Silicon-Valley-Forschung zu Langlebigkeit "Eine Zukunft, in der Altern nicht schmerzt"

Im Silicon Valley investieren Forscher und Unternehmen wie Google und Facebook Milliarden, um den alten Menschheitstraum vom ewigen Leben wahr werden zu lassen. Manche Ansätze sind vielversprechend - andere bizarr.
Foto: Coneyl Jay/ Getty Images

Selbst im Silicon Valley, diesem Mikrokosmos der außergewöhnlichen Persönlichkeiten, ist Peter Thiel eine auffällige Gestalt. Er gründete den Online-Bezahldienst PayPal, war erster Geldgeber von Facebook, verdiente Milliarden und verteilt nun Millionen als einflussreicher Wagniskapitalgeber. Doch keine Vision beschäftigt den Hedgefonds-Manager mehr als diese: "Die große Aufgabe der modernen Welt ist, den Tod zu einem lösbaren Problem zu machen - zu dessen Lösung ich so viel beizutragen versuche, wie ich kann."

In den vergangenen Jahren investierte Thiel in über ein Dutzend Unternehmen, die an Lebensverlängerung und regenerativer Medizin arbeiten. Etwa in Unity Biotechnology, einen der Stars der neuen Anti-Alterungs-Forschung: "Stell dir eine Zukunft vor, in der du alterst, aber ohne die Krankheiten deiner Eltern", wirbt das Unternehmen auf seiner Website  . "Eine Zukunft, in der Altern nicht schmerzt."

Der reparierbare Mensch

Das Leben zu verlängern ist in diesen Tagen das Steckenpferd vieler Technologie-Vordenker. Die Silicon-Valley-Elite wird getrieben von der Hoffnung, den Tod zu besiegen oder zumindest eine Weile in Schach zu halten. Der rasante technische Fortschritt, künstliche Intelligenz und immer neue digitale Instrumente sollen endlich den alten Menschheitstraum von "Longevity" - Langelebigkeit - erfüllen.

Die zugrundeliegende Idee vieler ist dabei, dass der Körper am Ende auch nur ein Informationsverarbeitungssystem ist, das gesteuert werden kann, wenn man nur all seine Bausteine kennt. Die verstopften Arterien, absterbenden Gehirnzellen, erlahmenden Motoren in den Zellkernen - das Silicon Valley träumt davon, dieses Systemversagen aufzuhalten.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg etwa gab 600 Millionen Dollar für ein eigenes Zellforschungszentrum aus. Und Google stattete eine Tochterfirma namens California Life Company (Calico) mit einer Milliarde Dollar aus, um die Geheimnisse des Alterns zu entschlüsseln. Noch tragen die rund einhundert Calico-Forscher in einem anonymen Bürobau im Süden San Franciscos vor allem Studien und Rechercheergebnisse zusammen: Algorithmen durchforsten Unmengen von Daten zu biologischen Prozessen und altersbedingten Krankheiten.

Alte Zellen aussortieren

Vor zwei Jahrzehnten entdeckte die Genetikerin Cynthia Kenyon, dass ein Wurm doppelt so lange lebt wie normal, wenn er eine besondere Genmutation hat. Kenyon arbeitet mittlerweile als Vizepräsidentin für Altersforschrung für Calico. Dort stellt sie nun, erzählen Insider, solche Fragen: 'Was verbindet die langlebigen Mutanten-Würmer mit einer winzigen sibirischen Fledermausart, die nur ein paar Gramm wiegt, aber bis zu 40 Jahre alt werden kann?'

Einer der Unity Biotechnology-Gründer wiederum hatte vor zwei Jahren an der Mayo-Klinik an Alterungsprozessen geforscht und erkannt, dass Mäuse länger leben, wenn man regelmäßig eine bestimmte Art von Zellen eliminiert. Diese sogenannten seneszenten Zellen stehen im Verdacht, eine Mischung aus Biosignalen in den Körper abzusondern, die uns altern lässt. Wenn man diese Zellen aus dem Weg räumen würde, verschwänden dann auch die Alterungserscheinungen? Zumindest bei den untersuchten Mäusen war das überwiegend der Fall. 120 Millionen Dollar bekam Unity Biotechnology für diese Idee - unter anderem aus der privaten Schatulle von Amazon-Gründer Jeff Bezos.

Länger gesund oder unsterblich?

Die an Longevity arbeitenden Experten lassen sich grundsätzlich in zwei Lager aufteilen: Auf der einen Seite stehen die sogenannten Healthspanners wie Unity Biotechnology, die nicht direkt das Leben verlängern möchten, sondern die Zeit, in der wir im vollen Besitz unserer körperlichen und geistigen Kräfte sind.

Auf der anderen Seite stehen die Immortalists, die Unsterblichkeits-Visionäre: Sie sind überzeugt, dass der menschlichen Lebensspanne kein definitives Ende gesetzt ist. Die Immortalists sehen den Körper eher als Maschine, die es zu reparieren gilt. So wie Antibiotika und moderne Chirurgie die durchschnittliche Lebensspanne erheblich verlängerten, würden künftig etwa mit Genmanipulationen weitere Jahrzehnte hinzuaddiert.

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Zunehmend werden nun auch alte Idee wieder hervorgeholt, um sie mit neuen digitalen Werkzeugen zu erproben. Der Traum vom Jungbrunnen reicht weit zurück in der Menschheitsgeschichte, bis in die Antike. Wenige Ideen aber kehren in so vielen Abwandlungen wieder wie diese: dass junges Blut verjüngend wirke auf alternde Körper.

Der Legende nach lockte zum Beispiel Anfang des 17. Jahrhunderts die ungarische Gräfin Elisabeth Báthory junge Frauen auf ihr Schloss, um in ihrem Blut zu baden und dadurch jünger zu werden. Auch Vampir-Mythen und die einst in Deutschland trotz heftiger Nebenwirkungen und nicht nachweisbaren Nutzens sehr beliebte Frischzellentherapie zehren von dieser Idee der verjüngenden Essenzen im Blut - alles Märchen.

Alt + jung = jung + jung?

Doch 2014 nähte der Stanford-Neurologe Tony Wyss-Coray eine alte und eine junge Maus so zusammen, dass sie sich einen Blutkreislauf teilten. Parabiose nennt sich diese umstrittene Methode, bei der zwei Organismen miteinander verschmolzen werden. Das Ergebnis: Die kognitiven Funktionen der alten Maus verbesserten sich deutlich .

In Harvard zeigte die Stammzellenforscherin Amy Wagers zur gleichen Zeit, dass sich Leber und Muskeln von alten Mäusen nach dem Blutaustausch mit jungen Mäusen verbesserten . Inzwischen suchen reihenweise Forscher nach den Mechanismen, die den Verjüngungseffekt verursachen könnten.

So bizarr manches Forschungsprojekt zunächst erscheinen mag, die Vision vom längerem Leben ist keinesfalls bloße Phantasie. Noch Ende des 19. Jahrhunderts lag die durchschnittliche Lebenserwartung in westlichen Ländern bei rund 40 Jahren. Heute ist sie etwa doppelt so hoch. Vor allem dank medizinischem Fortschritt, durch Impfstoffe, Antibiotika, Hygiene.

Dieser Trend werde sich fortsetzen, glaubt Laura Carstensen, Professorin und Gründungsdirektorin des Instituts "Center on Longevity" der Stanford University. "Wir leben in einer Ära, in der die Menschen länger leben, als ihre Großeltern sich es jemals erträumt hätten", sagt Carstenden, an deren Institut Wissenschaftler aus verschiedensten Bereichen am Altern forschen. Menschen, die heute im mittleren Alter sind, würden es bereits durchschnittlich "bis ins sehr fortgeschrittene Alter schaffen", mindestens bis 90, "viele aber auch bis 100 Jahre". Die heute geborene Generation habe eindeutig die Chance auf weitere zusätzliche Jahrzehnte.

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