Städte im Gesundheitscheck Kölner leben länger

Es ist das bisher größte Projekt dieser Art in Europa: Wissenschaftler haben die Gesundheit der Bewohner von 26 Städten verglichen, darunter Köln und Oberhausen. Vor allem die Domstadt bekommt ein gutes Zeugnis. Hier die Ergebnisse in der Übersicht.

dapd

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Oberhausen mag nicht die Perle Deutschlands sein. Mit seinen 219.000 Einwohnern liegt es am Rande des Ruhrgebiets, eingezwängt zwischen Bottrop, Essen, Mülheim und Duisburg. Nur im Norden bleibt der Stadt ein bisschen Raum zum Atmen.

Die Arbeitslosenquote ist hoch und nicht einmal im Fußball, der sonst an vielen Orten im Ruhrpott Teil der Kultur und Trostspender ist, will es richtig rund laufen. Unterkriegen lassen sich die Oberhausener dennoch nicht. Das zumindest hat eine aktuelle Studie zum Gesundheitszustand der Einwohner ergeben.

Demnach trinken die Oberhausener seltener als andere, die Suizidrate ist im Vergleich etwas geringer, mit ihren Naherholungsmöglichkeiten im Grünen sind sie sehr zufrieden. Sie lassen sich impfen, Infektionen mit HIV und Tuberkulose gibt es kaum. Depressionen und Angststörungen in der Stadt sind ähnlich weit verbreitet wie in anderen europäischen Städten. Nur ein Laster gönnen sich die Bewohner: Relativ viele von ihnen rauchen.

Die Oberhausener Ergebnisse sind nur ein kleines Puzzlestück eines großen europäischen Projekts, des European Urban Health Indicator System Part 2 (Euro-Urhis 2), das ein ambitioniertes Ziel verfolgt: Es will die Gesundheitsprobleme europäischer Städte auf lokaler Ebene aufdecken, sie mit denen anderer Städte vergleichen, aus ihnen lernen und Politikern Möglichkeiten an die Hand geben, sie zu bekämpfen.

Bisher größtes Projekt dieser Art in Europa

Das Projekt ist das bisher größte seiner Art in Europa. In einem ersten Schritt arbeiteten die Forscher mehr als hundert Indizien heraus, die Aufschluss über die Gesundheit von Stadtbewohnern geben. Außerdem nahmen sie 44 europäische Städte unter die Lupe, werteten Register aus und befragten knapp 50.000 Menschen zu ihrer Gesundheit.

Die Ergebnisse der ersten 26 Städte (der Euro-26) präsentierten die Forscher rund um die Projektkoordinatorin Arpana Verma von der University of Manchester auf der European Urban Health Conference in Amsterdam. Neben Oberhausen wurde in Deutschland auch Köln analysiert. Hinzu kamen Städte in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Slowenien, zur Slowakei, Litauen, Lettland und Rumänien. Relativ viele der jetzt veröffentlichten Daten stammen aus dem Osten Europas, der Süden - Portugal, Spanien, Italien - wurde bisher nicht mit einbezogen.

Dennoch lassen sich aus diesen ersten Daten bereits interessante Fakten ablesen, ein paar Beispiele im Überblick:

  • Die Kölner können sich laut der Studie einer guten Gesundheit erfreuen. Zwar liegt die Lebenserwartung mit 82 Jahren bei den Frauen und 77 Jahren bei den Männern minimal unter dem deutschen Durchschnitt (82,7 beziehungsweise 77,6 Jahre), unter den untersuchten Städten waren sie jedoch die langlebigsten und übertrumpften auch Städte wie Amsterdam und Oslo. Eher bitter sieht es laut der Untersuchung für die Bewohner im rumänischen Bistrita aus: Hier erreichen die Männer im Durchschnitt ein Alter von nur 69 Jahren. Die Frauen haben etwas mehr Glück, ihre Lebenserwartung liegt mit 76,2 Jahren allerdings auch noch unter dem Durchschnitt der Euro-26.
  • In beiden britischen Städten, in denen das Alter der Mütter in Verbindung mit ihrer Schwangerschaft untersucht wurde, waren Teenagerschwangerschaften relativ üblich: In Greater Manchester bekamen von 1000 15- bis 19-Jährigen 33 ein Kind, in Merseyside (um Liverpool) waren es 27 - die beiden höchsten Werte bei allen untersuchten Euro-26-Ländern. Zum Vergleich: In Amsterdam bekommen im Schnitt 9 von 1000 Teenagern ein Kind, in Bordeaux sind es 7, in Bratislava 6.
  • Die Norweger sind in vielen Dingen Vorbild, so auch bei den Bemühungen um ihre Gesundheit. Zumindest den Bewohnern der Hauptstadt Oslo konnten die Forscher ein gutes Gesundheitszeugnis ausstellen: Sie rauchen seltener als der Durchschnitt, die Jugend betrinkt sich weniger und sie haben seltener Gewichtsprobleme. Nur 43 Prozent der Erwachsenen sind übergewichtig. Was nach viel klingt, ist unterdurchschnittlich. Der Mittelwert der Euro-26 liegt bei 50 Prozent, in Oberhausen tragen 53 Prozent der Bevölkerung zu viele Pfunde mit sich herum. Ein Laster haben die Osloer allerdings auch: Im Gegensatz zur Jugend blicken die Erwachsenen gerne mal zu tief ins Glas.
  • Die deutschen Städte in der Analyse bestätigen einen Trend, über den die Politik hierzulande viel diskutiert: Die Bevölkerung wird immer älter. Jeder fünfte Bewohner Oberhausens hat mindestens seinen 65. Geburtstag gefeiert, in Köln sind es 18 Prozent. Der Durchschnitt der Euro-26 liegt sonst bei 14 Prozent.
  • Viele Frauen in den westlichen EU-Städten bekommen nach einem Alter von 35 Jahren noch Kinder: Bei den untersuchten Städten führen Oslo, Amsterdam und Utrecht die Liste der späten Schwangerschaften an. Ungewöhnlich sind späte Schwangerschaften hingegen unter anderem im rumänischen Bistrita. In Köln und Oberhausen wurden die Daten nicht erfasst.

Jeder zweite EU-Bewohner stirbt an Krebs oder einer chronischen Krankheit

In einer weiteren aktuellen Studie fanden Forscher heraus, dass jeder zweite Todesfall in der EU auf Krebs oder eine chronische Krankheit zurückzuführen ist. In den 27 Mitgliedstaaten sterben jährlich mehr als zwei Millionen Menschen an diesen Erkrankungen, schreiben die Forscher im Fachmagazin "BMJ Supportive and Palliative Care". Die Wissenschaftler um Jeroen Hasselaar vom Radboud University Medical Center in Nijmegen hatten die Totenscheine von 4,08 Millionen Menschen ausgewertet, die im Jahr 2007 in der EU gestorben waren.

Deutliche Unterschiede stellte die Studie zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten fest - ein Ergebnis, dass sich mit dem der Städtestudie deckt. In der Liste der Todesfälle aufgrund von Krebs und chronischen Erkrankungen tauchten viele wohlhabende Länder weit oben auf. Die Forscher führen dies darauf zurück, dass in solchen Ländern die Menschen im Durchschnitt relativ alt werden und dadurch ihre Wahrscheinlichkeit zunimmt, an einem solchen Leiden zu erkranken.

mit Material von dapd

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restauradores 20.09.2012
1. Ich lebe in Köln und
Zitat von sysopdapdEs ist das bisher größte Projekt dieser Art in Europa: Wissenschaftler haben die Gesundheit der Bewohner von 26 Städten verglichen, darunter Köln und Oberhausen. Vor allem die Domstadt bekommt ein gutes Zeugnis. Hier die Ergebnisse in der Übersicht. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,856237,00.html
glaube das liegt am Kölsch und an der Feierlaune ;-) und an der rheinischen Art, speziell Kölner Art. Ein paar Beispiele: Wenn et klapp, dann klapp et. (Übers.: Wenn es klappt, dann klappt es.) Auch bei der Verrichtung von Arbeiten ist der Kölner sehr leger. Wat kütt, dat kütt. – Et kütt wie et kütt. (Übers.: Was kommt, das kommt. – Es kommt wie es kommt.) Die sympathische Art des Kölner, sich mit den Gegebenheiten zufrieden zu geben. Wat nit es, dat kann noch wäde. (Übers.: Was nicht ist, kann noch werden.) Nie die Hoffnung aufgeben. Mer muss et nemme wie et kütt. (Übers. : Man muss es nehmen wie es kommt.) Siehe "Et kütt wie et kütt." Et hätt noch immer jot jejange. (Übers.: Es ist noch immer gut gegangen.) Es gibt eine Vorsehung und gegen die kann man eh nichts machen. Also immer mit der Ruhe. Kütt mer üvver d'r Hungk, kütt mer üvver d'r Stätz. (Übers.: Wer über den Hund kommt, kommt auch über den Schwanz.) Wozu sich unnötig anstrengen. Es läuft eh alles, wie es soll. Un wenn de Düvvel op Stelze kütt. (Übers.: Selbst wenn der Teufel auf Stelzen einmarschiert.) Was sich der Kölner in den Kopf setzt, will er erreichen, koste es, was es wolle. Loss mer eine nünne, solang mer dat noch künne. (Übers.: Lass uns einen heben, solange wir noch leben.) Dieser Spruch legitimiert das Trinken nicht nur, sondern macht es sogar zum guten Vorsatz. Bis dohin läuf noch vill Wasser de Rhing eraf. (Übers.: Bis dahin läuft noch viel Wasser den Rhein herunter.) Man muß das mit der Zeitplanung nicht ganz so eng sehen, denn bis zum nächsten Termin ist noch viel Wasser den Rhein heruntergeflossen. Besser en Luus em Döppe wie jar kein Fleisch. (Übers.: Besser eine Laus im Topf, als gar kein Fleisch.) Man kann sich auch mit wenigem zufrieden geben. Wer lang schläf, dä schläf sich wärm, wer fröh opsteit, dä friss sich ärm. (Übers.: Wer lange schläft, schläft sich warm, wer früh aufsteht, der frisst sich arm.) Also immer mit der Ruhe und keine Hetze!
unangepasst 20.09.2012
2. Auch wenn Köln wahrhaftig nicht schön ist, aber....
Köln ist ein Gefühl! Vor allem für Kölner wo nicht nur *K* drauf steht sondern auch Köln drin ist! Und gute Gefühle sind nun mal sehr gesund!!!
Buureremmel 20.09.2012
3. Höchststrafe für die armen Kölschen!
Erst letzte Woche war überall zu lesen, dass die Kölner die nach Essen zweitunglücklichsten Großstädter der Republik sind. Und nun erfahren wir, dass sie ihre Malaise auch noch länger ertragen müssen als andernorts die Wonnen genossen werden können. Das Leben ist halt oft ungerecht. ungerecht.
spon-facebook-10000009156 20.09.2012
4. Der Jeck
Zitat von sysopdapdEs ist das bisher größte Projekt dieser Art in Europa: Wissenschaftler haben die Gesundheit der Bewohner von 26 Städten verglichen, darunter Köln und Oberhausen. Vor allem die Domstadt bekommt ein gutes Zeugnis. Hier die Ergebnisse in der Übersicht. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,856237,00.html
Warum der Kölner älter wird hat mit seinem Jeck sein zu tun, seinem rheinischen Humor. Der rheinische Jeck. Unterschieden wird zwischen dem Karnevalsjeck, der nur zur fünften Jahreszeit sein Jecksein auslebt, und dem Menschen, bei dem das Jecksein zur grundsätzlichen Lebenseinstellung gehört und ein Kennzeichen für den lokaltypischen Humor ist. Der Jeck an sich nimmt nämlich weder sich selbst noch die Welt um ihn herum besonders ernst und ist immer bereit, die Umstände auf den Kopf zu stellen. Diese Eigenschaft macht den Jeck durchaus liebenswert und insofern ist die Bezeichnung auch als Kompliment zu verstehen.
trouz bras 20.09.2012
5. Savoir vivre
Am gesündesten lebt es sich offenkundig in den beiden französischen Städten. Inwieweit die Ergebnisse allerdings insbesondere für große Flächenstaaten generalisierbar sind, bleibt offen. Vermutlich sehen die Ergebnisse in Marseille und Lille, in München und Franfurt an der Oder, in Exeter und in Canterbury anders aus.
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