Schwangerschaft Diese Vorsorgeuntersuchungen sind sinnvoll

Bluttest auf Downsyndrom, Ultraschall, HIV-Test: Für werdende Mütter gibt es zahlreiche Untersuchungen, einige zahlt die Krankenkasse. Doch welche sind wirklich notwendig? Der Überblick.

Ultraschalluntersuchung: Welche Tests in der Schwangerschaft übernimmt die Krankenkasse? (Symbolbild)
John Fedele/ Blend Images/ Tetra images/ Getty Images

Ultraschalluntersuchung: Welche Tests in der Schwangerschaft übernimmt die Krankenkasse? (Symbolbild)


Wenn Frauen erfahren, dass sie schwanger sind, steht ihnen oft ein Untersuchungsmarathon bevor: Ultraschall, Tests auf Schwangerschaftsdiabetes, Feindiagnostik und viele weitere mögliche Tests überfordern werdende Mütter häufig - oder jagen ihnen sogar Angst ein.

Zudem werden einige der Untersuchungen von der Krankenkasse übernommen, einige nicht und manche auch nur manchmal. Ein Überblick:

Was zahlen die gesetzlichen Krankenkassen?

Die Mutterschaftsrichtlinien legen in Deutschland fest, worauf gesetzlich versicherte Schwangere einen Anspruch haben. "Vorrangiges Ziel der ärztlichen Schwangerenvorsorge ist die frühzeitige Erkennung von Risikoschwangerschaften und Risikogeburten", heißt es darin.

Hierzu gehören etwa ein HIV-Test, ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes, ein Chlamydien-Test, ein Test auf Rötelnantikörper oder auch Untersuchungen, um Blutgruppenunverträglichkeiten zwischen Mutter und Kind festzustellen.

Außerdem sind drei Ultraschalluntersuchungen beim Frauenarzt vorgesehen:

  • zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche,
  • zwischen der 18. und 22. Woche und
  • zwischen der 28. und 32. Woche.

Die Untersuchungen ermöglichen Messungen des Körpers, außerdem können Ärzte die Herzaktivität des Fötus beurteilen. Bei der Untersuchung um die 20. Woche können Schwangere zwischen zwei Varianten wählen: einem Basis-Ultraschall und einem erweiterten Ultraschall, der mehr Daten erfasst. Frauenärzte müssen für die zweite Version speziell weitergebildet sein.

Was zahlen die Kassen nur unter Umständen?

Darüber hinaus gibt es noch genauere Ultraschalluntersuchungen: Die sogenannte Feindiagnostik zwischen der 18. und 22. Woche wird von einem Pränatalmediziner durchgeführt - einem Frauenarzt mit speziellen Weiterbildungen. Bei der Untersuchung betrachtet er Körper, Gehirn und Organsysteme des Kindes genauer.

"Bestimmte schwere Fehlbildungen, etwa einige Herzfehler, müssen beim erweiterten Ultraschall nicht zwingend erkannt werden, werden aber während der Feindiagnostik mit großer Sicherheit gefunden", sagt Annegret Geipel, Leiterin der Abteilung Pränatale Medizin am Universitätsklinikum Bonn.

"Wenn solche Störungsbilder früh erkannt werden, kann man beispielsweise die Geburt in einem Perinatalzentrum planen, in dem Spezialisten sich um das Neugeborene kümmern", sagt Geipel. Wer nicht aufgrund von Auffälligkeiten überwiesen wird, muss die Feindiagnostik selbst bezahlen: 200 bis 300 Euro kostet die Untersuchung.

Auch der Bluttest auf Trisomien wird zukünftig in Einzelfällen Kassenleistung. Im September hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen, dass Kassen den Test für Risikoschwangere unter engen Voraussetzungen ab Herbst 2020 zahlen müssen. Für Selbstzahler kostet der sogenannte Nicht-invasive pränatale Test (NIPT) rund 300 Euro.

Der Bluttest ergibt eine Wahrscheinlichkeit, mit der ein Kind mit einer bestimmten Behinderung auf die Welt kommt. Dazu gehören etwa Trisomie 21, 18 und 13 sowie eine Fehlverteilung der Geschlechtschromosomen X und Y.

"Der NIPT ist kein Diagnoseverfahren, sondern nur eine Risikoanalyse", sagt Karl Oliver Kagan, Experte der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und Leiter der Abteilung Pränatale Medizin am Universitätsklinikum Tübingen. Insbesondere für die Trisomien gilt der Test aber als sehr zuverlässig.

Nach dem Beschluss äußerten Behindertenverbände allerdings Kritik. Es besteht die Sorge, dass Kinder mit Downsyndrom künftig als vermeidbar wahrgenommen werden könnten und Eltern unter Druck gesetzt werden, sich für eine Abtreibung zu entscheiden.

Eindeutig diagnostiziert werden können Chromosomenstörungen nur durch eine Fruchtwasseruntersuchung und eine Chorionzottenbiopsie. Dafür wird ein dünnes Instrument durch die Bauchdecke der Schwangeren geführt, was mit einer - wenn auch geringen - Gefahr für eine Fehlgeburt verbunden ist. Die Kassen finanzieren die Punktionen nur bei bestimmten bereits bestehenden Risiken. Sie sind nach der 16. beziehungsweise 12. Woche möglich - der NIPT dagegen schon ab der 10. Woche.

Pränatalmediziner Kagan empfiehlt Frauen, die den NIPT wahrnehmen wollen, den Test immer mit einer guten Ultraschalldiagnostik zu kombinieren. So lassen sich Fehlbildungen, die unabhängig von Chromosomenstörungen auftreten, ebenfalls erkennen.

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Welche Tests müssen Schwangere selbst bezahlen?

Neben Fehlbildungen können auch Infektionskrankheiten Ungeborene gefährden, etwa die Toxoplasmose und die Zytomegalie. Ob eine Frau schon zu Beginn der Schwangerschaft gegen sie immun und damit geschützt ist, lässt sich anhand ihres Blutes feststellen.

Wer nicht immun ist, kann das eigene Blut während der Schwangerschaft wiederholt auf neue Infektionen untersuchen lassen - und im Erkrankungsfall Medikamente nehmen. Die Kosten für Immunitätstest und Kontrollen liegen bei jeweils etwa 15 bis 20 Euro.

Selbstzahler können zudem für etwa 20 Euro einen Scheidenabstrich auf B-Streptokokken durchführen lassen. Werden die Bakterien bei der Schwangeren festgestellt, kann sie während der Geburt ein Antibiotikum über einen Tropf erhalten. Das verhindert die Übertragung auf das Kind. "Ich halte diese Untersuchung für sehr wichtig und empfehle sie meinen Patientinnen immer", sagt Dieter Grab, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin (DGPGM).

Mehr Kostenübernahmen auf Anfrage

Der Berufsverband der Frauenärzte weist darauf hin, dass fast alle Krankenkassen viele der ärztlichen Selbstzahlerleistungen übernehmen - auf Anfrage. Viele Kassen bieten Patientinnen auch ein festes Budget, das sie mit Vorsorgeuntersuchungen ausschöpfen können.

kry/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
scheizui 18.10.2019
1. Leider ist der Artikel ziemlich unvollständig
Toxoplasmoseund Zytomegalie werden bei einer Untersuchung durch eine Hebamme ebenfalls von der Krankenkasse übernommen. CTG-Untersuchungen, die von Ärztinnen und Ärzten meist ab dem letzten Drittel der Schwangerschaft durchgeführt werden, werden im Artikel leider gar nicht betrachtet.
areyoushure? 19.10.2019
2. Leider falsch!
Zitat von scheizuiToxoplasmoseund Zytomegalie werden bei einer Untersuchung durch eine Hebamme ebenfalls von der Krankenkasse übernommen. CTG-Untersuchungen, die von Ärztinnen und Ärzten meist ab dem letzten Drittel der Schwangerschaft durchgeführt werden, werden im Artikel leider gar nicht betrachtet.
Toxo und CMV sind keine Kassenleistung, wenn ein Arzt oder eine Hebamme (aus welchen Gründen auch immer - meistens Goodwill) das anordnet, dann zahlt natürlich die Kasse. wie übrigens bei allen anderen Leistungen, des im Leistungskataloges (EBM) genannten Leistungen. Prinzipiell wird aber bei der "Verordnung auf Kasse" gelogen, dass sich die Balken biegen, denn diese Leistungen können immer nur dann "auf Kasse" abgerechnet werden, wenn ein Verdacht auf eine Erkrankung oder der dringende "Ausschluß" einer Erkrankung zwingend notwendig ist. Da Hebammen und Ärzte es sich ungern mit ihrer Klientel verscherzen möchten, machen Sie das "auf Kasse". Kostet ja nichts....... Gleiches gilt für die Massen an Überweisungen für eine Feindiagnostik, Überweisungen für ein First-Trimester-Screen o.ä. CTG ist ein Standard, obwohl eigentlich nicht vorgeschrieben, muss also nicht erwähnt werden.
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