Neuer Impfkalender Experten raten zur Impfung gegen Rotaviren

Die Ständige Impfkommission empfiehlt ab sofort, Säuglinge gegen Rotaviren zu impfen. Die Erreger zählen zu den häufigsten Verursachern von schweren Magen-Darm-Infektionen bei Kindern - Tausende müssen jährlich im Krankenhaus behandelt werden.
Impfung: Neuer Schutz vor Durchfall und Erbrechen

Impfung: Neuer Schutz vor Durchfall und Erbrechen

Foto: Kevork Djansezian/ Getty Images

Hamburg - Die Erreger sind hoch ansteckend und können heftigen Durchfall und Erbrechen auslösen: Zwar sterben in Deutschland nur selten Kinder an dieser Erkrankung, gleichwohl müssen jährlich etwa 20.000 Kinder mit einer Rotavirus-Infektion in Kliniken behandelt werden, um ihren Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt auszugleichen.

Um Kinder vor den schweren Folgen eines solchen Brechdurchfalls zu schützen und sie vor einem nötigen Klinikaufenthalt zu bewahren, empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert Koch-Instituts (RKI) seit heute offiziell die Impfung gegen Rotaviren: Säuglinge sollten demnach innerhalb der ersten Lebenswochen gegen die Erreger geimpft werden.

Rotaviren sind die häufigsten Verursacher von Magen-Darm-Infektionen bei Kindern unter fünf Jahren. Daten aus anderen Ländern wie zum Beispiel Österreich legen nahe, dass auch nicht geimpfte Menschen von der Impfung profitieren, so die Stiko.

Impfkalender bis zwei Jahre

Impfung 6 Wochen 2 Monate 3 Monate 4 Monate 11-14 Monate 15-23 Monate
Tetanus x x x x Nachholimpfung
Diphtherie x x x x Nachholimpfung
Keuchhusten (Pertussis) x x x x Nachholimpfung
Haemophilus influenzae Typ b x (x) x x Nachholimpfung
Kinderlähmung (Poliomyelitis) x (x) x x Nachholimpfung
Hepatitis B x (x) x x Nachholimpfung
Pneumokokken x x x x Nachholimpfung
Meningokokken C ab 12 Monaten ab 12 Monaten
Masern, Mumps, Röteln x x
Rotaviren x x (x) (x)
Windpocken (Varizellen) x x
Quelle: Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin Nr. 34/2013, 26. August 2013. (x): Impfung nur bei bestimmten Impfstoffen notwendig. Nachholimpfung: Grundimmunisierung aller noch nicht Geimpften bzw. Komplettierung einer unvollständigen Impfserie.

Kinder- und Jugendärzte tun sich jedoch schwer, die Impfquoten zu erhöhen, zuletzt sorgten die katastrophal schlechten Zahlen zur Masernimpfung für Aufsehen. Der Grund: Viele Eltern sorgen sich vor den möglichen Nebenwirkungen einer Impfung - etwa Fieber oder Schmerzen an der Einstichstelle, aber auch vor schwerwiegenden Komplikationen, die höchst selten auftreten.

Dabei können nur geimpfte Kinder auch solche Patienten schützen, für die eine Impfung wegen anderer Krankheiten nicht in Frage kommt - und für die auch vermeintlich harmlose Infektionen dramatische Folgen haben können.

Kein Geld sparen, Krankheitslast senken

Die Stiko betont in ihrer Empfehlung (PDF hier ), mit der Rotavirus-Standardimpfung könne wegen der Impfstoffpreise vermutlich kein Geld gespart werden, wegen der großen Zahl der Krankenhausbehandlungen sieht die Kommission die Impfempfehlung dennoch als gerechtfertigt an. Die Krankheitslast könne so gesenkt werden, so die Stiko.

Bei der Rotavirus-Impfung muss es schnell gehen: Die Experten empfiehlen die Schluckimpfung ab dem Alter von sechs Wochen mit - je nach Hersteller - zwei oder drei Dosen im Abstand von mindestens vier Wochen. Allerdings müssen die Eltern ihren Säugling bis spätestens zum Alter von 12 Wochen mit der ersten Dosis geimpft haben. Denn je älter das Kind, desto höher wird das Risiko für eine sogenannte Darminvagination, bei der sich der Darm ineinander stülpt.

Innerhalb der ersten Woche nach der ersten Impfdosis liegt das Risiko bei einem bis zwei Fällen pro 100.000 geimpften Kindern; dieses Risiko steigt mit zunehmendem Alter an. Die Eltern der Kinder sollten bei typischen Anzeichen einer Invagination wie Bauchschmerzen, Erbrechen oder blutigem Stuhl umgehend einen Arzt aufsuchen.

Dennoch überwiegen aus Sicht der Stiko die Vorteile der Rotavirus-Impfung, wie sie in Begründung ihrer Impfempfehlung (PDF hier ) argumentieren. Im Alter von 24 beziehungsweise 32 Wochen müssen die Kinder komplett geimpft sein.

Impfkalender von zwei bis 17 Jahren

Impfung 2-4 Jahre 5-6 Jahre 9-11 Jahre 12-17 Jahre
Tetanus nachholen auffrischen (auffrischen) (auffrischen)
Diphtherie nachholen auffrischen (auffrischen) (auffrischen)
Keuchhusten (Pertussis) nachholen auffrischen (auffrischen) (auffrischen)
Haemophilus influenzae Typ b nachholen
Kinderlähmung (Poliomyelitis) nachholen nachholen (auffrischen) (auffrischen)
Hepatitis B nachholen nachholen nachholen
Meningokokken C nachholen nachholen nachholen nachholen
Masern nachholen nachholen nachholen nachholen
Mumps, Röteln nachholen nachholen nachholen nachholen
Windpocken (Varizellen) nachholen nachholen nachholen nachholen
Humanes Papillomvirus Mädchen/Frauen
Quelle: Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin Nr. 34/2013, 26. August 2013. (x): Impfung im dritten Monat nur bei bestimmten Impfstoffen. Nachholimpfung: Grundimmunisierung aller noch nicht Geimpften bzw. Komplettierung einer unvollständigen Impfserie. (Auffrischen): nur einmal in zwei Altersspannen notwendig.

Die neuen Empfehlungen der Stiko zu (PDF hier ) bringen auch kleine Änderungen für andere Schutzimpfungen. Bei Hepatitis B ist nach einer neuen Bewertung der weltweit verfügbaren Daten keine Auffrischimpfung nach einer Grundimmunisierung mehr notwendig. Nach wie vor sollte nach einer Hepatitis-B-Impfung aber kontrolliert werden, ob das Immunsystem ausreichend Antikörper gegen den Erreger bildet.

Bei der echten Grippe, der Influenza, empfiehlt die Stiko jetzt, bei Kindern einen Sprühimpfstoff für die Nase zu verwenden. Die Zwei- bis Sechsjährigen, die wegen einer chronischen Krankheit geimpft werden sollen, könnten dadurch motiviert werden, sich gegen Influenza impfen zu lassen, so die Hoffnung. Neben bestimmten Risikogruppen sollten zudem alle Menschen jährlich gegen Influenza geimpft werden, die eine Risikoperson betreuen.

dba
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