ist das Wasser regelmäßig mit Schaum und anderen Abwässern von der Pharmaindustrie belastet. Die Regierung und die Bevölkerung scheinen die Gefahr nicht zu kennen. Aber dort sind die absolut teuflischen Brutstätten für Keime, gegen die kein Antibiotikum mehr hilft. Das heißt ein wichtiger Schritt wäre ein Gesetz, dass Antibiotika nur noch innerhalb Europas produziert und gekauft werden dürfen. Das wäre eine wirksame Methode um diese Brutstätten auszutrocknen.
Antibiotika-Resistenzen entstehen vor allem, weil Antibiotika nicht richtig angewendet werden, zum Beispiel: Antibiotika werden zu häufig, zu kurz oder zu niedrig dosiert eingenommen. Antibiotika werden eingesetzt, obwohl sie nicht wirken, zum Beispiel bei Infektionen mit Viren. Das ganze mit Ausländern und deren "Unfähigkeit" in Verbindung zu bringen ist schon ein starkes Stück!
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