Aspirin, Ibuprofen, Paracetamol Was bei Schmerzmitteln zu beachten ist

Viele Schmerzmittel gibt es ohne Rezept in der Apotheke, trotzdem sind sie nicht unbedingt harmlos. Wie wirken die Mittel, wie lange sollten sie höchstens genommen werden? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ohne ärztlichen Rat sollten Schmerzmittel längstens drei Tage hintereinander und höchstens zehn Tage im Monat eingenommen werden
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Ohne ärztlichen Rat sollten Schmerzmittel längstens drei Tage hintereinander und höchstens zehn Tage im Monat eingenommen werden


Ob Kopfweh, Regelbeschwerden oder ein quälendes Ziehen im Zahn: Um auf Schmerzattacken vorbereitet zu sein, horten viele rezeptfrei erhältliche Medikamente zu Hause. Was sollten Schmerzgeplagte bei der Einnahme beachten? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie funktionieren Schmerzmittel überhaupt?

Die Wirkmechanismen hängen von der Art des Schmerzmittels ab:

Frei verkäufliche Schmerzmittel wie Ibuprofen, Aspirin und Diclofenac zählen zu den sogenannten nicht opioiden Schmerzmitteln. Sie hemmen die Produktion bestimmter Botenstoffe, die an der Weiterleitung und Wahrnehmung von Schmerzen im Gehirn beteiligt sind. Da diese auch eine Rolle bei Entzündungen spielen, wirken die Mittel außerdem zum Teil fiebersenkend und entzündungshemmend.

Daneben existieren opioidhaltige Schmerzmittel, die allerdings in der Regel verschrieben werden müssen und bei starken akuten oder chronischen Schmerzen eingesetzt werden. Opioide, zu denen unter anderem Endorphine gehören, zählen zu den körpereigenen Stoffen mit schmerzlindernder Wirkung. Sie tragen unter anderem dazu bei, dass Menschen mit einem Schock oft keine Schmerzen spüren.

Schmerzmittel mit künstlichen Opioiden docken an dieselben Stellen im Körper an wie die natürlichen Opioide, können aber auch stimmungsaufhellend oder beruhigend wirken. Dadurch bergen sie ein enormes Abhängigkeitspotenzial. In den USA wurde dies lange unterschätzt, die Medikamente wurden von Ärzten zu leichtfertig verschrieben. Die Folge ist eine Opioid-Epidemie.

Gibt es einen Gewöhnungseffekt?

"Ja, und das ist echt ein Problem", sagt Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft in Berlin. Nach seinen Angaben greift fast jeder zweite Erwachsene innerhalb von vier Wochen mindestens einmal zu rezeptfreien Schmerzmitteln. Die Einnahme erfolge zudem oftmals zu lange.

"Bis zu einem Drittel der Nutzer von Schmerzmitteln kennen deren Anwendungsempfehlungen nicht", so Isenberg. Der längere Gebrauch von Schmerzmitteln ohne ärztlichen Rat kann zu einem Gewöhnungseffekt führen - und birgt viele gesundheitliche Risiken.

Wie lange sollte man Schmerzmittel am Stück einnehmen?

"Das kommt darauf an", erklärt Ulrich R. Fölsch, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie in Kiel. Es macht einen Unterschied, ob man weiß, woher die Schmerzen kommen - etwa Kopfweh nach einer durchzechten Nacht - oder ob einem die Ursachen für die Schmerzen unklar sind.

"Falsch ist es, beispielsweise Bauchschmerzen zu haben, ohne die Ursache zu kennen und dann mehr als eine Schmerztablette ohne ärztlichen Rat zu nehmen", sagt Fölsch, der auch als Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin tätig ist. Denn hinter den Bauchschmerzen kann sich etwa eine Blinddarmentzündung verbergen, die dringend behandelt werden muss.

Bei Schmerzen, deren Ursache klar ist - etwa Regelbeschwerden -, gilt die Faustregel: höchstens drei Tage hintereinander und zehn Tage im Monat ohne ärztlichen Rat.

Warum kann man selbst rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel nicht unbegrenzt einnehmen?

"Klar muss sein: Schmerzen sind ein Warnsignal des Körpers", sagt Fölsch. Statt Beschwerden mit Schmerzmitteln dauerhaft zu unterdrücken, ist es ratsam, ihren Ursachen auf den Grund zu gehen und diese gezielt zu behandeln.

Werden sie zu häufig eingenommen, können Schmerzmittel außerdem Kopfschmerzen hervorrufen. Oft führt das zu einem Teufelskreis: Da ihnen die Ursache der Kopfschmerzen nicht bewusst ist, versuchen die Betroffenen, die Probleme mit weiteren Schmerztabletten zu bekämpfen. Davon sind besonders häufig Menschen betroffen, die bereits an Migräne oder Spannungskopfschmerzen leiden. Etwa ein bis zwei Prozent der erwachsenen Europäer haben Studien zufolge einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch.

Hinzu kommt: Auch rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel können unerwünschte Nebenwirkungen haben. Je nach Wirkstoff können sie unter anderem der Schleimhaut in Magen und Darm schaden oder das Risiko für Magen-Darm-Blutungen erhöhen. Andere Mittel belasten Leber, Nieren oder das Herz-Kreislauf-System. "Bei längerer Einnahme erhöhen einige rezeptfreie Schmerzmittel bei vorbelasteten Patienten sogar das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall", warnt Isenberg. Auch deswegen lohnt sich ein Blick in die Packungsbeilage.

Was gilt bei Kindern?

"Nicht jedes rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel eignet sich für jeden", betont Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer in Berlin. Patienten sollten sich daher von ihrem Arzt oder in der Apotheke beraten lassen. So raten Apotheker in aller Regel davon ab, Kindern und jüngeren Jugendlichen Präparate mit Acetylsalicylsäure (der Wirkstoff von Aspirin) ohne ärztliche Empfehlung zu geben.

Der Grund: ASS steht im Verdacht, in seltenen Fällen das sogenannte Reye-Syndrom auszulösen. Dabei nehmen Gehirn und Leber Schaden, die Krankheit kann sogar tödlich verlaufen. Ibuprofen hingegen kann richtig dosiert und dargereicht schon bei Kleinkindern angewendet werden.

Was ist bei der gleichzeitigen Einnahme von Schmerzmitteln mit anderen Medikamenten und Alkohol zu beachten?

Am besten legen Patienten ihren Medikationsplan in der Apotheke vor, wenn sie ein rezeptfrei erhältliches Schmerzmittel kaufen wollen. "So kann der Apotheker mögliche Wechselwirkungen erkennen und beurteilen, welches rezeptfreie Schmerzmittel für den jeweiligen Patienten richtig ist", sagt Sellerberg.

Und Schmerzmittel und Alkohol? "Das ist eine gefährliche Kombination, die am besten vermieden werden sollte", so Fölsch.

irb/dpa, von Sabine Meuter



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