Pharmafirmen So viel Geld bekamen Schweizer Ärzte und Kliniken

Franken für Fortbildungen, Vorträge und Reisekosten: Auch in der Schweiz zahlt die Pharmaindustrie Millionen an Ärzte und Institutionen. Nun können Patienten einen Teil dieser Zahlungen im Detail nachschlagen.

Wie viel Geld haben Ärzte, Kliniken und andere Akteure des Gesundheitswesens von Pharmakonzernen erhalten? Ende Juni wurde dies erstmals im Detail bekannt - zumindest für einen Teil der finanziellen Verbindungen. Gemeinsam mit dem Recherchezentrum Correctiv  machte SPIEGEL ONLINE die bundesweiten Daten in einer Datenbank zugänglich.

Nun ist ein solches Verzeichnis auch für die Schweiz erschienen. Das Magazin "Beobachter"  hat die veröffentlichten Zahlungen von 59 Pharmafirmen aufbereitet, in Zusammenarbeit mit Correctiv und SPIEGEL ONLINE. Hier  können Patienten und interessierte Bürger nachschlagen, wohin im Jahr 2015 wie viel Geld geflossen ist - und wofür es gezahlt wurde.

Insgesamt gingen von den 59 Pharmaunternehmen rund 138 Millionen Franken (umgerechnet 127 Millionen Euro) an Ärzte und andere medizinische Fachleute sowie an Institutionen. Mit dem Geld wurden Honorare für Beratungen und Dienstleistungen gezahlt, Fortbildungen gesponsert und Auslagen erstattet, es wurden Reise- und Übernachtungskosten übernommen sowie Tagungs- und Teilnahmegebühren für Fortbildungen finanziert.

Datenbank legt knapp 63 Millionen Franken offen

Mit rund 15,5 Millionen Franken erhielten Ärzte, Apotheker und andere Fachleute des Gesundheitswesens nur einen kleinen Teil der Zahlungen. Ein weitaus größerer Anteil entfiel auf Institutionen und den Bereich Forschung und Entwicklung, der klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen umfasst. Zu dieser Kategorie enthalten die Transparenzlisten der Pharmafirmen allerdings keine detaillierten Angaben. Hier bleiben die Geldempfänger anonym.

Für Ärzte und Organisationen basiert die Initiative wie in Deutschland auf Freiwilligkeit. Rund 4200 Ärzte und andere medizinische Fachleute aus der Schweiz haben der namentlichen Veröffentlichung zugestimmt und damit einen Beitrag für mehr Transparenz geleistet. Zusammen haben sie 8,7 Millionen Franken von Pharmaunternehmen erhalten. Die nun veröffentlichte Datenbank  zeigt diese Geldflüsse im Detail, ebenso wie die Zahlungen an medizinische Institutionen, die knapp 54 Millionen Franken umfassen.

Damit sind nun erstmals tiefe Einblicke in die finanziellen Verbindungen zwischen der Schweizer Pharmaindustrie und dem Gesundheitswesen möglich. Eine umfassende Analyse hingegen nicht, dafür haben noch zu wenige Akteure ihre Daten offengelegt. Daher endet die Suche in der Datenbank nicht selten mit offenem Ergebnis: Wer darin nicht auftaucht, hat der Veröffentlichung entweder widersprochen oder erst gar nichts erhalten.


che
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