Hautkrebs Verdächtige Veränderungen

Die schlimmste Folge exzessiver Sonnenbäder zeigt sich oft erst nach Jahrzehnten: Hautkrebs. Beim Unterscheiden von harmlosen Leberflecken und dem gefährlichen Melanom helfen fünf einfache Regeln.
Kontrolle beim Hautarzt

Kontrolle beim Hautarzt

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ picture alliance / dpa

Es begann mit einer Hautveränderung auf dem Rücken. Manfred Binz (74) maß ihr wochenlang keine Bedeutung bei. Wenn sie juckte, nahm er den Kleiderbügel zum Kratzen. Als er im Sommer 2015 morgens mit blutverschmiertem Pyjama aufwachte, schickte ihn seine Frau zum Mediziner. Der Hautarzt diagnostizierte den sogenannten schwarzen Hautkrebs - ein malignes Melanom. "Ich habe einen Riesenschrecken bekommen", sagt der frühere Maurer aus Sellin.

Beim schwarzen Hautkrebs entstehen eher Metastasen, was ihn deutlich gefährlicher macht als die hellen Hautkrebsarten.

Die Hautveränderungen werden meist mit einem Eingriff entfernt. Ist der Krebs schon weiter fortgeschritten, kommen zusätzlich Bestrahlungen oder Medikamente zur Behandlung infrage. Bei Binz hatte der Tumor bereits gestreut. Er wurde großflächig entfernt, ebenso die befallenen Lymphknoten. Metastasen in der Achselhöhle und der Lunge werden seit vier Monaten im Hauttumorzentrum der Universitätsklinik Greifswald behandelt.

"Sonnenbrände sind die dermatologische Katastrophe"

Als Hauptrisikofaktoren für Hautkrebs gelten eine mehrfach extreme sowie die im Leben insgesamt aufgenommene UV-Strahlung durch Sonne sowie Solarien. Um jeden Preis braun werden wollen - das treibt vor allem bei helleren Hauttypen das Risiko in die Höhe, sagt Andreas Arnold, Leiter des Hauttumorzentrums der Universitätsklinik Greifswald.

Gefährdet sind nicht nur Sonnenanbeter, sondern auch Menschen, die wie Binz viele Jahre unter freiem Himmel gearbeitet haben. Die UV-Belastung zeigt ihre Wirkung meist erst nach Jahrzehnten. Manfred Binz kann sich erinnern, dass er oft Sonnenbrand hatte. Dann pellte sich die Haut in großen Lappen vom Rücken. "Sonnenbrände sind die dermatologische Katastrophe", sagt Arnold.

Früh erkannt, stehen die Heilungschancen bei Hautkrebs in der Regel besser. Deshalb sollte man das Screening zur Früherkennung in Anspruch nehmen: Ab einem Alter von 35 Jahren übernehmen die gesetzlichen Krankenversicherungen alle zwei Jahre die Kosten dafür. Dermatologen oder speziell fortgebildete Hausärzte untersuchen dabei die Haut am ganzen Körper.

Ziel der Früherkennung ist es, den Zeitpunkt der Diagnose vorzuverlegen. Denn die Erfolgsprognose der Behandlung hängt davon ab, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist, sagt Ralph von Kiedrowski, Vorstandsmitglied im Bundesverband Deutscher Dermatologen (BVDD). Bei einer frühen Diagnose sei auch die Behandlung weniger belastend. Zudem sei die Wahrscheinlichkeit geringer, dass der schwarze Hautkrebs gestreut hat.

Die ABCDE-Regel

Auch wer regelmäßig zum Screening geht, sollte seine Haut selbst inspizieren, betont der BVDD. Hautkrebsvorstufen sind sichtbar und zum Teil auch tastbar. Der schwarze Hautkrebs ist meist ein dunkler, unregelmäßig geformter Hautfleck, dessen Farbe, Größe und Form sich verändern können. Beim weißen Hautkrebs ist eine schuppende, verfärbte oder unebene Hautstelle ein Anzeichen.

Zur Selbstkontrolle kann man die ABCDE-Regel anwenden, um Leberflecken von Hautkrebs zu unterscheiden, wie die Deutsche Krebshilfe erläutert.

  • A steht für Asymmetrie - eine ungleichmäßige Form ist ein Warnsignal.
  • B meint Begrenzung - verwaschene, unebene und raue Ränder können auf Hautkrebs hindeuten.
  • C steht für Color, also Farbe. Treten in einem Muttermal verschiedene Farben - etwa rosa, grau oder schwarz - auf, sollte man das vom Arzt abklären lassen.
  • D wie Durchmesser: Liegt dieser bei einem Muttermal über fünf Millimetern ist das ebenfalls ein Warnsignal.
  • E steht für Entwicklung und bedeutet, dass man mit einem Muttermal, das sich in den vergangenen drei Monaten verändert hat, zum Arzt gehen sollte.

Bei der Selbstkontrolle sollten auch Finger, Fußsohlen und Ohren von der Untersuchung nicht ausgenommen werden.

Der beste Schutz vor Hautkrebs ist ein dosierter und dem Hauttyp angepasster Umgang mit der Sonne, um keinen Sonnenbrand zu bekommen. Vor allem die Mittagssonne sollte man meiden. Um die Intensität der Sonne einschätzen zu können, hilft auch der UV-Index: Er gibt die Stärke der sonnenbrandwirksamen UV-Strahlung auf einer Skala von 1 bis 11+ an. Das Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlicht aktuelle UV-Prognosen. 

Die Metastasen bei Manfred Binz sind im Laufe der Behandlung deutlich geschrumpft, sagt Arnold. "Derzeit sieht es so aus, als ob der Tumor erfolgreich bekämpft werden kann, aber dies ist zunächst nur ein Teilsieg."

BRÄUNE UND HAUTKREBSGEFAHR - FRAGEN AN DEN EXPERTEN

Genügt ein Sonnenbrand, um später Hautkrebs zu bekommen?Wie gut erholt sich die Haut von einem Sonnenbrand?Sind Selbstbräuner eine gute Alternative zum Sonnenbaden?

Martina Rathke, dpa