Nächtliche Atemaussetzer Hilfe bei Schlafapnoe

Bleierne Müdigkeit tagsüber, erhöhtes Risiko für Volkskrankheiten wie Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes: Nächtliche Atemaussetzer können schwere Folgen haben. Welche Therapien helfen bei Schlafapnoe?
Schlafstörungen? Nächtliche Atemaussetzer können schwerwiegende Folgen haben

Schlafstörungen? Nächtliche Atemaussetzer können schwerwiegende Folgen haben

Foto: Corbis

Nachts erschlaffen die Muskeln im Rachenraum, die Zunge fällt zurück, die Luftwege sind blockiert. Der Atem setzt aus, sekunden- bis minutenlang, immer und immer wieder. Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist nicht einfach nur eine schwere Schlafstörung - sie hat auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Deshalb sollte sie möglichst früh behandelt werden.

Effektiv ist die Überdruckbeatmung über eine spezielle Nasenmaske, die sogenannte CPAP-Therapie ("Continous Positive Airway Pressure". Der Überdruck sorgt für eine stehende Luftsäule im Rachenraum, sie hält die oberen Atemwege offen. Auf diese Weise werden nächtliche Atemaussetzer vermieden, und der Patient kann wieder die Tiefschlafphase erreichen (REM).

Die Nebenwirkungen sind meistens erträglich: Trockene Nase, trockener Mund oder Druck auf den Ohren zählen dazu. "Es kann mal eine Bindehautentzündung auftreten, wenn die Maske nicht komplett schließt und ein Luftzug in Richtung Auge besteht", sagt Michael Arzt, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums des Universitätsklinikums Regensburg. Doch nicht jeder trägt die Maske nachts gerne, manche empfinden sie auch als störend oder unangenehm im Gesicht. Das Tragen der Maske ist gewöhnungsbedürftig. "Da sich die Beschwerden wie Tagesmüdigkeit aber dank der CPAP-Therapie sehr stark bessern, nehmen dies die meisten gerne in Kauf", sagt Arzt.

Alle Faktoren müssen berücksichtigt werden

In 95 bis 98 Prozent der Fälle bessert sich die Schlafapnoe durch die CPAP merklich. "Allerdings kann es sein, dass die Betroffenen trotzdem noch Beschwerden haben, weil sich mehrere Störungen überlagern", sagt Arzt. Möglicherweise sei der Schlaf aufgrund einer Depression oder des Restless-Legs-Syndroms (RLS) zusätzlich gestört.

Vor allem übergewichtige Menschen leiden an Schlafapnoe. "Allein schon das Fettgewebe kann müde machen, weil starke Entzündungsreaktionen vorhanden sind", erklärt der Regensburger Mediziner.

Bei einer leichten oder mittelgradigen obstruktiven Schlafapnoe (OSA) oder bei nichtübergewichtigen Menschen kommt außer der Überdrucktherapie noch eine weitere Methode in Frage: Eine sogenannte Unterkieferprotrusionsschiene schafft mehr Raum im Rachen. Diese Anti-Schnarchschiene kann die erste Alternative zu einer Cpap-Therapie sein. "Es muss sich allerdings um eine vom Zahnarzt angepasste verstellbare Schiene handeln", sagt Arzt. Zwar gibt es auch sogenannte "Boil and Bite-Schienen", bei denen der Kunststoff in kochendem Wasser oder in der Mikrowelle erwärmt und die Schiene dann lediglich im Mund den Zahnbögen angepasst wird. Doch Experten zweifeln an deren Nutzen.

Zudem gibt es die Möglichkeit einer Operation. "Allerdings ist ein operatives Vorgehen häufig nur sinnvoll, wenn eine anatomische Vergrößerung etwa der Gaumen- oder Rachenmandeln vorliegt", sagt Arzt. Beim Erwachsenen werden die Gaumenmandeln entfernt, bei Kindern die Rachenmandeln. Bei 95 Prozent der betroffenen Kinder verschwinden die Atemaussetzer.

Inzwischen zählt die OSA zu den Faktoren des Metabolischen Syndroms, jener Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen sowie Typ 2-Diabetes. Für Michael Arzt steht deshalb fest: Es reicht nicht, nur einen Faktor wie die Schlafapnoe mit einer CPAP-Therapie zu behandeln. Stattdessen sei ein Therapieansatz nötig, der zugleich Übergewicht, gestörten Glukose- und Fettstoffwechsel sowie Bluthochdruck bekämpft.

Für CPAP und operative Eingriffe bei Kindern bezahlt die gesetzliche Krankenversicherung. Die Schiene zur Verlagerung des Unterkiefers wird nicht routinemäßig bezahlt, so dass man hierfür und für operative Eingriffe bei Erwachsenen im Einzelfall bei der jeweiligen Kasse nachfragen muss.