Schönheitskliniken im Test Schlecht beraten unters Messer

Nase zu groß, Brust zu klein? Wer das ändern möchte, dem stellt sich die Frage: Bei wem lässt man sich operieren? Ein aktueller Test von Schönheitskliniken offenbart: Die Beratung der Patienten ist teilweise bedenklich.
Botox-Injektion: Unbekannte Qualitätskriterien

Botox-Injektion: Unbekannte Qualitätskriterien

Foto: Andreas Rentz/ Getty Images

Schönheitskliniken und -praxen führen viele Operationen durch, die keinem medizinischen Zweck dienen, sondern nur einem ästhetischen. Umso wichtiger ist es, dass die Ärzte ihre potentiellen Patienten vorab umfassend beraten und eventuell auch von einem Eingriff abraten. Doch passiert das?

Das Deutsche Institut für Service-Qualität (Disq)  ist dieser Frage nachgegangen und hat drei angebliche Patienten in elf ausgewählte Kliniken zu Testgesprächen geschickt. Der Test ist nicht repräsentativ für Deutschlands Schönheitskliniken, verrät aber doch einiges darüber, worauf Patienten achten sollten. Weil die Untersuchung nur elf Kliniken bewertet, verzichtet SPIEGEL ONLINE darauf, diese Anbieter zu nennen und gibt nur Erfahrungen der Tester wieder.

Bei den Beratungsgesprächen ließen sich die vermeintlichen Interessenten über eine Nasenkorrektur, Fettabsaugung oder eine Brustvergrößerung aufklären. Sie bewerteten,

  • wie gut der Arzt auf die Lebenssituation der Patienten einging,
  • ob er über Risiken aufklärte, mögliche OP-Ergebnisse veranschaulichte
  • und wie glaubwürdig, kompetent und freundlich er dem Patienten begegnete.

Fünf Kliniken als gut bewertet

Das Disq hat für die Untersuchung Privatkliniken ausgewählt, die sich auf die ästhetisch-plastische Chirurgie spezialisiert haben und mindestens fünf Fachärzte auf ihrer Homepage vorstellen. "Krankenhäuser und Kliniken mit einem breiten Leistungsspektrum, welches weit über die Schönheitschirurgie hinausgeht, wurden nicht mit einbezogen", schreiben die Autoren der Untersuchung. In die Bewertung flossen außerdem je sechs Telefontests mit ein, bei denen die Erreichbarkeit, Kommunikationsqualität und der Kompetenzgrad bewertet wurden.

Insgesamt vergab das Institut fünfmal die Note "gut", dreimal "befriedigend" und dreimal "ausreichend".

"Die Ergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen, weil der Testaufbau keine repräsentativen Resultate liefert", sagt Eva-Maria Baur von der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC). "Bei Gesprächen spielen sehr viele subjektive Faktoren eine wichtige Rolle, die man nicht statistisch auswerten kann." Der qualitative Ansatz mit einer kleinen Fallzahl eignet sich laut Disq gut für die Analyse der Beratungsqualität bei Schönheitskliniken, weil aufgrund der gesundheitlichen Risiken und der hohen Bedeutung des Eingriffs jede Beratung auf höchstem Niveau stattfinden müsse.

Tatsächlich verdeutlichen die Autoren der Disq-Untersuchung ein Problem der Schönheitschirurgie: Patienten haben es noch immer schwer, einen guten ästhetischen Chirurgen zu finden. "Das Problem ist riesengroß", meint auch Baur, die selbst eine Praxis für plastische Chirurgie und Handchirurgie im bayerischen Murnau betreibt. "Nicht jeder kennt die Kriterien der DGPRÄC, Mund-zu-Mund-Propaganda spielt eine wichtige Rolle."

So spiegeln die Berichte der angeblichen Patienten wider, welche Missstände es auf dem Gebiet gibt. In einem Fall etwa hätte ein HNO-Arzt eine Fettabsaugung durchführen sollen. Die Frau, die eine Brustvergrößerung verlangte, hatte den Angaben zufolge wohlgeformte Brüste, die sie aus rein ästhetischen Gründen vergrößern lassen wollte, sie stellte sich als Volleyballspielerin vor. Nur einer von elf Ärzten thematisierte mit der Patientin, dass die Implantate durch ihre sportliche Aktivität verrutschen könnten.

Unzureichende Informationen über OP-Folgen

Lediglich zwei von elf Ärzten lehnten eine Nasenkorrektur bei einem Patienten ab, der angab, eine geschwungenere Nase haben zu wollen und unter Atemproblemen zu leiden. Eine Ärztin schlug stattdessen vor, eine Kinnkorrektur vorzunehmen. Die Testperson, die sich Fett an Po und Hüften absaugen lassen wollte, war normalgewichtig und musste bei der Arbeit überwiegend sitzen. Nur ein einziger Arzt wies die Patientin darauf hin, dass sie nach dem Eingriff Beschwerden beim Sitzen haben könnte.

Insgesamt erkundigte sich fast jeder dritte Arzt gar nicht erst nach dem Gesundheitszustand des Patienten. Rund zwei Fünftel der Mediziner versäumten es, nach den Gründen für den OP-Wunsch zu fragen. In keiner einzigen Klinik wurden alle Patienten auf sämtliche relevante Risiken hingewiesen. Am ausführlichsten habe sich die Risikoaufklärung beim Rollenspiel Brustvergrößerung gestaltet, so die Disq-Autoren.

Nur ein Drittel der Testpersonen wurde umfassend über den Ablauf der geplanten Operation aufgeklärt, über die Narkose wurde ebenfalls nur bei rund jeder dritten Unterhaltung ausführlich gesprochen. Positiv bewerteten die Tester, dass der Großteil der Ärzte fachlich kompetent war. Vertrauenerweckend erscheint auch, dass fast die Hälfte der Ärzte mit den vorgeblichen Patienten über Alternativen zur Operation sprachen und darauf aufmerksam machten, dass ein Eingriff nicht nötig sein könnte.

Interessierten rät auch Baur dazu, vorsichtig zu sein und sich ausreichend beraten zu lassen. "Mein Tipp lautet: Man sollte nicht nur darauf schauen, wie golden die Wasserhähne sind, sondern ob Vertrauen da ist", sagt sie. "Holen Sie sich eine Zweitmeinung ein."

hei/dba