Produktnennungen Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie nicht Ihre Frauenzeitschrift

Einige Zeitschriften empfehlen in redaktionellen Texten auffällig oft rezeptfreie Medikamente. Hilfreiche Information oder Schleichwerbung? Der Faktencheck klärt, ob die Tipps medizinisch sinnvoll sind oder gar gesundheitlich bedenklich.

Getty Images

Von und


Wenn Frauenzeitschriften über Gesundheitsthemen schreiben, nennen sie häufig Markenprodukte. "Bei regelmäßiger Einnahme (z. B. "Pascoflair", in Apotheken) lassen Ängste und nervöse Unruhe nach, Einschlafstörungen gehören der Vergangenheit an", schreibt beispielsweise die "Vital". Dass die Mittel möglicherweise nicht die Beschwerden lindern oder Nebenwirkungen haben könnten: In der Regel wird das nicht erwähnt.

Manche dieser Texte wecken auch Ängste bei der Leserschaft, zum Beispiel vor einem Nährstoffmangel, der Kopfschmerzen oder sogar Depressionen nach sich ziehen könnte. Der Pressekodex fordert für die Medizinberichterstattung, weder übertriebene Ängste noch Hoffnungen zu wecken - offenbar wird dies häufiger ignoriert.

Ein häufiges Muster: Ist ein drohendes Gesundheitsproblem beschrieben, preisen die Artikel umgehend eine vermeintlich simple Lösung an: rezeptfreie Medikamente aus der Apotheke oder Nahrungsergänzungsmittel.

Im Sinne der Leserschaft?

Mitarbeiter mehrerer Verlage haben erklärt, dass Produkterwähnungen auf Absprachen mit Pharmaunternehmen beruhen sollen, die in den Blättern Anzeigen schalten. Eine Auswertung von SPIEGEL ONLINE und ein Planungsdokument aus dem Bauer-Verlag deuten ebenfalls in diese Richtung.

Handelt es sich um Schleichwerbung? Bauer sowie Gruner + Jahr widersprechen diesem Vorwurf, die anderen Verlage haben auf unsere Anfragen nicht reagiert. "Unsere Texte entstehen ohne Einfluss von Dritten und entsprechen dem Informationsinteresse unserer Leser", teilt Gruner mit. "Die Redaktionen der Bauer Media Group berichten regelmäßig unter Wahrung der redaktionellen Unabhängigkeit über konkrete Gesundheitsthemen, da das Interesse unserer Leser hieran sehr groß ist", antwortet Bauer. Der Verlag erhalte zahlreiche Anzeigenaufträge, "da die redaktionell unabhängig erstellten Artikel über Gesundheitsthemen aufgrund ihrer Leserschaftsschwerpunkte (Frauen 45 +) als Anzeigenumfelder stark nachgefragt werden".

Sind denn die Produktnennungen im Sinne der Leserschaft? Decken sich die Empfehlungen in diesen Artikeln mit dem, was nach medizinischem Wissen als sinnvoll eingestuft wird?

Um dies zu bewerten, haben wir eine Auswahl von Texten genauer analysiert.

Dafür haben wir nicht nur in Studien, sondern auch in die aktuellen medizinischen Leitlinien geschaut: Diese Dokumente werden von Fachgesellschaften erstellt, um Ärzten die optimale Behandlung nach aktuellem Wissensstand darzulegen. Sie sollen sowohl die Mediziner als auch die Patienten bei ihren Entscheidungen unterstützen.

Wir haben zusätzlich Leitlinienautoren, also ausgewiesene Experten auf ihrem Gebiet, befragt, was sie Patienten raten und was sie von den Empfehlungen in den Zeitschriften halten.

Zum Weiterlesen auf die Symbole klicken.

insgesamt 55 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Sandlöscher 06.12.2016
1. Lieber SPON
Bitte auch diese Kritik auch in eigener Sache anwenden. Bei der Hochfrequenz-Werbung, die auf der SPON Homepage geschaltet wird, muss man sich auch fragen, ob noch die journalistische Unabhängigkeit gegeben ist. Ich meine nein!
djxm 06.12.2016
2. Und der Spiegel macht das nicht?
Ich habe auch bei Spiegel Online schon Artikel gelesen, bei denen ich hätte wetten können, dass sie bezahlt sind - speziell über den Immobilienmarkt... Insgesamt ist dieses Vorgehen verachtenswert. Zeigt, dass wir willenlosen Konsumenten überall manipuliert werden (sollen). Meine Tochter schaut daher jetzt hochwertige Beiträge von jugendlichen Youtubern. Die sind wenigstens noch unabhängig! [zwinker]
Muddern 06.12.2016
3. Nebelkerzen.
Ist das jetzt investigativer Journalismus? Schleichwerbung in Klatschblättern, etwas, was längst jeder weiß? Ist nicht wahr, oder? Wie wäre es, wenn man mal die eigenen Schleichwerbe-"Artikel" beleuchtet? Hier ein pseudolustiges Buch, da Promo für diverse möchtegernintellektuelle KolumnistInnen, das sogar immer und immer wieder, und dazu Parteipropaganda, dass die Macher der Aktuellen Kamera Tränen in den Augen haben müssten. Und das auch ohne Auflistung der Nebenwirkungen. Aber, hey: In Klatschblättern steht Werbung und ansonsten Bullshit! Uuuuh. Ganz was Neues und Weltbewegendes. Die arme Socke, die die Schundblättchen für dieses Glanzstück gekauft hat, kriegt gewiss heute noch Albträume, weil die Kioskverkäuferin sie mit schräggelegtem Kopf ansah... Wow. Einfach wow.
quark2@mailinator.com 06.12.2016
4.
Und beim Arzt liegen gerade diese zweifelhaften journalistischen Ergebnisse besonders üppig aus. Zusammen mit Autozeitungen die so etwa die gleiche Wertigkeit haben. Insgesamt ist der Journalismus im Moment eine echte "Hilfe" für das flache Bildungssystem. Meinung statt Fakten, Werbung statt Fakten, Glauben statt Denken und immer schön unsicher sein. Dann klappts auch damit den Leuten Dinge zu verkaufen, die sie nicht brauchen und am besten in schlechter Qualität ...
doc1234 06.12.2016
5. wer darud hört ist ...
selber Schuld. die Natur bietet doch alles was man braucht, und wer auf die akademischen Schulbladenaufzieher und die Beratungspresse der Pharma hört, na ja es ist jedem seine Gesundheit. Das Vitaminpillen nicht Wirklich was nützen, Unsere Apotheken zu verkaufsbuden verkommen, und kivestyle iúnd wellness in Frauenzeitschriften ider Zeitschriften allgemein ist, was solls. Jeder vernunftbegabte Mensch sollte wissen das sie Natur (auch mit vorsicht zu geniessen) alles bietet, bei manchen Krankheiten oder nicht wohlbefinden der Arzt aufgesucht werden sollte. Die Pharmaindustrie hat genug verschreibungspflichtiges in der Kiste und das zeug ist im großen und gabzen gut und wirksam. Aber sich von möchtegernpharmazeuten Krankheiten mit Lösung einreden lassen, na ja die Evolution nennt sowas irgendwann auslese und ich Geldverschwendung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.