Arbeitsrecht Kein Hitzefrei für Büro- und Bauarbeiter

Bei mehr als 30 Grad schwindet die Konzentration. Ein Grund für Hitzefrei ist das allerdings nicht - das Arbeitsrecht kennt nicht einmal das Wort. Deshalb gilt: trinken, Pausen einlegen und nach Möglichkeit körperliche Anstrengungen vermeiden.
Bauarbeiter in Frankfurt: Kostenloses Wasser und Sonnensegel als Schutz

Bauarbeiter in Frankfurt: Kostenloses Wasser und Sonnensegel als Schutz

Foto: Frank_May/ DPA

Hamburg - Hitzefrei! Bei zu hohen Temperaturen können Schüler jubeln, davon profitieren auch die Lehrer - sie haben damit eine Ausnahmestellung unter Deutschlands Angestellten. Denn für Arbeitnehmer gibt es kein Recht auf Freizeit, wenn das Thermometer steigt und die Arbeit zur Qual wird. Allerdings müssen Arbeitgeber darauf achten, dass die Beschäftigten der Hitze nicht schutzlos ausgesetzt sind.

Welche Vorschriften gibt es für Temperaturen am Arbeitsplatz?

Nach der Arbeitsstättenregelung soll die Temperatur in Arbeitsräumen grundsätzlich nicht über 26 Grad Celsius liegen. In besonderen Fällen, zu denen auch Sommertage zählen, müssen Beschäftigte aber auch bei Temperaturen von bis zu 35 Grad und mehr arbeiten. Der Arbeitgeber muss dann allerdings Schutzmaßnahmen ergreifen.

Wie müssen Beschäftigte geschützt werden?

Die Arbeitsstättenrichtlinie schreibt vor, dass die Firmen an Fenstern, Oberlichtern oder Glaswänden einen Schutz vor der direkten Sonneneinstrahlung anbringen müssen. Dies können etwa Jalousien sein. Falls es trotzdem unerträglich heiß bleibt, sollten Beschäftigte ihren Chef darauf hinweisen oder den Betriebsrat einschalten.

Körpertemperatur

Was können Schwangere tun?

Schwangere, stillende Mütter oder Mitarbeiter, die mit einem Attest gesundheitliche Probleme belegen können, können vom Arbeitgeber die Einhaltung bestimmter Raumtemperaturen verlangen. Falls der Arbeitgeber nicht für Kühlung sorgen kann, haben sie ein Recht auf Freistellung an den extrem heißen Tagen.

Wie schützen sich Menschen, die im Freien arbeiten?

Draußen arbeitende Menschen müssen vor direkter Sonne geschützt werden. Dazu können Arbeitgeber etwa Sonnensegel spannen oder Schutzkleidung wie Mützen bereitstellen. Auch eine Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor oder kostenloses Wasser sollten gestellt werden. Um die Augen zu schützen, sollten die Beschäftigten Sonnenbrillen tragen - langfristig droht sonst die Augenkrankheit grauer Star, die sogenannte Katarakt.

Was ist bei zu hoher Ozonbelastung?

Falls die Ozonwerte überschritten oder Sommersmog gemeldet wird, müssen Firmen den Empfehlungen der Behörden folgen. Insbesondere müssen schwere Arbeiten dann begrenzt werden. Das Umweltbundesamt liefert Messdaten und Verhaltenshinweise.

Können Arbeitszeiten angepasst werden?

Falls es vom Betrieb her möglich ist, empfiehlt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin eine Anpassung der Arbeits- und Pausenzeit an die Hitze. So können Arbeiten in den kühleren frühen Morgen oder späten Abend verlegt werden - dies kann auch im Büro sinnvoll sein. Außerdem sollte es mehrere zusätzliche kurze Pausen geben, die in kühleren Bereichen verbracht werden.

Was kann man vorbeugend tun?

Die Hitze lässt sich nicht vermeiden - wohl aber ein zu sorgloser Umgang damit. Firmen sollten ihre Mitarbeiter schulen. Darin sollte es nicht nur um das richtige Verhalten bei Hitze gehen, sondern auch um Erste Hilfe im Fall von Hitzeerkrankungen wie einem Sonnenstich.

Hilft ein Ventilator gegen die Hitze im Büro?

Bei Temperaturen deutlich jenseits der 30-Grad-Grenze hilft häufig nur noch ein Ventilator. Allerdings warnten Forscher im vergangenen Jahr, dass die Ventilatoren bei über 35 Grad Celsius sogar dazu führen könnten, weiter zu überhitzen. Bei gesunden Menschen scheint nichts gegen einen Ventilator zu sprechen.

dba/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.