Rinderwahn Das müssen Sie über BSE wissen

Kann man in Deutschland getrost Rindersteak und Hamburger essen? Ein Restrisiko wird es immer geben. Doch bislang ist in Deutschland noch nie die menschliche BSE-Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ausgebrochen, die vor allem junge Menschen trifft.

Gegrilltes Steak: Noch kein BSE-verursachter Fall von Creutzfeldt-Jakob in Deutschland
Corbis

Gegrilltes Steak: Noch kein BSE-verursachter Fall von Creutzfeldt-Jakob in Deutschland


Was ist BSE?

Das Kürzel steht für bovine spongiforme Enzephalopathie, eine schwammartigen Veränderung des Gehirns von Rindern. Ausgelöst wird die Krankheit von Prionen, infektiösen Eiweißkörpern, denen auch Hitze nur wenig anhaben kann.

BSE gehört zu den übertragbaren spongiformen Enzephalopathien, die bei Säugetieren das Gehirn schwammartig verändern. Normalerweise kommt es durch den Verzehr erregerhaltiger Nahrung zu diesen Veränderungen. Die Erreger können nicht nur innerhalb einer Tierart weitergegeben werden, sondern sind auch auf andere übertragbar. Dort verursachen sie dieselben schwammartigen Gehirnveränderungen.

Beim Menschen ist die bekannteste Erkrankung die Creutzfeld-Jakob Krankheit (CJK). CJK ist selten, aber tödlich. Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Allerdings entdeckten Wissenschaftler 1996 eine CJK-Variante, kurz vCJK, an der vor allem junge Menschen sterben. Weltweit gibt es bisher 224 bestätigte oder wahrscheinliche Fälle von vCJK, die überwiegende Mehrheit davon trat in Großbritannien auf. Weitere Fälle meldeten Frankreich (27 Fälle), Spanien (5 Fälle), Irland (4 Fälle), und eine Reihe weiterer Länder - ausgenommen Deutschland. Die klassische CJK gibt es dagegen auch in Deutschland.

Was sind Prionen?

Prionen sind Eiweißkörper. Sie befinden sich von Natur aus in den Nervenzellen. Sie werden normalerweise gebildet, erfüllen eine Aufgabe und werden wieder abgebaut.

BSE-Prionen sind dagegen nicht abbaubar. Sie sind anders gefaltet als ihre normalen Verwandten und wandern vom Verdauungstrakt ins Gehirn. Dort entfalten sie ihr tödliches Potential. Sie setzen eine Art Kettenreaktion in Gang: Ein fehlgefaltetes BSE-Prion reicht, um alle anderen normal gefalteten Prion-Eiweißkörper in einer Nervenzelle in die falsche Form wechseln zu lassen. Als Folge bildet sich eine Müllhalde aus nicht abbaubarem BSE-Prionen mitten in der Nervenzelle. Die Nervenzelle stirbt ab und mit ihr viele andere- der Anfang vom Ende des gesunden Gehirns.

So kann sich der Mensch anstecken

Der Mensch kann sich über den Verzehr von mit dem BSE-Erreger kontaminiertem Rindfleisch infizieren. Aber das ist offenbar nicht der einzige Ansteckungsweg. Der Erreger scheint, wie bei der klassischen CJK auch, durch chirurgische Instrumente, Bluttransfusionen und Plasmapräparate übertragbar zu sein.

Könnten Prionen auch über die Atemluft aufgenommen werden? 2011 wurden im Fachmagazin "PLoS Pathogens" die Ergebnisse der Untersuchungen des Instituts für Neuropathologie der Uni Zürich und des deutschen Friedrich-Loeffler-Instituts veröffentlicht. Unter Versuchsbedingungen konnten die tödlichen und in hoher Konzentration vorliegenden Erreger tatsächlich mit der Atemluft in den Körper von Mäusen gelangen. Die hohe Erregerkonzentration ist ein Kritikpunkt an der Studie. Allerdings betonen die Wissenschaftler, dass ihre Ergebnisse nun nicht bedeuten, dass CJK-Patienten Prionen mit ihrer Atemluft ausscheiden und andere Menschen so gefährden. Sie fordern jedoch mehr Sicherheitsmaßnahmen zum Beispiel für Laborpersonal.

"Spezifiziertes Risikomaterial" beim Rind - was ist das?

Zum spezifizierten Risikomaterial gehören derzeit Gehirn, Augen und Rückenmark von Rindern über 12 Monaten, Lymphdrüsen und Darm mit Darmgekröse von allen Rindern unabhängig vom Alter sowie die Wirbelsäule eines Rindes über 30 Monaten. Spezifiziertes Risikomaterial wird im Schlachthof farblich markiert, sterilisiert und verbrannt, die Reste auf speziellen Deponien vergraben.

Wie viele BSE-Fälle gab es bisher?

In Großbritannien traten zwischen 1986 und 2006 immerhin 180.000 gemeldete Fälle auf. Von dort breitete sich die Infektion auch auf andere Länder aus. 1992 wurde der erste BSE-Fall in Deutschland verzeichnet. Der erste BSE-Fall eines in Deutschland geborenen Rindes wurde 2000 nachgewiesen. Insgesamt sind zwischen Januar 2001 und Juni 2009 in Deutschland 406 BSE-Fälle aufgetreten. Danach gab es offiziell keinen weiteren BSE-Fall in Deutschland. Im Jahr 2010 wurden in Europa nur noch 67 Tiere positiv getestet.



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
weinstock111 25.03.2016
1. Bse
Ich habe von 1994 bis 1998 in UK gewohnt - dort täglich Rindfleisch gegessen - ich denke diese BSE Panikmache ist wie auch Vogelgrippe oder Schweinegrippe total überbewertet. Ich mache mir mehr Sorgen um Krankenhauskeime an denen immerhin ca. 40.000 Menschen in Deutschland jährlich sterben.Komischerweise gibt es nicht mal 10% davon un Holland - also lieber in Holland operieren lassen !!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.