Brustkrebs-Screening Mammografie erkennt Tumoren meist in günstigem Stadium

Es ist eine erste Bilanz des deutschen Brustkrebs-Screenings: Die erkannten Tumoren sind in den meisten Fällen noch klein - und haben gute Therapieprognosen. Dennoch sind viele Frauen nicht ausreichend über Risiken und Nutzen der Mammografie informiert.

Mammografie-Analyse: Bei vielen Röntgenuntersuchungen werden Tumoren in einem frühen Stadium erkannt
AP/dpa

Mammografie-Analyse: Bei vielen Röntgenuntersuchungen werden Tumoren in einem frühen Stadium erkannt

Von Cinthia Briseño


Es ist ein Forumsbeitrag, der das Dilemma vieler Frauen verdeutlicht: "Kann eine Mammografie das Brustkrebsrisiko wirklich senken?", fragt "weibchen38" dort. Eine scheinbar einfache Frage. Weiter schreibt die Userin: "Neulich habe ich in einem Prospekt über Brustkrebs gelesen, dass das Brustkrebsrisiko durch Mammografie stark gesenkt werden kann." Daraufhin habe sie ihren Arzt befragt. Dieser aber habe nur gesagt, dass eine Mammografie nach den neuesten Studien nicht viel bringe. "Ich als medizinischer Laie bin etwas überfordert... Was meint ihr?"

Etlichen Frauen geht es mit der Röntgenuntersuchung wie "weibchen38". Und nicht nur ihnen, wie der Eintrag zeigt: Auch Ärzte streiten seit Jahren darüber, was beim Mammografie-Screening überwiegt: der Nutzen - oder die Risiken?

"Auf dem richtigen Kurs"

Eine Antwort darauf sollen Studien bringen. Doch deren statistische Interpretation ist höchst komplex und liefert bisher keine eindeutige Pro- oder Contra-Antwort. Die Kooperationsgemeinschaft Mammografie hat jetzt erstmals eine Zwischenbilanz über das deutsche Screening-Programm veröffentlicht. Darin gibt sich die Organisation, die die Reihenuntersuchung koordiniert, positiv: "Wir haben nun Gewissheit, dass das deutsche Screening auf dem richtigen Kurs ist", sagt Tatjana Heinen-Kammerer, Geschäftsstellenleiterin der Kooperationsgemeinschaft, laut einer Pressemitteilung.

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Mammografie in Zahlen: Leben gerettet - oder umsonst behandelt?
Dem Bericht zufolge sind deutschlandweit 17.500 Karzinome innerhalb eines Jahres durch das Mammografie-Screening entdeckt worden - viele davon in einem sehr frühen Stadium: 80 Prozent der Tumoren waren demnach kleiner als zwei Zentimeter, 78 Prozent der Karzinome hatten die Lymphknoten noch nicht befallen. "Damit haben die Karzinome heute eine deutlich bessere Therapieprognose als vor Einführung des Screenings", heißt es.

Für den Jahresbericht hatten Mediziner die Daten von 2,7 Millionen Untersuchungen ausgewertet. 2005 wurde das Screening-Programm in Deutschland eingeführt, seit 2009 wird es flächendeckend an 400 Standorten durchgeführt. Frauen zwischen 50 und 69 Jahren erhalten schriftliche Einladungen zum Screening. Alle zwei Jahre haben sie Anspruch auf die Früherkennungsuntersuchung, die von der Krankenkasse bezahlt wird.

Das Problem: Noch können die zahlreichen Studien nicht eindeutig belegen, dass die Brustkrebssterblichkeit durch das Screening wirklich sinkt. Auch die aktuelle Auswertung der Kooperationsgruppe kann das anhand der momentanen Datenlage nicht. "In Deutschland werden wir frühestens 2018 etwas darüber sagen können", sagt Alexander Katalinic vom Institut für Krebsepidemiologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, der an der Auswertung beteiligt ist.

Eine Frage der Lebensqualität anstatt der Sterblichkeit

Katalinic zählt zu jenen Experten, die dafür plädieren, das Mammografie-Screening nicht anhand der Brustkrebssterblichkeit zu beurteilen. Sondern vielmehr daran, welchen Vorteil an Lebensqualität die Untersuchung den betroffenen Frauen bringt. "Wir diskutieren viel über die Brustkrebsmortalität", sagt Katalinic. "Dabei ist die Fünfjahres-Überlebensrate in den vergangenen Jahren stetig gestiegen." 87 Prozent der Frauen mit Brustkrebs überleben inzwischen die Diagnose um mindestens fünf Jahre.

Die Kritik an Mammografie-Screenings aber ebbt nicht ab: Jüngst hatte eine weitere großangelegte Studie aus Kanada die Nachteile der Röntgenuntersuchung deutlich gemacht. Demnach wird das Leben von zu wenigen Frauen gerettet, und zu viele Frauen nehmen durch unnötige Therapien wie Bestrahlung oder Chemotherapie Schaden. Es ist nicht die erste Studie mit so einem Ergebnis, weshalb einige Gesundheitsexperten sogar eher davon abraten, an Screening-Programmen teilzunehmen.

Einer von ihnen ist der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der die Art erforscht, wie Menschen ihre Entscheidungen treffen. "Jeder sollte um die Vor- und Nachteile wissen", sagte er einmal in einem SPIEGEL-Interview. "Leider aber sind zum Beispiel die deutschen Frauen in Sachen Mammografie europaweit am dürftigsten informiert."

Tatsächlich offenbarte auch eine vor kurzem veröffentlichte Umfrage der Barmer GEK und der Bertelsmann Stiftung, dass offenbar jede zweite Frau falsch oder unzureichend über die Früherkennung von Brustkrebs und das Mammografie-Screening informiert ist. Vielen Frauen ist beispielsweise nicht bewusst, dass das Mammografie-Screening eine Früherkennungs- und keine Vorsorgeuntersuchung ist. Vor Brustkrebs schützen kann sie also nicht.

Um zu verdeutlichen, welchen Nutzen - aber auch welche Risiken - die zweijährige Mammografie hat, gibt es inzwischen von der Kooperationsgemeinschaft Grafiken (siehe Bilderstrecke), die anschaulich erklären, wo die Medizin auch heute noch steht: Eine Mammografie kann zu unnötigen Therapien führen. Frauen können auch ohne Mammografie eine Brustkrebsdiagnose überleben. Eine Mammografie kann aber auch Leben retten.



insgesamt 38 Beiträge
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firenafirena 20.02.2014
1. Tacrolimus, etc.
Ihnen ist schon klar, dass niemand Immunsuppressiva zum Spaß nimmt? Ohne diese Medikamente würden die Patienten ziemlich garantiert in kurzer Zeit sterben Das erhöhte Krebsrisiko ist der Preis für die Immunsuppression,aber ohne geht es oft einfach nicht. Und das Märchen mit der Abrechnung lassen Sie mal besser im Märchenbuch.
md57 20.02.2014
2. Bitte geht hin!!!
Als Brustkrebsbetroffene kann ich nur allen Frauen raten sich screenen zu lassen. Lasst euch von solchen negativ Meldungen nicht kirre machen. Natürlich schützt das nicht vor Brustkrebs - verstehe auch gar nicht wie man auf so einen Schwachsinn kommen kann - aber je früher um so besser und ich weiss wovon ich rede. Also bitte an alle: ergreift die Chance!!
blauervogel 20.02.2014
3. Bodenloser Zynismus
Zitat von sysopAP/dpaEs ist eine erste Bilanz des deutschen Brustkrebs-Screenings: Die erkannten Tumoren sind in den meisten Fällen noch klein - und haben gute Therapieprognosen. Dennoch sind viele Frauen nicht ausreichend über Risiken und Nutzen der Mammografie informiert. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/screening-mammografie-erkennt-tumoren-in-guenstigem-stadium-a-954524.html
Welch ein unglaublicher Zynismus: "es wird das Leben von zu wenigen Frauen gerettet." Ab wie viel gerettet Frauen lohnen sich denn die Kosten einer Früherkennungsuntersuchung? Die Schäden durch Bestrahlung dürften kaum über denen einer Fugreise liegen und bekommen nicht nur Frauen mit einem Tumor, bzw. mit V. a. Metastasen eine Chemotherapie? Bezeichnend, wenn vor allem Männer die Früherkennung kritisieren, Brustkrebs ist bei Männern auch nur ein marginales Problem. Jede gerettete Frau wiegt die Kosten eines Früherkennungsprogramms auf. Die Kritiker sollten sich überlegen, dass es ihre Frau, ihre Tochter sein könnte.
blauervogel 20.02.2014
4. chuckcloser = KunoKosenbein
Müssen sie jetzt, nachdem ihr früheres Pseudonym "KunoKosenbein" von Spon wegen der hasserfüllten Penetranz ihrer Beiträge gelöscht wurde, sich unter neuem Namen in diesem Frauenthema breitmachen. Die gleichen dummen Pseudoargumente, die gleichen dummen Zahlen. Ich hoffe Spon löscht auch ihr neues Profil schnell. Das Thema ist zu wichtig für uns Frauen, als dass ein Informations- und Erfahrungsaustausch hier von einem kranken Profilneurotiker wie ihnen kaputt gemacht werden darf.
lenny1000 20.02.2014
5. Ach nö....
....jetzt beehrt uns Bankenpeter mit seinem zwischenzeitlich 4(?) Pseudonym, aber immer den selben abgedroschenen und unreflektierten Äußerungen. Ist das Ihnen denn nicht langsam selbst peinlich? Wie Sie ja schon zugegeben haben (habe die ganze Zeit das Bedürfnis, Sie zu duzen - woran das wohl liegt?) sind Sie erst 22. Glauben Sie mir, in einigen Jahren wird Ihnen all das hier so dermaßen was von unangenehm sein und Sie werden hoffen, dass nie jemand Ihre wahre Identität erfährt. Grundvoraussetzung hierfür ist allerdings, dass Sie endlich die Therapie beginnen, wie ich Ihnen schon soooooo oft empfohlen habe. Warum machen Sie nicht endlich das, was für alle so offensichtlich ist? Glauben Sie mir, der Neid auf uns Ärzte wird Sie auffressen! Denn das System werden kleine Milchbubies wie Sie sicher nicht ändern - und das ewige Geschreibsel hier bei Spon mit den ewig gleichem Inhalt ist offensichtlich auch nicht der Schlüssel zu Ihrer seelischen Gesundheit. Also, husch, husch: ab auf die Seite der Psychotherapeutenkammer Ihres Bundeslandes und Therapeuten rausgesucht! Und wenn Sie mir versichern, endlich einen passenden Therapeuten gefunden zu haben, aber noch ein paar Wochen auf den Platz warten müssen, dürfen Sie auch, ganz ohne Kommentare von uns, bis dahin hier Ihrem Schwachsinn freien Lauf lassen....VERSPROCHEN! Alles wird gut!
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