Bilanz für 2013 Deutschland erlebte schwere Masern-Welle

Die Masern waren fast zurückgedrängt - doch durch Impfmüdigkeit können sie wieder Fuß fassen. 2013 steckten sich in Deutschland 1775 Menschen mit den Viren an.
Impfung beim Kinderarzt: Die Impfung gegen Masern wird mit der gegen Mumps und Röteln kombiniert

Impfung beim Kinderarzt: Die Impfung gegen Masern wird mit der gegen Mumps und Röteln kombiniert

Foto: Corbis

In Deutschland sind laut Robert Koch-Institut  (RKI) 2013 insgesamt 1775 Menschen an Masern erkrankt, damit erlebte das Land die stärkste Krankheitswelle seit sieben Jahren. 2012 waren 165 Menschen von der vermeintlichen Kinderkrankheit betroffen, 2011 lag die Zahl der Krankheitsfälle bei 1608.

Nachdem sie durch Impfungen weitgehend zurückgedrängt wurden, breiten sich Masernviren seit einigen Jahren wieder in Europa aus. Die Fallzahlen der hochansteckenden, durch Tröpfchen übertragbaren Krankheit sind fast überall steigend. In Deutschland trat die Viruserkrankung im vergangenen Jahr vor allen in den Ballungszentren Berlin und München auf. Knapp 500 der Masernfälle registrierten Ärzte in Berlin, in Bayern waren es knapp 800 Erkrankte.

Als Hauptursachen der wieder zunehmenden Verbreitung gelten vor allem Impfmüdigkeit und Fehlinformation. Die steigenden Masern-Infektionszahlen in den vergangenen Jahren korrelierten statistisch nachweisbar mit niedrigen Impfungsraten bei Kindern und Jugendlichen.

Zwei Impfungen empfohlen

Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) sollte die erste Masernimpfung, meist in Kombination mit dem Schutz vor Mumps und Röteln (MMR), vom 11. bis 14. Lebensmonat erfolgen. Eine zweite Impfung folgt optimalerweise zwischen dem 15. und dem 23. Lebensmonat - um jene Kinder zu erreichen, deren Immunsystem nach der ersten Impfung keinen ausreichenden Schutz aufgebaut hat.

Trotzdem gibt es beim Impfschutz in Deutschland große Lücken. Im Schnitt sind nur 37 Prozent aller Kleinkinder entsprechend der Stiko-Empfehlungen vor den Viren geschützt, zeigte eine im Juli 2013 veröffentlichte Deutschlandkarte. Besonders große Impflücken dokumentierten die Forscher in Oberbayern.

Um die Masern auszurotten, müsste weltweit eine Impfquote von 95 Prozent erreicht werden, haben Forscher vorgerechnet. Da das Masernvirus ausschließlich beim Menschen auftritt und keine Tiere befällt, wäre eine Ausrottung, wie sie bei den Pocken gelungen ist, möglich.

Die Masern können schwere Komplikationen wie eine Lungen- oder Gehirnentzündung nach sich ziehen. Hier sind zwei Altersgruppen besonders gefährdet: Erwachsene über 20 und Kinder bis fünf Jahre. 2013 waren laut RKI  bundesweit 39 Prozent der an Masern Erkrankten über 20 Jahre alt, in Berlin waren es sogar 45 Prozent.

irb/wbr