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28. Dezember 2018, 11:07 Uhr

Schmerz-Coaching

Entspannen Sie, wie Sie wollen

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Locker lassen! Bei chronischen Schmerzen können Entspannungstechniken helfen. Dabei gilt jedoch: Hören Sie auf Ihren Körper - und nicht auf gut gemeinte Tipps anderer Leute.

SPIEGEL WISSEN hat ein achtwöchiges Coaching für Menschen mit chronischen Schmerzen entwickelt, mit dem Sie lernen können, Ihre Schmerzen besser zu verstehen und kompetenter mit ihnen umzugehen. Dies ist der dritte Teil. Die anderen Teile finden Sie hier.

"Entspannen Sie sich! Lernen Sie Muskelentspannungstechniken, autogenes Training oder Yoga!" Wer mit chronischen Schmerzen zu tun hat, kennt solche Ratschläge zu Genüge.

Tatsächlich haben viele Beschwerden mit muskulären Verspannungen zu tun, und Schmerzen können durch eine gewisse ängstliche Anspannung schlimmer werden. Im Umgang mit Schmerz ist Entspannung also ein wichtiges Hilfsmittel. Aber sie ist kein Allheilmittel. Vor allem genormte Entspannungsprogramme, die oft empfohlen werden, sind nicht für jeden gleich gut.

In dieser Woche geht es deshalb darum, einen individuellen Ansatz zum Thema Entspannung zu bekommen.

Fragen Sie sich, welche Entspannung Ihnen überhaupt guttut und Ihre Schmerzen lindert. Sie können sich auch einmal grundsätzlich die Frage stellen, was für Sie persönlich Entspannung bedeutet. Denn das kann sehr unterschiedlich sein: Es gibt Menschen, die sich beim Arbeiten entspannen, beim Aufräumen oder beim Sport, andere dagegen entspannen, wenn Sie auf dem Sofa liegen und Löcher in die Luft starren.

Im Folgenden bekommen Sie eine Aufgabe, mit der Sie einen Zugang zu Ihrer persönlichen Art von Entspannung finden können.

Probieren und aussuchen

Sicher kennen Sie schon ein paar entspannende Maßnahmen und Übungen, die Sie im Alltag ausprobiert oder eine Weile praktiziert haben. Sei es eine bestimmte Muskelentspannungstechnik, seien es Yoga oder andere Entspannungsformen wie etwa Musikhören und Nichtstun. Greifen Sie sich in dieser Woche drei Entspannungsformen auf, die Sie bereits probiert haben - und prüfen Sie ihren Nutzen. Versuchen Sie bewusst wahrzunehmen, ob die Übung Ihnen und Ihrem Körper eher guttut oder nicht. Wenn eine der Techniken Ihnen hilft, dann behalten Sie diese unbedingt bei. Was Sie wenig nützlich oder sogar stressig finden, lassen Sie ab jetzt weg.

Wichtig: Lernen Sie Eigensinn und Ungehorsam. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, über Tipps, die man Ihnen in Bezug auf den chronischen Schmerz gibt, selbst zu entscheiden. Fragen Sie sich immer: Tut mir das wirklich gut? Dann ist es in Ordnung. Passt es nicht? Dann lassen Sie es sein. Diese Ungehorsamkeitsregel ist für Schmerzpatienten besonders wichtig. Zum einen, weil sie manchmal nicht richtig wissen, was ihrem Körper und ihnen selbst guttut. Zum anderen, weil sie häufig auf äußere Gesundheitsprogramme, etwa Rückenschulen, getrimmt werden - die nur einem Teil der Betroffenen helfen. Lernen Sie also, sich in Sachen Entspannung ab jetzt nach den eigenen körperlichen und seelischen Bedürfnissen zu richten.

Die Ungehorsamkeitsregel gilt natürlich auch für alle Übungen in diesem Coaching. Was hier beschrieben wird, ist als Anregung gedacht, kann aber auch abgelehnt werden. Immer wenn Sie eine Aufgabe, Einheit oder Übung nicht passend für sich finden, machen Sie stattdessen lieber eine, die Sie bisher schon wohltuend und sinnvoll fanden. Nehmen Sie sich diese Freiheit.

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