Schlaf Ein Kissen muss drei Dinge leisten

Guter Schlaf fördert nicht nur Laune und Leistung, er ist auch eine Wohltat für die Wirbelsäule. Deshalb haben Orthopäden klare Empfehlungen bei der Kissenwahl.

Wer gut schlafen möchte, braucht das richtige Kissen
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Wer gut schlafen möchte, braucht das richtige Kissen


Welches ist das beste Ruhekissen? Ob in Keil- und Kugelform, mit eingebautem Lautsprecher, für Allergiker oder Rückenpatienten: Angesichts des vielfältigen Angebotes ist der Kauf eines Kissens mittlerweile eine Wissenschaft für sich. Experten sagen aber: Alles gar nicht so wichtig - Hauptsache bequem.

Ein Kissen muss vor allem drei Dinge leisten, sagt Peter Young, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). "Es muss einen schmerzfreien Schlaf ermöglichen, es darf keine Haltung erzwingen, und es muss sich subjektiv gut anfühlen."

Guter Schlaf ist nicht nur die Basis für Leistung und Laune am folgenden Tag. Aus orthopädischer Sicht ist der Schlaf vor allem für die Wirbelsäule wichtig. "Sie muss tagsüber den Körper tragen und sich nachts regenerieren", sagt Bernd Kladny, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Damit das gelingt, müssen die Bandscheiben leicht aufquellen können, weil sie sich mit Nährstoffen vollsaugen. Die Wirbelsäule darf dabei nicht gequetscht oder überdehnt werden. Ansonsten behindert das langfristig die Reparaturprozesse der Bandscheibe und steigert das Risiko für Schäden an der Wirbelsäule.

Es sollte nicht zu groß sein

Damit es nicht so weit kommt, sollte man ein neues Kissen möglichst ausprobieren. Rückengesunde Menschen könnten an sich selbst gut beobachten, welches Kissen ideal sei, sagt Kladny.

Wenn es bequem ist und der Schläfer sich auch am nächsten Tag gut fühlt, ist in der Regel auch das Kissen gut. Nur zu groß sollte es nie sein: "Wichtig ist gerade bei Bauch- und Rückenschläfern, dass nur der Kopf auf dem Kissen liegt", sagt Kladny. "Deshalb ist die normale Kissengröße von 80 mal 80 Zentimetern da nicht so geeignet."

Nur wer Rücken- oder Nackenprobleme hat, braucht eventuell Beratung. Sonst bestehe das Risiko, dass Fehlstellungen verstärkt werden.

Ob es sich bei dem neuen Kissen um ein Seitenschläfer- oder Bauchkissen handelt, spielt für den Orthopäden kaum eine Rolle. "Das eine ideale Kissen gibt es nicht, weil wir uns ja nachts auch bewegen", sagt er. "Der Seitenschläfer liegt nicht die ganze Nacht auf der Seite."

Generell raten die Experten davon ab, dass Menschen versuchen, ihre langjährige Schlafposition zu verändern. Wer immer auf der Seite einschläft, tut sich schwer damit, auf dem Bauch oder Rücken liegend Ruhe zu finden.

"Eine Ausnahme sind höchstens Kissen, die den Rückenschlaf verhindern sollen", sagt Schlafmediziner Young. Die brauchen zum Beispiel Patienten mit Apnoe, Atemaussetzern also, die nur in Rückenlage auftreten.

ctl/dpa



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