Stiftung Warentest Manche Tattoo-Farben enthalten krebserregende Stoffe

In zwei von zehn Tätowierfarben hat die Stiftung Warentest krebserregende Substanzen gefunden. Sechs weitere Farben enthielten Stoffe, die Allergien auslösen können. Die Tester rügten auch fehlende Hinweise auf den Packungen.
Regal mit Tattoo-Farben auf der London Tattoo Convention (2013): Schön bunt, aber mitunter potenziell krebserregend

Regal mit Tattoo-Farben auf der London Tattoo Convention (2013): Schön bunt, aber mitunter potenziell krebserregend

Foto: Oli Scarff/ Getty Images

Einst war es das Arschgeweih, jetzt sind es häufig Sterne, Blüten oder andere bunte Ornamente. Die Fantasie der Träger von Tattoos sowie der Tätowierer kennt kaum Grenzen. Doch sind die Farben auch gesundheitlich unbedenklich? Das wollte die Stiftung Warentest wissen und schickte für eine stichprobenartigen Kontrolle zehn Tätowierfarben ins Labor.

Das Ergebnis: In allen Fällen hatten die Prüfer der Stiftung Warentest an den Tattoo-Farben etwas zu mäkeln. In zwei Fällen wiesen die Tester sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) nach. Einige Substanzen dieser Stoffgruppe gelten als krebserregend. In sechs Farben wurden bei der Laboruntersuchung Substanzen nachgewiesen, die entweder für Allergiker gefährlich werden oder gar krank machen könnten (hier finden Sie die Details zum Tätowierfarben-Test der Stiftung ).

Alle zehn Farben hatten die Tester im Internet von deutschsprachigen Anbietern gekauft. Der Stiftung Warentest zufolge sind es Tattoo-Farben, die auch in professionellen Tätowierstudios verwendet werden. Zwar sind die gefundenen Substanzen demnach nicht verboten. "In keiner der Farben wiesen wir einen verbotenen Inhaltsstoff aus den Negativlisten der Tätowiermittelverordnung  nach. Einwandfrei sind sie dennoch nicht", schreibt die Stiftung Warentest.

Allergien etwa könnten hervorgerufen werden, weil die Farben Nickelspuren enthalten, die bei der Produktion unbemerkt hineingeraten sind. Ebenso fanden die Prüfer die Konservierungsstoffe Benzylisothiazolinon oder Methylisothiazolinon - Stoffe, die ebenfalls Allergien auslösen können und zum Teil nicht auf der Verpackung angegeben waren.

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge sind etwa neun Prozent der Deutschen tätowiert, bei den 16- bis 29-Jährigen ist es fast jeder Vierte. Im Juni 2013 organisierte das Institut erstmals eine internationale Konferenz zum Thema Tattoo-Sicherheit. Dort warnten Forscher davor, dass Allergien ein häufiges Problem bei Tattoos seien. Meistens seien die Allergien schwer zu behandeln, weil so viel Farbe im Körper sei.

Auch die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass Menschen mit Kreislauferkrankungen, Neurodermitis oder einer Immun- oder Abwehrschwäche sich besser nicht tätowieren lassen sollten. Auch für Bluter, Schwangere oder stillende Frauen sei das Stechen eines Tattoos nichts.

Zudem kritisierten die Prüfer der Stiftung Warentest, dass auf fast allen Packungen die Anwendungs- und Sicherheitshinweise entweder unvollständig oder nicht in deutscher Sprache aufgedruckt seien. In einem Produkt fehlten sie demnach vollständig.

Experten fordern seit einiger Zeit eine Verschärfung der Gesetzgebung, vor allem in Bezug auf die Qualität der Tätowierfarben. Bereits zuvor hatte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) Tattoo-Farben untersucht und wegen untolerierbar hoher Konzentrationen krebserregender Inhaltsstoffe beanstandet. Meistens stammten die Farben dabei aber aus China, Japan, Frankreich und den USA.

TIPPS FÜR SICHERES TÄTOWIEREN
Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

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cib/dpa