Stiftung Warentest Zu Risiken und Nebenwirkungen schweigt mancher Apotheker

Apotheker müssen umfassend beraten: Sie sollen auf drohende Wechselwirkungen von Medikamenten hinweisen und im Zweifel Rücksprache mit dem Arzt halten. Eine verdeckte Prüfung durch die Stiftung Warentest offenbart deutliche Mängel.
Apotheke: Vor der Abgabe des Medikaments sollte die Beratung kommen

Apotheke: Vor der Abgabe des Medikaments sollte die Beratung kommen

Foto: Caroline Seidel/ dpa

Die Frau ist unsicher: Sieben Medikamente schluckt ihr Mann, drohen da möglicherweise Wechselwirkungen? Sie fragt in der Apotheke nach, die Arzneien hat sie aufgelistet. Sie bietet zudem an, später wiederzukommen, falls die Zeit gerade zu knapp ist.

Das ist eines von sieben Szenarien, mit denen die Stiftung Warentest 21 Vor-Ort-Apotheken im Raum Dresden, Frankfurt am Main sowie Hannover und 15 Versandapotheken auf die Probe gestellt hat. Geschulte Tester haben die Vor-Ort-Apotheken dafür aufgesucht und die vermeintlichen Probleme vorgetragen. Die Versandapotheken wurden per Telefon oder E-Mail kontaktiert.

Wechselwirkungen nicht angesprochen

Die Beratungsqualität ließ oft zu wünschen übrig. Insgesamt schnitten im Test nur vier Vor-Ort- und vier Versandapotheken "gut" ab. Je fünf Apotheken wurden als "ausreichend" eingestuft, eine Versandapotheke ("Zur Rose") sogar als mangelhaft. Der Rest erhielt ein "befriedigend". Die fachliche Qualität war das Hauptkriterium des Tests.

Beim eben beschriebenen Szenario sah es so aus: Lediglich vier Vor-Ort- und fünf Versandapotheken wiesen auf alle drei Wechselwirkungen hin. Auf das Angebot der Testerin, sie könne später wiederkommen, ging niemand ein. "Die Mitarbeiter vor Ort wirkten verunsichert und hektisch. Sie tippten im Computer herum, murmelten oft vor sich hin und informierten mich recht knapp", zitiert das Magazin "test"  die Frau.

Wäre der Fall real, hätte der Ehemann ernsthafte Probleme bekommen können, da die Wirkung seines Blutverdünners von zwei Mitteln beeinflusst worden wäre - und er zusätzlich das blutverdünnende Schmerzmittel ASS eingenommen hätte.

Viel zu hohe Dosis fürs Kleinkind

Ebenso bedenklich mutet das Ergebnis eines weiteren Testszenarios an: Auch die Wechselwirkungen von zwei Medikamenten, die auf demselben Rezept verordnet wurden, erwähnten die meisten Apotheken nicht. Nur zwei Vor-Ort- und sieben Online-Apotheken wiesen die ehemalige Krebspatientin darauf hin, dass das verordnete Antidepressivum die Wirkung eines Mittels mindert, das einen Neuausbruch des Tumors verhindern soll.

Auch bei nicht rezeptpflichtigen Medikamenten sollten Pharmazeuten umfassend beraten, doch das war nicht immer der Fall. Für ein Kleinkind, das Zäpfchen gegen Brechdurchfall bekommen sollte, empfahlen beispielsweise vier örtliche Apotheken das Mittel in einer fünffach zu hohen Dosis.

Auch dass ein Privatrezept für eine Wundbehandlungslösung, die in der Apotheke hergestellt wird, eine viel zu hohe Konzentration enthielt, bemerkten nur einige der Getesteten. Andere stellten einfach die Lösung mit der ganz offensichtlich falschen Konzentration her und verkauften diese.

Über Mängel bei der Beratung in Apotheken hat die Stiftung Warentest schon häufiger berichtet, zuletzt prüfte die Organisation im Jahr 2010 insgesamt 50 Apotheken. Damals schnitten sieben mit "gut" ab.

wbr