Schmerz-Coaching Wann geht es Ihnen gut?

Wiederkehrende Schmerzen können unterschiedliche Ursachen haben. In dieser Woche lernen Sie, Momente mit weniger Beeinträchtigung zu erkennen - und Ihr eigenes Leiden besser einzuordnen.


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SPIEGEL WISSEN hat ein achtwöchiges Schmerz-Coaching entwickelt, mit dem Sie lernen können, Ihre Schmerzen besser zu verstehen und kompetenter mit ihnen umzugehen. Dies ist der erste Teil. Die anderen Teile finden Sie in den folgenden Wochen hier.

In diesem Coaching können Sie lernen, mit Schmerzen umzugehen, sie vielleicht sogar zu lindern. Achtung: Die acht Übungseinheiten beziehen sich nicht auf akute, kurzfristige Beschwerden, sondern auf wiederkehrende. Nur bei solchen Schmerzen ist es sinnvoll, die hier vorgestellten Übungen auszuprobieren und so einen besseren Zugang zum eigenen Leiden zu bekommen.

"Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass den Schmerzen letztlich kein erklärungskräftiger Organbefund zugrunde liegt", sagt die Psychotherapeutin und Schmerzexpertin Hanne Seemann, die dieses Coaching gemeinsam mit SPIEGEL WISSEN entwickelt hat.

Lesen Sie hier als erste Übung die folgende kurze Checkliste und prüfen Sie, ob Sie in Ihrem Alltag mit dieser Art von Schmerzen zu tun haben - oder eher nicht.

Wichtig: Die folgenden Fragen können Sie wahrscheinlich nur beantworten, wenn Sie Ihre Symptome schon einmal bei einem Hausarzt oder Facharzt abgeklärt haben. Vorher kann man nicht selbst diagnostizieren, an welcher Art Schmerz man leidet. Wenn Sie mit Ihren Schmerzen also noch nie beim Arzt waren, holen Sie das unbedingt nach. Nur so können Sie einen Umgang mit ihnen finden - und ausschließen, dass andere Erkrankungen dahinterstecken.

Check: Was sind chronische Schmerzen?

  • Ich habe anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen in Kopf, Bauch, Gelenken, Muskeln, Gesicht oder überall im Körper, für die es laut ärztlicher Einschätzung keine körperliche Ursache gibt.
  • Trotz ärztlicher Untersuchungen und Diagnostik bei Fachärzten findet sich keine Erkrankung, die meine Schmerzen wirklich erklären kann.
  • Die Schmerzen haben sich verselbstständigt, sie sind manchmal sehr stark oder scheinen ein Eigenleben zu führen.
  • Bei Stress und Belastung werden die Schmerzen oft schlimmer.
  • Ich habe eine der folgenden Diagnosen bekommen: Migräne, Fibromyalgie, Spannungskopfschmerz, somatoforme Schmerzstörung, idiopathische Rückenschmerzen.

Wenn einer oder mehrere dieser fünf Punkte auf Sie zutreffen, dann haben Sie wahrscheinlich mit chronischen und zum Teil psychisch bedingten Schmerzen zu tun. "Psychisch" heißt in diesem Zusammenhang nicht, dass Sie eine psychische Erkrankung haben. Gemeint ist, dass der Schmerz, den Sie empfinden, letztlich auch eine psychische Funktion hat - er ist eine Art Klage oder Notruf aus dem Körper.

"Schmerztherapeuten erklären Ihren Klienten, dass der Körper sich durch Schmerzen ausdrückt. Er sagt damit, dass etwas nicht stimmt, auch wenn man als Mensch, der in dem Körper lebt, auf Anhieb erst mal nicht weiß, was gemeint sein könnte", sagt Hanne Seemann. Wenn man dann anfängt, darauf zu achten, wann und wie der Körper mit Schmerzen etwa in Kopf, Rücken oder Bauch reagiert, erkennt man oft das darunterliegende Muster. Und bekommt erste Ideen, was der Körper ausdrücken will, worum es geht und was einem guttun könnte. Um diese Aufmerksamkeit für Ihre Symptome zu schulen, bekommen Sie nun eine weitere Aufgabe:

Wo ist es gut?

Denken Sie nun an die chronischen Schmerzen, mit denen sie zu tun haben. Überlegen Sie weiter: In welcher Situation, an welchen Orten, in welchen Zeiten ihres Lebens (auch in der Vergangenheit) oder mit welchen Menschen taucht der Schmerz NICHT auf? Wann und wo sind Sie absolut sicher, dass Sie beschwerdefrei sind? Halten Sie ein oder zwei Antworten fest.

Gehen Sie dann noch einen Schritt weiter und fragen Sie sich, was in den schmerzfreien Situationen anders ist als sonst. Was fühlen Sie, was Sie sonst nicht fühlen? Was erleben Sie, was Sie sonst nicht erleben? Was denken Sie, was Sie sonst nicht denken? Was bekommen Sie, was Sie sonst nicht bekommen? Suchen Sie auch hier mit etwas Zeit nach Antworten.

Denken Sie im Laufe der Woche immer wieder darüber nach, was die Situationen ausmacht, in denen Sie schmerzfrei sind. Wenn Sie spontan einen Zugang zu diesem Ansatz haben, können Sie bereits anfangen, ein wenig zu experimentieren und überlegen, wo Sie diese Qualität, die Sie in schmerzfreien Situationen spüren, auch sonst in Ihrem Alltag erleben könnten.

Wenn Ihnen die ganze Übung eher schwerfällt, achten Sie einfach weiter darauf, wo und wann es überhaupt Momente gibt, in denen Sie schmerzfrei sind - und versuchen Sie, diese Situationen auch aktiv herbeizuführen.

Wir wünschen Ihnen viel Mut und Kraft bei der Erkundung Ihrer Schmerzen in den nächsten Wochen - und viele heilende Erkenntnisse.

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