JAK-Hemmer Wie Tabletten gegen Rheuma helfen sollen

Eine relativ neue Behandlung verspricht Linderung bei Rheuma: Sogenannte JAK-Hemmer werden in Tablettenform verabreicht - und haben zwei entscheidende Vorteile gegenüber anderen Therapien.

Rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Rheumaform, unter der rund 500.000 Deutsche leiden
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Rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Rheumaform, unter der rund 500.000 Deutsche leiden


Die Gelenke schmerzen und sind geschwollen, die Finger sind steif und Bewegungen fallen besonders am Morgen schwer: Menschen mit Rheuma sind im Alltag häufig stark durch ihre Beschwerden eingeschränkt. Rund eine halbe Millionen Menschen in Deutschland leidet unter der sogenannten rheumatoiden Arthritis, einer entzündlichen Rheuma-Form.

Eine Reihe meist aufwändiger Therapieansätze soll Linderung verschaffen: Mit Krankengymnastik, Elektrotherapie oder einer Vielzahl von Präparaten haben Rheumatologen in der Vergangenheit Erfolge erzielt.

Doch seit kurzer Zeit gibt es für Patienten mit entzündlichen Rheumaerkrankungen eine weniger komplizierte Behandlungsmöglichkeit: Seit etwa zwei Jahren können Ärzte in Deutschland Mittel verordnen, die die Autoimmunreaktion bei der rheumatoiden Arthritis unterdrücken sollen.

Die sogenannten Januskinase-Inhibitoren verhindern, dass bestimmte Botenstoffe (Zytokine) an der Zellmembran eine Signalkette auslösen, die im Inneren der Zelle zur Produktion neuer Entzündungsstoffe führt. Die Entzündungsstoffe verursachen im Muskel- und Skelettsystem, aber auch an Herz und Lunge schwere Schäden und Schmerzen.

Es gibt bereits Biologika, gentechnisch hergestellte Eiweiße, die ebenfalls außerhalb der Zelle die Botenstoffe hemmen. Diese Mittel seien seit 1998 in Deutschland zugelassen, sagt Hendrik Schulze-Koops, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie. Seitdem hätten die entzündlichen rheumatischen Erkrankungen ihren Schrecken verloren. Noch in den Achtzigerjahren seien die Patienten im Schnitt zehn Jahre früher als die Gesamtbevölkerung gestorben. Inzwischen sei ihre Lebenserwartung dem Durchschnitt angeglichen. Die Betroffenen könnten sogar Sport treiben.

Biologika haben jedoch einen Nachteil: Sie müssen unter die Haut oder in die Blutbahn gespritzt werden. Ärzte setzen sie unter anderem deshalb nicht als erstes Mittel bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen ein. Wer mit Schmerzen zum Arzt geht, bekommt in der Regel zunächst Kortison, das die Aktivität des Immunsystems vermindert. "Wenn es brennt, sind Sie froh, wenn die Feuerwehr erstmal Wasser gibt", sagt Schulze-Koops. Dann folge normalerweise die Gabe von Hydroxychloroquin oder Methotrexat. Das eine ist eigentlich ein Malariamittel, das andere ein Tumormedikament. In sehr niedriger Dosierung könnten sie die Entzündungen zum Stillstand bringen, jedoch in der Regel erst nach einigen Wochen oder mehr.

Die neueren Januskinase-Inhibitoren, auch JAK-Hemmer genannt, können Patienten im Gegensatz zu Biologika einfach als Tablette schlucken. Die Leiterin der Sektion für Rheumatologie und entzündliche Systemerkrankungen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Ina Kötter, bewertet die Mittel als wesentlichen Fortschritt in der Rheuma-Therapie.

Ein anderer Vorteil, der sich in einigen Jahren bemerkbar machen könnte: die Kosten. Zurzeit kostet eine Behandlung mit Biologika nach Angaben von Schulze-Koops zwischen 12.000 und 25.000 Euro pro Jahr. Die JAK-Hemmer sind zwar ähnlich teuer, eine Behandlung kostet laut Kötter rund 15.000 bis 18.000 Euro. Allerdings laufe der Patentschutz für die Mittel innerhalb von sieben oder acht Jahren aus. Dann könnten günstige Nachahmer-Medikamente hergestellt werden. Die Produktion von Biologika werde dagegen mit einem Riesenaufwand verbunden bleiben.

Die Suche nach dem Heiligen Gral

Eine Heilung rheumatisch entzündlicher Erkrankungen ist noch nicht möglich - auch mit den neuen JAK-Hemmern nicht. "Wir suchen nach wie vor nach dem Heiligen Gral", sagt Schulze-Koops. Entscheidend für den Erfolg einer Therapie sei die frühe Diagnose. Wer erkranke, habe nicht gleich Gelenkschmerzen, sondern Symptome wie bei einer Grippe: Fieber, Nachtschweiß, Leistungsverminderung, Müdigkeitsgefühl.

Ob eine Entzündung vorliege, müsse ein Rheumatologe schnell klären. Die Wahrscheinlichkeit eines Behandlungserfolgs sinke pro Woche um ein Prozent. Von den ersten Symptomen bis zum ersten Besuch beim Rheumatologen verstreichen bei rheumatoider Arthritis jedoch acht Monaten, bei Morbus Bechterew, einer Erkrankung vor allem an der Wirbelsäule, sogar fünf bis sieben Jahren. Das hat zumindest eine Studie aus dem Jahr 2016 ergeben.

Darum fordert die Gesellschaft für Rheumatologie eine bessere Früherkennung und Versorgungsstruktur. Es fehlten 600 niedergelassene Rheumatologen in Deutschland, sagt Schulze-Koops.

kry/dpa; Bernhard Sprengel



insgesamt 13 Beiträge
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Doc Wombat 10.10.2019
1. Ganz klar falsche Ernährung
Traurig derartiges über die Volkskrankheit Rheuma lesen zu müssen. Tabletten dagegen können doch niemals die Lösung sein. Aus eigener Erfahrung weis ich, dass bei Umstellung zu einer gesunden, möglichst überwiegend basischen Ernährung und auch ausreichend Omega-3 Fettsäuren im empfohlenen Verhältnis zu Omega-6 Probleme mit dem Rücken und/oder Gelenken von alleine verschwinden. Die falsche Ernährung schädigt unsere Darmschleimhaut, was der Auslöser für typische Volkskrankheiten ist, da dadurch die Nährstoffaufnahme empfindlich gestört wird. Oft äußert sich sowas dann auch mit Rückenschmerzen ab einen Alter von 30+. Alle menschlichen Organe sind bekanntermaßen mit dem Rückrat über Nerven verbunden und vom Darm aus werden dann Schmerzsignale dahin gesendet, wenn es mit der Darmgesundheit nicht zum besten bestellt ist.
swanlake 10.10.2019
2. Danke an Doc Wombat...
...gleich der erste Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf. Gesunde Ernährung, Bewegung und ein großer Abstand zu westlicher Lebensweise reichen vollkommen aus. Googelt mal "Bios Logos" in Thailand - da wird auf natürliche Weise Rheuma innerhalb kurzer Zeit nicht "behandelt", sondern geheilt.
permissiveactionlink 10.10.2019
3. #1, Doc Wombat
Sind Sie sicher, dass Sie den Artikel richtig gelesen haben, geschweige denn verstanden ? Bei der rheumatoiden Arthritis handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit vom Typ IV, bei der es zu einer direkten Schädigung durch autoreaktive T-Lmphozyten kommt. Mit der Ernährung hat das gar nichts zu tun. Die Immunreaktion kann man zunächst durch Cortison supprimieren. Danach setzt man den Vitamin-B9-(Folsäure)- Konpetitor Methotrexat in sehr niedriger Konzentration ein. Hilft das alles noch nicht, konnte man bisher gentechnisch erzeugte Biologicals einsetzen. Das waren immer monoklonale Antikörper oder deren hochspezifische Bindungs-Untereinheiten. Diese blockierten dann die speziellen Oberflächen-Rezeptoren der autoreaktiven T-Zellen, o d e r fingen die von diesen T-Zellen freigesetzten Entzündungsmediatoren (Botenstoffe) ab. Diese Biologicals können den Patienten aber nur sibcutan verabreicht werden. Die modernen Tyrosinkinase-Hemmer (JAK(Januskinase)-Hemmer, ein gutes Dutzend verschiedene sind zugelassen, sogar eines für die Veterinärmedizin) hemmen die Signalweiterleitung zu und in andere(n) Immunzellen, und unterbrechen damit die Entzündungsreaktion. Die Substanzen sind für Betroffene schlichtweg grandios, ein Riesenfortschritt bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis, da sie oral eingenommen werden und Biologicals ersetzen können. Und da kommen Sie mit Omega-Fettsäuren ! Wissen Sie überhaupt, wovon Sie da reden ?
frajaH 10.10.2019
4. #1, #2
wie lange hat denn bei ihnen die heilung von rheuma gedauert, wie weit genau mussten sie sich den von der westlichen lebensweise entfernen?
oun79 10.10.2019
5. Ignoranz trifft Arroganz
wir können als Betroffene in der Tat sehr froh und dankbar sein, dass es mittlerweile gute Medikamente gibt, die wirken. meine Frau nimmt übrigens Biologika... oral. und trotzdem kann die Ursache für die autoimmunen Prozesse im Körper sehr wohl durch die Ernährung und den allgemeinen Lebenswandel beeinflusst werden. Wir sind, was wir essen. Das, was wir in uns hineingeben, wird vom Körper umgesetzt und genutzt. Ein Immunsystem fällt nicht vom Himmel. Unfassbar, mir welcher Arroganz solche Zusammenhänge weggewischt werden. Unfassbar, wie man so tun kann, als müsste man nur seine Ernährung umstellen und schwupps.. hätte man zb kein Rheuma mehr. Wie werden wir Menschen nur erzogen, dass wir uns so schwer mit anderen Perspektiven tun?!
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