Nach monatelanger Pause Neuer Ebola-Fall im Osten Sierra Leones

Es ist ein herber Rückschlag: Im Osten Sierra Leones ist ein Kind an Ebola gestorben. Die Region zählte lange zu den Brennpunkten der Epidemie, in den vergangenen Monaten aber hatte es dort keine Infektionen mehr gegeben.

Leergefegte Straße in Freetown: Ausgangssperre sollte helfen, Ebola zu besiegen
AP/dpa

Leergefegte Straße in Freetown: Ausgangssperre sollte helfen, Ebola zu besiegen


Im Osten Sierra Leones ist erstmals seit Monaten wieder eine Ebola-Infektion nachgewiesen worden. Die Seuche sei bei einem verstorbenen neun Monate alten Kleinkind im Bezirk Kailahun diagnostiziert worden, erklärten Behördenvertreter. Die Eltern seien gesund.

Die Region Kailahun war einer der Brennpunkte der jüngsten Ebola-Epidemie. Im vergangenen Sommer wurden bis zu 80 Infektionen pro Woche aus der Region gemeldet. Zum Jahresende war die Zahl der Neuinfektionen jedoch auf null gesunken, in den vergangenen vier Monaten galt das Gebiet als frei von der Seuche - im Gegensatz zu anderen Teilen des Landes.

Um die Epidemie weiter unter Kontrolle zu bekommen, hatten die Behörden Ende März eine dreitägige Ausgangssperre verhängt. Zwischen dem 27. und dem 29. März durften 2,5 Millionen Menschen in der Hauptstadt Freetown und im Norden des Landes ihre Häuser nicht verlassen, der Osten des Landes war von dieser Maßnahme nicht betroffen.

Zehn Infektionen in Freetown und im Norden

In den drei Tagen zogen Helfer von Tür zu Tür, um die Bewohner über die Infektion aufzuklären und noch nicht gemeldete Ebola-Fälle aufzuspüren. Während der Zeit habe man Hunderte kranke Menschen untersucht, doch nur bei zehn habe sich der Ebola-Verdacht bestätigt, erklärte ein Regierungsvertreter. Er verkündete, das westafrikanische Land sei am Endpunkt der Epidemie angekommen. Der Rückschritt im Osten zeigt jedoch, dass das Land noch einen langen Weg vor sich hat.

Auch Liberia hatte jüngst einen Rückschlag im Kampf gegen die Epidemie erlitten. Nachdem der letzte bestätigte Ebola-Patient im gesamten Land bereits aus dem Krankenhaus entlassen war, kam es erneut zu einem Ebola-Fall. Das Land ist am schwersten von der Ebola-Epidemie betroffen. Insgesamt starben in Westafrika seit Beginn des Ausbruchs mehr als 10.400 Menschen, laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sich mehr als 25.000 infiziert.

Die deutsche Abteilung der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen warnte vergangene Woche davor, die Gefahr durch Ebola für gebannt zu halten. "Ebola ist noch nicht zu Ende", sagte Verbandspräsident Tankred Stöbe am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur. Die Krankenhäuser in den bitterarmen Staaten funktionierten kaum noch. In der Woche bis zum 29. März meldete die WHO 82 neue Infektionen, 57 davon in Guinea, dem dritten der durch die Epidemie am stärksten betroffenen Länder.

irb/AP/AFP/dpa



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Tiananmen 05.04.2015
1.
Also als Epidemiologe würde mich die Situation nervös machen. Das Kind stirbt an Ebola, die Eltern sind gesund. Wozu / zu wem hatte das 9 Monate alte Kind Kontakt und die Eltern nicht? So bei Stichproben von Haustüre zu Haustür finden sich 10 Ebola-Infizierte? Aus welcher Anzahl von Untersuchten? Und was ist mit deren Umfeld? Wie gesagt: mich würde das nervös machen.
Beat Adler 05.04.2015
2. Aus dem Artikel geht nicht hervor, wer das Kind angesteckt haben koennte.
Zitat von TiananmenAlso als Epidemiologe würde mich die Situation nervös machen. Das Kind stirbt an Ebola, die Eltern sind gesund. Wozu / zu wem hatte das 9 Monate alte Kind Kontakt und die Eltern nicht? So bei Stichproben von Haustüre zu Haustür finden sich 10 Ebola-Infizierte? Aus welcher Anzahl von Untersuchten? Und was ist mit deren Umfeld? Wie gesagt: mich würde das nervös machen.
Aus dem Artikel geht nicht hervor, wer das Kind angesteckt haben koennte. Mit 9 Monate alten Babies spielen/herzen in Afrika alle Mitglieder der "Gross"Familie, nicht nur die Mutter und der Vater. Dass Ebola in den hauptsaechlich betroffenen Laendern noch nicht ganz abgeklungen ist, zeigt auf, dass immer noch nicht alle Massnahmen greifen. Das einzige, das Ebola wirklich ausrotten kann, ist die Massenimpfung. Das war z.B. bei Pocken und Kinderlaehmung so. Ob eines Tages 200 bis 300 Millionen Dosen des Ebolaimpfstoffes zur Durchimpfung der Bevoelkerung in den Ebolaausbruchsgebieten zur Verfuegung stehen werden oder nicht, bleibt abzuwarten. mfG Beat
Tiananmen 05.04.2015
3.
Zitat von Beat AdlerAus dem Artikel geht nicht hervor, wer das Kind angesteckt haben koennte. Mit 9 Monate alten Babies spielen/herzen in Afrika alle Mitglieder der "Gross"Familie, nicht nur die Mutter und der Vater. Dass Ebola in den hauptsaechlich betroffenen Laendern noch nicht ganz abgeklungen ist, zeigt auf, dass immer noch nicht alle Massnahmen greifen. Das einzige, das Ebola wirklich ausrotten kann, ist die Massenimpfung. Das war z.B. bei Pocken und Kinderlaehmung so. Ob eines Tages 200 bis 300 Millionen Dosen des Ebolaimpfstoffes zur Durchimpfung der Bevoelkerung in den Ebolaausbruchsgebieten zur Verfuegung stehen werden oder nicht, bleibt abzuwarten. mfG Beat
Das ist natürlich richtig, aber es wirft (mindestens) zwei Fragen auf: wurde die Quelle identifiziert? Wenn das Kind 9 Monate alt ist, dann wird es wahrscheinlich noch gestillt. Warum ist die Mutter dann negativ? Die Wahrscheinlichkeit, dass niemand mit Ausscheidungen des Kindes in Kontakt kam ist doch sehr gering.
spon-1290375543970 05.04.2015
4. Ebola ist anders als Pocken
leider stimmt es nicht dass Ebola wie die Pocken ausgelöscht werden können. die Pocken waren menschliche Erreger, im Menschen heimisch, durch die Impfung konnten die Wirte immunisiert werden. Ebola gibt es in bestimmten Flughunden, die die Krankheit immer wieder zu Menschen tragen können, oder zu anderen Primaten. hier spricht man von Zoonose, einem Eintrag von Erregern aus der Tierwelt.
kraichgau12 05.04.2015
5. richtig..
es ist eine (noch) Zoonose. Und weil sich am Verhalten der Gesellschaft(ob nun beim Bushmeat-Verzehr jeglicher Art oder bei den Bestattungsriten) nur unter quasi-militärrecht zeitlich etwas geändert hat,in den Köpfen aber null, wird es ebenso wie es abflaute,auch wieder auftauchen,die grösste Gefahr ist,das es ebenso bald keine Zoonose mehr sein könnte...
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