Gefährliche Lungenkrankheit Mann aus Katar mit Sars-ähnlichem Virus infiziert

In Großbritannien ist möglicherweise ein neues Sars-Virus aufgetaucht: Ein Mann aus Katar hat sich mit dem bisher unbekannten Erreger infiziert. Der 49-Jährige befindet sich in einem kritischen Zustand - Anzeichen für eine Ansteckung weiterer Menschen gibt es aber bisher nicht.
Warnschild am Flughafen in Toronto während der Sars-Pandemie 2003: Erreger löst schwere Lungenerkrankung aus

Warnschild am Flughafen in Toronto während der Sars-Pandemie 2003: Erreger löst schwere Lungenerkrankung aus

Foto: J.P. MOCZULSKI/ AP

Ein 49-jähriger Mann aus Katar hat sich mit einem bisher unbekannten Virus angesteckt, das dem lebensgefährlichen Sars-Erreger ähnelt. Der Patient sei schwer erkrankt und werde derzeit in London behandelt, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Montag mit . "Dieses neue Virus ist komplett anders als das, was wir bisher in Menschen identifiziert haben", erklärte die britische Gesundheitsbehörde HPA.

Der Mann zeige Symptome einer Atemwegsinfektion und von Nierenversagen. Bisher habe man aber keine Hinweise für eine Ansteckungsgefahr von Mensch zu Mensch gefunden. "Der Patient lebt noch, aber er befindet sich nach unseren Informationen in einem kritischen Zustand", sagte WHO-Sprecher Gregory Hartl der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir fragen überall, ob jemand ähnliche Fälle gesehen hat, aber bisher gab es keine entsprechenden Meldungen."

Am Sonntag hatte die WHO über ihr weltweites Warnsystem mitgeteilt, Tests hätten bestätigt, dass der Mann an einem neuartigen Coronavirus erkrankt sei. Das Sars-Virus zählt zur Familie der Coronaviren. Ebenfalls dazu gehört eine Reihe weiterer Viren, darunter auch solche, die harmlose Erkältungskrankheiten hervorrufen, in manchen Fällen auch Durchfallerkrankungen.

2002 und 2003 waren weltweit 800 Menschen an dem Sars-Coronavirus (Sars-CoV) gestorben. Dieses löste bei den Infizierten Symptome aus, die ähnlich denen einer Lungenentzündung sind: Das sogenannte schwere akute respiratorische Syndrom (Sars) beginnt zunächst mit grippeähnlichen Symptomen. Später können Husten, Atemnot und Durchfall auftreten. In schweren Fällen verschlechtert sich die Atemnot derart, dass die Patienten auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Im schlimmsten Fall ist die Infektion tödlich.

Schätzungen zufolge liegt die Sterblichkeitsrate bei einer Infektion mit dem Virus bei bis zu 50 Prozent. Dabei spielt das Alter aber eine große Rolle, im Schnitt beträgt sie demnach schätzungsweise elf Prozent. Eine höhere Sterblichkeit wurde bisher bei Männern beobachtet.

Erwachsene erkranken häufiger als Kinder

Bei der vor zehn Jahren grassierenden Pandemie wurde das Sars-CoV erstmals in China nachgewiesen. Der Ausbruch hatte auch gravierende wirtschaftliche Folgen, weil zum Beispiel viele Menschen auf Flugreisen verzichteten. Vom Sars-Ausbruch im Frühjahr 2003 war bemerkenswerterweise häufig medizinisches Personal betroffen. In der Regel erkrankten Erwachsene, Kinder waren selten betroffen.

Nach WHO-Angaben haben Forscher jetzt starke Ähnlichkeiten zwischen dem Erreger in London und einem früheren Fall in Saudi-Arabien entdeckt. Dort hätten Mediziner dieses Jahr einen 60-jährigen Mann mit schwerer Lungenerkrankung behandelt, der später gestorben sei. Der dort identifizierte Erreger ähnelt dem nun entdeckten Virus zu 99,5 Prozent.

"Es ist nicht außergewöhnlich, dass neuartige Coronaviren gefunden werden, auffällig ist aber, dass es sich in beiden Fällen um schwere Erkrankungen handelt", erklärte Walter Haas, der Leiter des Fachgebiets Respiratorische Infektionen am Montag. "Der Nachweis beruht aber auf einem sehr kleinen Erbgutstück", sagte Haas. Deshalb wisse man noch nicht sehr viel über den neuen Erreger.

Nach derzeitigem Stand der Erkenntnisse geht von dem Erreger aber offenbar keine unmittelbare Gefahr für die Öffentlichkeit aus. Aktuell solle man wegen des Virus zwar wachsam sein, aber nicht unmittelbar besorgt, sagte der Direktor des Londoner Zentrums für Atemwegsinfektionen, Peter Openshaw. Die WHO sammelt nach eigenen Angaben weitere Informationen, um einschätzen zu können, welche Auswirkungen der neue Fall für die öffentliche Gesundheit haben könnte.

Der jetzt behandelte Patient sei erstmals am 3. September mit Symptomen einer akuten Atemwegsinfektion bei einem Arzt gewesen. Am 7. September sei er auf eine Intensivstation einer Klinik in Katar gekommen und am 11. September mit einem Ambulanzflugzeug nach Großbritannien gebracht worden. Dort sei das Virus analysiert worden. Der Mann sei vor der Erkrankung auch in Saudi-Arabien unterwegs gewesen. Es blieb aber zunächst unklar, ob der Patient Kontakt mit dem in Saudi-Arabien erkrankten, später verstorbenen Mann hatte.

cib/Reuters/dpa
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