Saures Aufstoßen Häufiges Sodbrennen sollte behandelt werden

Sodbrennen beginnt harmlos, kann aber zu ernsthaften Krankheiten führen. Mit der richtigen Behandlung lässt sich Schlimmeres vermeiden.

Nächtliches Erwachen: Sodbrennen kann den Schlaf stören
Corbis

Nächtliches Erwachen: Sodbrennen kann den Schlaf stören


Kaum verschwindet das letzte Kartoffelstück im Mund, kaum ist der Rest Soße vom Teller gekratzt, beendet das saure Aufstoßen den Genuss. Auch nachts kann der Mageninhalt über die Speiseröhre bis in die Halsgrube hinaufsteigen und den Schlaf stören. Etwa jeder Dritte leidet mindestens ab und zu unter Sodbrennen; schätzungsweise 25 Prozent der Betroffenen trifft es einmal die Woche oder öfter. Ab zweimaligem Sodbrennen pro Woche sprechen Mediziner von einer Refluxkrankheit.

"Ein Reflux wird durch das Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren verursacht", sagt der Gastroenterologe Peter Malfertheiner, Direktor der Universitätsklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie. Zu den möglichen Gründen gehört laut dem Experten eine Lücke des Zwerchfells; es kann aber auch sein, dass zu viel Magensäure zu lange am falschen Platz bleibt oder die Spannung des Muskels, der die Speiseröhre zum Magen hin verschließt, vermindert ist.

Malfertheiner warnt besonders vor den Folgen von Rauchen, Alkohol, zu heißem Essen, übermäßigem Essen und Übergewicht. Doch nicht immer lassen sich die Ursachen bestimmen und mit Medikamenten behandeln. "Es gibt auch ein funktionelles Sodbrennen, bei dem Säurehemmer nicht helfen. Die Beschwerden sind da, aber wir sehen endoskopisch keinerlei Veränderungen, die sie erklären würden", berichtet der Magdeburger Mediziner. "Vermutlich spielt zum Beispiel Stress eine Rolle. In diesem Fall behandeln wir mit Antidepressiva, um die Schwelle der Empfindsamkeit zu senken."

Speiseröhre kann sich entzünden

Gelegentliches Sodbrennen, das ein- bis zweimal im Monat auftritt, ist kein Grund zur Besorgnis. Wer aber mehr als zweimal monatlich oder gar wöchentlich Beschwerden hat, sollte zum Arzt gehen. Bei etwa jedem dritten Refluxpatienten entzündet sich die Speiseröhrenschleimhaut, Mediziner sprechen von einer Refluxösophagitis. "Deshalb sollte man bei allen Betroffenen, die zweimal die Woche oder häufiger Beschwerden haben, mittels einer Magenspiegelung abklären, ob der Reflux die Speiseröhrenschleimhaut schädigt", so Malfertheiner.

Auf jeden Fall den Magen spiegeln lassen, sollten sich männliche Betroffene ab einem Alter von 50 Jahren - auf sie entfallen rund 80 Prozent der Erkrankungen an Speiseröhrenkrebs. "Eine Magenspiegelung ist auch nötig, wenn Alarmsymptome wie Bluterbrechen, Schluckbeschwerden, Gewichtsverlust oder Blutarmut auftreten, denn dann gilt es, einen Speiseröhrenkrebs auszuschließen", so Malfertheiner.

Sind keine Schleimhautschäden vorhanden, reicht es laut dem Experten, den Reflux mit Säurehemmern zu behandeln. Wer Schmerzen in der Brust hat - wie bei einem Herzinfarkt - sollte allerdings zunächst keine Säureblocker einnehmen, sondern erst einmal einen Herzspezialisten aufsuchen. Treten Schleimhautschäden auf, hängt von ihrer Schwere ab, wie die Ärzte und Patienten am besten vorgehen.

Mit der Dauer steigt das Krebsrisiko

Etwa jede zehnte chronisch entzündete Speiseröhrenschleimhaut verändert sich langfristig: Die normale Plattenzellschicht wandelt sich als Schutz gegen die Säure in ein widerstandsfähigeres Deckgewebe um, zumeist im unteren Drittel der Speiseröhre. Dieses kann entarten, es kommt zu einem sogenannten Barrett-Ösophagus, der das Risiko einer Speiseröhrenkrebserkrankung wesentlich erhöhen kann.

"Man muss aber klar sagen, dass weit mehr als die Hälfte der Speiseröhrenkrebspatienten zuvor kein Sodbrennen hatten", so Malfertheiner. Wenn bei einer Barrett-Schleimhaut noch keine entarteten Zellen vorliegen, ist das Krebsrisiko klein. "Eine Magenspiegelung alle drei bis vier Jahre reicht", so Malfertheiner.

Liegen dagegen bereits entartete Zellen vor, steigt das Krebsrisiko deutlich an: Bei leichter (geringgradiger) Entartung auf 0,1 bis 2 Prozent pro Jahr. Dann reicht eine Kontrolle alle sechs Monate noch aus. Bei einer starken (hochgradigen) Entartung hingegen liegt das Krebsrisiko zehnmal so hoch wie bei einer geringgradigen Entartung. Dann muss behandelt werden: "Die veränderte Schleimhaut lässt sich entfernen, gesunde Schleimhaut wächst nach", sagt der Magdeburger Gastroenterologe.

Besser ist, man behandelt seine Beschwerden frühzeitig und konsequent. Dazu eignen sich schnell wirksame säurebindende und rezeptfreie Präparate aus der Apotheke. Sogenannte Alginate aus Algen können sich auf den Magensäurefilm am Mageneingang legen. "Bei häufigem Sodbrennen oder bei bereits entzündeter Speiseröhrenschleimhaut sollte gleich und vielfach auch langfristig mit sehr wirksamen und gut verträglichen Säureblockern, den Protonenpumpeninhibitoren, behandelt werden", rät Malfertheiner.

Sodbrennen - Alles was Sie wissen sollten

insgesamt 30 Beiträge
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hesekiel2517 19.06.2014
1. Keine..
..Süssigkeiten(auch versteckte Zucker),Alkohol und Zigaretten mehr und seit dem bin ich Beschwerde frei!
Sterbenswörtchen 19.06.2014
2. Zucker!
Ein Espresso mit etwas Zucker nachmittags oder ein Schokoriegel und schon geht's los. Zucker weglassen, alles gut!
istnurmeinemeinung 19.06.2014
3. optional
Hiatushernie mit deformiertem Pförtner. Ob ich auf Zucker verzichte oder nicht, völlig egal. Entweder OP oder Protonenpumpenhemmer sind meine Optionen, und ehe sich nicht noch ein paar Verbesserungen im Bereich der Operationen ergeben, bleib ich bei den Pillen.
handyman287 19.06.2014
4. Meine Empfehlung..
zuckerhaltiges (vor allem Schokolade) und Kaffee (auch aus der 1500 Euro Jura-Maschine) weglassen. Hatte jahrlang Beschwerden und jetzt nichts mehr. Habe auch aufgehört , am späten Abend zu Essen, treibe regelmässig Sport und ...jetzt kommt der wichtigste Punkt: Ich höre zu Essen auf, wenn mir mein Körper das Signal "satt" gibt, und nicht dann, wenn der Teller leer ist!
dome_berlin 19.06.2014
5. Alzheimer
Immer schön rein mit den aluminiumhaltigen Sodbrennpräparaten und später deswegen Alzheimer, Parkinson oder Krebs bekommen. Toll, dass der Beitrag der Arzneimittellobby auf dieses Problem nicht eingeht.
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