Atemnot in Melbourne Sechs Asthma-Tote nach Gewitter

Ein Gewitter in Melbourne hat bei Tausenden Menschen Atemnot ausgelöst. Sechs Menschen erlagen ihren Asthma-Attacken, mehrere Personen sind noch in Lebensgefahr.

Gewitter in Melbourne (Archivfoto)
Getty Images

Gewitter in Melbourne (Archivfoto)


Im Großraum Melbourne sind sechs Menschen gestorben, die nach einem Gewitter Asthma-Attacken erlitten hatten. Das haben die Gesundheitsbehörden mitgeteilt. Fünf Personen seien noch in Lebensgefahr, zwölf weitere Patienten würden in Krankenhäusern beobachtet.

Insgesamt hatten sich nach dem Gewitter rund 8500 Menschen wegen Atemproblemen in Krankenhäusern gemeldet. Die Einrichtungen waren kaum in der Lage, diese Zahl an Patienten zu versorgen. "Dies war ein tragisches und unvorhergesehenes Ereignis", sagte ein Sprecher der Gesundheitsbehörden. Bereits kurz nach dem Gewitter war von 1870 Notarzteinsätzen berichtet worden, viele davon wegen Atemnot.

Das Phänomen, dass Asthmatiker am Tag nach einem Gewitter stärker leiden, ist schon länger bekannt; in Melbourne gab es etwa 2010 einen vergleichbaren Vorfall. Bei ähnlicher Wetterlage hatten Krankenhäuser in der Stadt zudem bereits 1987 einen fünffachen Anstieg an Asthma-Anfällen registriert.

Es ist bislang nicht vollständig geklärt, auf welche Weise die Wetterlage die Atemnot fördert. Experten in Australien erklären die jüngste Welle an Vorfällen so: Im Gewitter hätten sich Weidelgraspollen durch die extreme Luftfeuchtigkeit mit Wasser vollgesogen, bis sie zerbarsten.

Lungenärzte raten Asthmatikern nach Gewittern zu Vorsicht

Dadurch sei die Anzahl der Blütenstaubteilchen deutlich gestiegen. Diese hätten sich über der Stadt verteilt. Weil sie kleiner als gewöhnliche Pollen gewesen seien, konnten sie tiefer in die Atemwege eindringen.

Verschiedene Studien, darunter aus Londonund Atlanta(US-Bundesstaat Georgia), belegen, dass die Zahl der Asthmanotfälle nach Gewittern steigt. In einer Untersuchung in Atlanta betrug die Zunahme zwar lediglich drei Prozent: Da Asthma aber sehr verbreitet ist, macht sich auch diese relativ kleine Steigerung sehr schnell in Notaufnahmen bemerkbar.

Auch in Deutschland warnen Lungenärzte davor, dass an Tagen nach kräftigen Gewittern mehr Asthmatiker wegen eines Anfalls in der Notaufnahme landen. Gefährlich wird es, wenn ohnehin Pollenflugzeit ist.

Für Asthmatiker ist es umso wichtiger, das Risiko zu kennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. So raten Lungenärzte, dass Betroffene bei Gewitter im Haus bleiben und die Fenster schließen.

Vorsicht gilt auch für Menschen, die sonst nicht unter Asthma, sondern lediglich unter Heuschnupfen leiden. Auch sie können bei dieser Wetterlage plötzlich akute Atemnot bekommen, berichten Forscher. So war es offenbar auch nun in Melbourne: Ein Drittel der Betroffenen soll berichtet haben, niemals zuvor unter Asthma gelitten zu haben.

ulz/Reuters/AP



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.