Selbsttests aus der Drogerie Nur mal schnell den Darm checken

Einfach selbst bestimmen, ob der Körper Gluten nicht verträgt, zu wenig Eisen im Blut schwimmt oder der Darm krank ist: Das versprechen Schnelltests aus der Drogerie. Wie sinnvoll sind sie?

Brook Rieman/ Getty Images

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Der Magen hängt durch. Gequält schaut er aus auf der Anzeige in einer Frauenzeitschrift. Die Angreifer - fiese grüne Keime mit fadenförmigen Schwänzen - setzen ihm zu. Darüber die Zeile: "Ein Schmerz, der Deinen Magen quält?"

Die Werbung preist einen Schnelltest für zu Hause an, mit dem Verbraucher ganz leicht abklären können, ob sie unter dem Magenkeim Helicobacter pylori leiden. Und ob dieser hinter Magenschmerzen, Sodbrennen und Stress steckt. "Einfach", "schnell", "sicher", das verspricht die Anzeige. Erhältlich ist der Test über die Website eines bekannten Drogeriemarktes.

Test kann Arzt nicht ersetzen

Andere, ähnliche Tests desselben Anbieters stehen mittlerweile auch in den Regalen von Drogerien. So gibt es etwa einen Schnelltest "Gesunder Darm", einen "Eisen Test" und einen Test, der dabei helfen soll, eine "Glutenallergie" nachzuweisen. Sie alle kosten um die zehn Euro.

Die NanoRepro AG, Hersteller der Heimtests, teilt auf Anfrage mit, dass die Schnelltests "dem Anwender einen ersten qualitativen Nachweis" geben sollen - "diskret und ohne lange zu warten". Sie könnten allerdings genauere Tests beim Arzt nicht ersetzen. "Die gezeigten Testergebnisse stellen keine Diagnose und keinen Therapieansatz dar, sondern sind nur ein erster Hinweis." Auch der Darmtest sei lediglich ein "unterstützendes Hilfsmittel". Eine Diagnose dürfe nur ein Arzt stellen.

Wie sinnvoll sind die Heimtests überhaupt? SPIEGEL ONLINE hat drei ausprobiert und Fachleute gebeten, sie einzuschätzen.


Der "Eisen Test": Worum geht es?

Auf der Verpackung gähnt eine Frau. "Müde? Kopfschmerzen? Infektanfällig?" steht daneben. Weitere typische Anzeichen eines Eisenmangels sind laut Packungsbeilage etwa Blässe oder starkes Herzklopfen. Der Test wird als "Hilfsmittel zur Diagnose" beworben. Er misst das sogenannte Ferritin, einen Proteinkomplex, in dem Eisen gespeichert wird.

Wie funktioniert der Test?

Wer als Kind schon gern mit dem Chemiekasten experimentiert hat, dürfte sich freuen. Pipette, Glas-Kapillarröhrchen und eine Testkassette stecken in der Packung, daneben ein Gefäß mit einem Probenverdünnungspuffer, eine automatische Stechhilfe, Alkoholtupfer und Pflaster. Dazu eine ausführliche Gebrauchsanweisung mit Bildern.

Zuerst wird die Kappe von der Stechhilfe gedreht. Wer zu neugierig ist und gleich den Auslöser drückt, hat's erst mal vergeigt. Die Nadel schnellt mit einem lauten Klacken nach vorne, erneuter Einsatz unmöglich. Da hilft nur: Nadel vom Plastikgehäuse befreien oder gleich eine andere Piekshilfe für die Fingerspitze desinfizieren. Glasröhrchen horizontal an den Blutstropfen halten, sodass Blut reingezogen wird. Ganz gefüllt, wie vorgesehen, ist das Röhrchen allerdings nicht. Nach dem ersten Pieks ist höchstens ein Zehntel erreicht. Ein bisschen quetschen und nachbohren muss sein, auch dann wird es nur dreiviertel voll.

Danach Röhrchen in die Testlösung geben, schütteln und drei Tropfen der Mischung auf die Testkassette geben. Nach zehn Minuten lässt sich das Ergebnis ablesen - anhand von Strichen, ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest. Ein Rest Unsicherheit bleibt: Habe ich wirklich alles richtig gemacht? Oder war es doch zu wenig Blut?

Was sagen Experten zu dem Test?

"Ferritin ist ein sehr guter Marker für den Eisenhaushalt", sagt Thomas Frieling, Direktor der Medizinischen Klinik II mit Gastroenterologie am Helios Klinikum Krefeld und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Der Test an sich sei in Ordnung. Aber, darauf weist auch das Labor hin, mit dem die Klinik zusammenarbeitet, erscheine bei allen Tests die "Handhabung für zu Hause doch relativ kompliziert und deshalb fehlerbehaftet".

Frieling gibt zudem zu bedenken: Warum für etwas zahlen, was bei einem begründeten Verdacht von der Krankenkasse übernommen wird? Noch dazu, wenn letztlich doch ein Arzt die Diagnose endgültig abklären muss. In der Praxis erfährt der Patient zudem den genauen Eisenwert.


Der "Glutenallergie Test": Worum geht es?

Auch dieser Test wird als "Hilfsmittel zur Diagnose einer Glutenunverträglichkeit" beworben. Bei Zöliakie, so der Fachbegriff, verträgt der Körper das Klebereiweiß Gluten nicht, was zu einer chronisch-entzündlichen Erkrankung des Dünndarms führt. Eine Allergie ist es allerdings nicht, auch wenn die Immunreaktion des Betroffenen eine wichtige Rolle spielt. Gluten kommt etwa in Weizen, Dinkel, Roggen oder Gerste vor.

Die Angaben zur Häufigkeit der Zöliakie schwanken, sie liegen zwischen 0,3 und bis zu einem Prozent der Bevölkerung. Nur bei 10 bis 20 Prozent von ihnen liegt allerdings das Vollbild der Erkrankung vor, schreibt die Deutsche Zöliakie Gesellschaft auf ihrer Homepage. 80 bis 90 Prozent haben demnach untypische oder keine Symptome und wissen daher oft nichts von der Erkrankung.

Essen Betroffene glutenhaltige Speisen, leiden sie oft unter Durchfall, Übelkeit oder Blähungen. Auch Müdigkeit, Antriebsschwäche oder ein Nährstoffmangel können Anzeichen sein. Um eine Glutenunverträglichkeit festzustellen, misst der Test spezielle Antikörper im Blut.

Wie funktioniert der Test?

Das Equipment gleicht dem des Eisen-Tests, der Ablauf ist derselbe.

Was sagen Experten zu dem Test?

Gastroenterologe Frieling ist skeptisch: Zwar würden auch niedergelassene Ärzte bei einem Verdacht oft erst einmal einen Antikörpertest machen. Aber: "Es ist ein Hinweis, aber noch lange kein Beweis. Es gibt auch Patienten, die ein positives Ergebnis haben, aber keine Zöliakie." Bei anderen ist der Test negativ, und sie reagieren dennoch auf das Klebereiweiß.

Sicher feststellen lässt sich eine Glutenunveträglichkeit nur mit Dünndarmbiopsien. Dazu rät Frieling bei einem begründeten Verdacht. Denn wer tatsächlich erkrankt ist, muss sich lebenslang glutenfrei ernähren, und das schränkt ein. Zudem ist bei Betroffenen das Risiko erhöht, einen Tumor im Darm zu entwickeln.

In der Leitlinie, einer Art Handlungsempfehlung, wird von Schnelltests abgeraten. Der vom Labor übermittelte Befund sollte nicht nur die Bewertung "positiv" oder "negativ" enthalten, sondern etwa auch Angaben über die Konzentration der Antikörper, den Grenzwert und den Testhersteller, heißt es dort. Auch die Güte der Tests ist wichtig. "Labore müssen belegen, dass sie wirklich messen, was sie messen sollen", sagt Frieling. Bei dem Schnelltest muss der Verbraucher den Angaben im Beipackzettel vertrauen.

Gesundheitswissenschaftlerin und Ärztin Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg ist genau in dem Punkt skeptisch. Ihr fehlen Informationen, andere findet sie irreführend. So werden in dem Beipackzettel zwar die Leistungsdaten des Testes aufgeführt, der mit einem Referenztest verglichen wurde. Aber: "Ich weiß als Verbraucher nicht, welcher Referenztest es war und wer die Tests durchgeführt hat, Laien oder Profis."

Zudem: Bei der kleinen Untersuchung mit 80 Teilnehmern wies der Test bei 50 eine Glutenunverträglichkeit nach, einmal lag er falsch. "Da Zöliakie viel seltener auftritt, hat man den Test wohl schon an einer vorbelasteten Gruppe getestet", sagt Mühlhauser. Anders gesagt: In der Untersuchung ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein positives Ergebnis tatsächlich eine Zöliakie bedeutet. "Als Nutzer möchte ich aber wissen, wie gut der Test vorhersagen kann, dass ich wirklich eine Glutenunverträglichkeit habe. Für diese Info fehlen Quellen." Kann ich mir also nach einem positiven Ergebnis sicher sein, dass ich betroffen bin? "Nein", sagt Mühlhauser.

Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft stuft den Erkenntniswert solcher Tests als "äußerst gering" ein. Wer nach einer derart wackeligen Einschätzung beginnt, sich glutenfrei zu ernähren, erschwert zudem die ärztliche Diagnose - da dies das Ergebnis verfälschen kann.


Der "Gesunder Darm Test": Um was geht es?

"Blut im Stuhl? Durchfall? Darmkrämpfe? Verstopfung", steht auf der Verpackung. Darunter: "Früherkennung kann schützen". Der Test soll verborgenes, menschliches Blut im Stuhl nachweisen, ein "erstes Anzeichen für Erkrankungen wie Polypen oder Darmkrebs".

Wie funktioniert der Test?

Auch hier gibt es ein Röhrchen für die Probe. Aus dem Stuhl sollen an verschiedenen Stellen Proben gesammelt werden. Diese löst man in einer Flüssigkeit auf und tröpfelt etwas davon auf das Testkit, bis wieder Striche erscheinen. Der Test ist allerdings weder schön, noch einfach: Toilettenwasser, Blut im Urin oder Magenirritationen können das Ergebnis verfälschen. Bei positivem Ergebnis wird geraten, sofort zum Arzt zu gehen.

Was sagen Experten zu dem Test?

Ingrid Mühlhauser fehlen auch hier die Quellen, um die Güte des Tests zu überprüfen. "Aus Untersuchungen mit ähnlichen Tests wissen wir zudem, dass ein Großteil der Verbraucher das Ergebnis falsch interpretiert", sagt sie. "Mit dem Test lässt sich Darmkrebs weder nachweisen noch ausschließen. Ein positiver Befund bedeutet nicht, dass ich erkrankt bin."

Das steht zwar auch so im Beipackzettel. Doch der Hinweis fehlt, dass eine Blutung oft auch harmlose Ursachen hat. Nur bei einem kleinen Teil derer, bei denen Tests auf verborgenes Blut angeschlagen haben, finden die Ärzte durch weitere Untersuchungen tatsächlich einen bösartigen Tumor, schreibt etwa der Krebsinformationsdienst. Andererseits blutet nicht jeder Tumor oder Polyp. Solche Tests übersehen daher auch Krebsfälle.

Vor allem die alten Tests, die verborgenes Blut im Stuhl biochemisch nachweisen, sind störanfällig. Seit 2017 zahlt die Kasse für neuere, zuverlässigere Verfahren, sogenannte immunologische Stuhltests. Sie weisen das Blut mithilfe von Antikörpern nach. Aber auch sie sind fehleranfällig.

Die Alternativen

Frieling befürchtet, dass der kommerziell erhältliche Test ohne einordnendes Gespräch eher für Verunsicherung sorgt - und das, obwohl die Darmkrebsvorsorge durchaus nutzt. Ab 50 Jahren hat jeder Versicherte Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs. Dazu zählen jährliche Tests auf verborgenes Blut im Stuhl und ab 55 Jahren die Darmspiegelung. Wer sich gegen die Spiegelung entscheidet, kann stattdessen alle zwei Jahre den Test machen. Die Kassen zahlen für die Untersuchungen.

Die Darmspiegelung ist die zuverlässigste Methode zur Früherkennung, Männern soll sie zukünftig schon ab 50 empfohlen werden. Wer zu einer Risikogruppe zählt, etwa weil in der Familie schon Darmkrebs aufgetreten ist, kann die Vorsorge auch früher in Anspruch nehmen.

Gastroenterologe Frieling sieht die Gefahr, dass der frei erhältliche, kommerzielle Schnelltest zu früh und zu oft verwendet wird. "Dann treten auch falsch positive Befunde häufiger auf", sagt er. "Als Folge muss ich unnötige Untersuchungen über mich ergehen lassen." Denn ein auffälliges Ergebnis muss mit einer Darmspiegelung abgeklärt werden.


Zusammengefasst: Selbsttests auf Blut im Stuhl, Eisen oder Gluten gibt es freiverkäuflich im Handel. Doch die Handhabung ist schwierig, die Aussagekraft der Tests eingeschränkt und die Interpretation fehleranfällig. Die Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser sagt daher: "Alles, was nötig ist, bekomme ich kostenlos und genauer beim Hausarzt, Beratung inklusive." Der Gastroenterologe Thomas Frieling betont: "Es besteht die Gefahr, dass solche Tests zu unkritisch eingesetzt werden." Und dass der Verbraucher danach letztlich nicht viel schlauer ist - aber um einige Euro ärmer.



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halverhahn 25.04.2019
1. Zuviel Voreingenommenheit!
Der Beitrag erscheint mir per se viel zu kritisch. Schon im Vorhinein. Handhabung schwierig?! Ne, es sei denn, den jeweiligen Test machen Kinder oder Leute, die gar nicht lesen können. Hält man sich an die Anweisungen, und dazu braucht man wirklich kein Medizinstudium, ist die Fehlerquote mE extrem gering. Solche Test sind auch für Doofe machbar. Und als grobe Erst-Diagnose/als Erst-Schnell-Check sind sie mE wirklich brauchbar. Und nicht mehr oder weniger stellen diese Tests dar, bzw werden auch nur so verkauft. Den Arzt sollen und werden sie nicht ersetzen!! Deswegen: Kommt dabei was negatives für den Tester raus, dann halt sofort zum Doc, um es dort klinisch abchecken zu lassen. Ansonsten die obligatorischen Arzt-Check-Termine wahrnehmen. Von daher verstehe ich das kritische Geschrei darum hier null. Ich wünschte mir gar noch mehr solcher Schnelltests zuhause. Im Ausland gibt es schon länger Aids-Tests für zuhause sowie weitere für andere möglichen Dinge. Nur in Deutschland mal wieder nicht.
noalk 25.04.2019
2. Und der Schwangerschafts-Selbsttest?
Bleibt die Menstruation aus und der Test ist negativ, muss Frau zum Gynäkologen. Bleibt die Menstruation aus und der Test ist positiv, muss Frau zum Gynäkologen. Ergo: Bleibt die Menstruation aus, muss Frau zum Gynäkologen. In jedem Fall rausgeschmissenes Geld für den Test.
Hans W. 25.04.2019
3.
Die Frage ist doch wie zuverlässig die Ergebnise sind. Wenn zb. beim Eisen Test gesagt wird alles ist gut und zu 95% stimmt dieses ergebnis und wenn der sagt es stimmt etwas nicht und das ergebnis ist zu 60% zuverlässig, dann ist der Test ausreichend. Es ist natürlich gut wenn das gute Ergebnis eine hohe zuverlässigkeit hat. Es sollte natürlich einem bewusst sein dass man so oder so zum Arzt muss, wenn man glaubt etwas stimmt nicht. Wenn der Test sagt ich hätte Krebs, würde ich schneller zum Arzt rennen, als wenn der sagt alles wäre gut. Ich bin jemand der eher mal sagt: "was kommt, das geht auch wieder" und schleppe eher etwas vor mir hin. Eine Sache stört mich. Wenn irgendwo steht man könnte dies oder jenes haben, fehlt der Hinweis ob dies zb. bei einem regulären Bluttest auffallen könnte. Wenn ich letztens erst einen Bluttest gemacht habe und der Arzt nichts gesagt hat bzw. das Ergebnis unaufällig ist, kann man ja gewisse Dinge ausschließen. Ich finde die Tests nicht schlimm, solange klar Kommuniziert wird, dass weder ein positives noch negatives Ergebnis eine Garantie ist und dass ein schlechtes Ergebnis auch andere Gründe haben kann. Außerdem sollte man bei länger anhaltenden beschwerden immer den Arzt aufsuchen.
otto25 25.04.2019
4. Der Unterschied zwischen Früherkennung und Vorsorgeuntersuchung
Der Unterschied zwischen Früherkennung und Vorsorgeuntersuchung speziell bei Darmkrebs ist vielen nicht klar. Früherkennung: Dies bedeutet, dass eine Krebserkrankung (im Darm) in einem sehr frühen Stadium festgestellt wird, wenn man Glück hat. Das kann man teilweise mit dem Test ob Blut im Stuhlgang vorhanden ist feststellen. Wie im Artikel beschrieben ist allerdings nicht jedes Blut im Stuhlgang ein Hinweis, dass es sich um Krebs handelt und nicht jeder Krebs blutet. Ist jedoch durch so einen Test gefundenes (nicht mit bloßem Auge) sichtbares Blut tatsächlich ein (früher) Hinweis auf einen Darmkrebs, so muss man sich klarmachen, dass es sich dann auf jeden Fall bereits um eine Krebserkrankung handelt. Auch wenn sie mit Glück sehr früh entdeckt wird und dadurch die Heilungs- und Überlebenschancen wesentlich besser sind. Im Gegensatz dazu steht die Vorsorgeuntersuchung: Diese bedeutet beim Darm, dass bereits im Vorfeld BEVOR eine Krebserkrankung entsteht etwas dagegen unternommen werden kann. Das geht durch einen Test ob Blut im Stuhlgang vorhanden ist nicht (s.o.) Das geht einzig nur in dem man im Darm nachschaut ob Polypen vorhanden sind. Dazu muss entweder eine Darmspiegelung durchgeführt werden oder man schluckt eine Kamera (dies wird allerdings nicht von der gesetzl. Krankenkasse bezahlt). Denn die meisten Darmkrebse entstehen aus Polypen. Diese werden deswegen bei einer Vorsorgeuntersuchung per Darmspiegelung ohne großen zusätzlichen Aufwand dann direkt mit entfernt. Das geht meistens problemlos ambulant. Natürlich entsteht nicht aus jedem Polyp ein Darmkrebs. Aber da man das im Vorfeld nicht sagen kann welcher Polyp entartet und welcher nicht, werden sie alle entfernt, falls vorhanden. Da Polypen eher nicht so schnell wachsen, reicht es aus, wenn man ca. alle 10 Jahre im Darm nachschaut ob Polypen vorhanden sind, falls man keine gefunden hat. Wurden allerdings Polypen gefunden und entfernt, so sollte man in kürzeren Abständen nachsehen. Fazit: Nur wenn man im Darm nachschaut (Darmspiegelung oder mit einer geschluckten Minikamera) kann man im VORFELD einen möglichen Darmkrebs vorbeugen. Mit einem Test auf verborgenes Blut geht das nicht. Und für alle die bei dem Gedanken an eine Darmspiegelung nicht so begeistert sind (wer ist das schon) ... es ist nicht schlimm: Normalerweise erhält man unmittelbar vor der Spiegelung ein kurz wirkendes Schlafmittel und man bekommt von der Untersuchung nichts mit. Ich selbst war sogar ganz mutig und habe es ohne Schlafmittel ausprobiert (sie hätten mir während der Untersuchung sofort etwas zum Schlafen gespritzt, wenn es für mich zu unangenehm geworden wäre). Zu meiner großen Überraschung benötigte ich kein Schlafmittel...ich fand es war gut auszuhalten. Bei mir wurden übrigens Polypen gefunden (und sofort entfernt). Ich bin froh, dass ich mich nach längerem Zögern doch dazu durchringen konnte. In meinem Umfeld gab und gibt es einige Menschen, die am Darmkrebs erkrankt sind (zum Teil leben sie auch nicht mehr). Keiner war zuvor bei einer Darmspiegelung zur Vorsorgeuntersuchung. Erst als schon Beschwerden da waren...da war es bereits zu spät (zumindest für eine reine Vorsorge).
Gerd Franziskus Müller 25.04.2019
5. Thema verfehlt
Der Beitrag ist aus meiner Sicht schlecht recherchiert, mit falschen Interpretationen versehen und der Author hat das Thema nicht erfasst. Man darf und soll sich kritisch mit den Heimtests auseinander setzten. Allerdings muss man sich dann in Abhängigkeit von dem Test und der vorgesehen Anwendung genauer damit beschäftigen. Beispiel: Ich als Mann werde sicherlich keinen Schwangerschaftstest machen. Als Frau, die aber den Verdacht hat, kann ein Schwangerschaftstest eine hilfreiche Unterstützung sein. Die Schwangerschaftstest verwenden dabei die gleichen Verfahren wie die hier beschriebenen. Das heißt wenn ich einen Verdacht habe das ich eine Glutenunverträglichkeit habe, kann mir der Test durchaus eine diagnostische Unterstützung sein. Der Arzt macht am Ende auch nix anderes als neben den Symptomen sich u.a. Laborverfahren zur Bestimmung von Biomarkern zu Hilfe zu nehmen und diese zu interpretieren. Die hier beschrieben Heimtest nutzen dabei alle das gleiche Prinzip von Laborverfahren und sind vom Laien durchführbar. Der Fakt das aus einer Gruppe von 50 Patienten mit Glutenunverträglichkeit nur Einer falsch zugeordnet wurde, deutet eher darauf hin, das der Test hervorragend funktioniert. Ich möchte ein Labortest sehen, der eine 98% Sensitivität hat. Die Interpretation des Autors lässt das etwas anderes zu. Auch der Hinweis das es jetzt zuverlässigere Antikörper basierte Test gibt erschließt sich mir nicht. Die hier beschrieben Test sind Antikörper basiert. Die Sinnhaftigkeit dieses Abschnitts ist mir nicht ersichtlich. Auch das ein Laborwert nicht nur positiv oder negativ sein soll ist klar. Aber das ist nicht Sinn der Heimtest. Vielmehr soll der Test erstmal sagen das man positiv ist und anschließend der Hinweis das man dann zum Arzt gehen sollte. Dieser kann dann den genauen Wert ermitteln lassen. Von daher wäre eine Auseinandersetzung über den sinnhaften oder auch sinnfreien Einsatz solcher Test durchaus Interessant gewesen. Aber warum die beschrieben Heimtest jetzt schlecht und Glucoseheimtest oder Schwangerschaftsheimtest gut sind, erschließt sich mir aus dem Artikel nicht. Richtig angewendet können sie aus meiner Sicht durchaus eine Hilfe sein.
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