Mangelnde Beratung Stiftung Warentest gibt Versandapotheken schlechte Noten

Medikamente - egal ob rezeptpflichtig oder frei - lassen sich heute online bestellen. Das kann zwar Geld sparen, aber an der Beratung hapert es, moniert die Stiftung Warentest.

Medikamentenkauf übers Internet
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Medikamentenkauf übers Internet


Bei Versandapotheken mangelt es laut einem Bericht der Stiftung Warentest an fachlicher Beratung. 7 von 18 geprüften Versandapotheken fielen als "mangelhaft" durch, berichtet die Stiftung in ihrer Zeitschrift "test". Zwei waren nur ausreichend. Selbst die besten Arzneiversender waren nur befriedigend.

Viele Versender wiesen nicht ausreichend auf mögliche Wechselwirkungen bei den bestellten Medikamenten hin, kritisierten die Tester. Zudem werde zu wenig hinterfragt, ob gewünschte rezeptfreie Mittel für Patienten geeignet sind. Das ist nach Angaben der Verbraucherschützer aber notwendig, um Arzneimittelrisiken zu vermeiden und auch für Versandapotheken Pflicht.

Die Apothekenbetriebsordnung verlangt von Vor-Ort- wie von Versandapotheken bei der Abgabe von Medikamenten ausdrücklich "Information und Beratung" - auch zu Neben- und Wechselwirkungen. Bei rezeptfreien Medikamenten sollen Apotheker klären, welches individuell infrage kommt.

Wird auf gefährliche Wechselwirkungen hingewiesen?

Um ihr fachliches Können zu prüfen, stellten die Tester den Versendern verdeckt sieben Aufgaben. Beispielsweise sollten die Versender eine doppelte Verordnung ähnlich wirkender Medikamente erkennen, da sonst Überdosierungen drohen. Oder sie sollten auf die Wechselwirkung zweier bestellter Wirkstoffe hinweisen.

Einige der Fragen wurden den telefonischen Beratungshotlines gestellt, insgesamt drei betrafen rezeptpflichtige Medikamente. Das Ergebnis war demnach "ernüchternd". Keine Versandapotheke schnitt fachlich gut ab, zum Teil wurde nicht einmal auf bedrohliche Wechselwirkungen hingewiesen.

Vor-Ort-Apotheken waren in der aktuellen Prüfung nicht vertreten. Beim letzten vergleichenden Test der Stiftung Warentest im Jahr 2014 boten sie allerdings bei der Beratung ein ähnliches Bild wie die Versandapotheken.

Beim Bestellen rezeptfreier Medikamente haben Kunden von Versandapotheken dennoch einen Vorteil: Sie erhalten die Mittel bis zu 70 Prozent günstiger.

Grundsätzlich sollten Verbraucher Medikamente nur bei in Deutschland zugelassenen Apotheken bestellen, rät das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). Das EU-Sicherheitslogo - ein weißes Kreuz vor grün gestreiftem Hintergrund - kennzeichnet die Seiten seriöser Anbieter. Klicken Nutzer das Logo an, gelangen sie auf den Registriereintrag des Händlers auf der DIMDI-Webseite.

wbr/AFP/dpa



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
hwdtrier 24.10.2017
1. Ich bekomm von der
EuropaApotheek bei jeder Bestellung ein Schreiben welche Gefahren bei Einnahme mit meinen übrigen Mitteln entstehen. Bei größeren Gefahren sogar einen Anruf.
sotraluz 24.10.2017
2. interessegesteuerter Unsinn
Akuten Bedarf besorge ich mir in der Apotheke, nach ärtztlicher Beratung und Verschreibung. Im Versand bestelle ich nur Medikamente, die ich schon lange nehme, meist preisgünstige Generika, die Apotheken vor Ort meist gar nicht führen. Und genau das ist das Problem, nicht die Beratung.
fischersfritzchen 24.10.2017
3. Heißt also, alle Apotheken beraten gleich schlecht...
... nur die Versandapotheken sind günstiger. Ich mache beides, im Versand kaufe ich die Medikamente, die ich laufend brauche - der Preis ist aber überall gleich, abgesehen von 2,- € Rabatt pro Packung im Versand oder ein Päckchen Taschentücher als Sofort-Bonus vor Ort. Was ich an freien Medikamenten gelegentlich brauche, also mal ein Aspirin oder ein paar Pflaster, bestelle ich dann gleich mit. Wenn ich sofort was brauche, Antibiotika zum Beispiel, kaufe ich dann vor Ort. Aber auch da hat mich niemals jemand gefragt, was ich sonst so schlucke.
steffen.ganzmann 24.10.2017
4. Tja!
Zitat von sotraluzAkuten Bedarf besorge ich mir in der Apotheke, nach ärtztlicher Beratung und Verschreibung. Im Versand bestelle ich nur Medikamente, die ich schon lange nehme, meist preisgünstige Generika, die Apotheken vor Ort meist gar nicht führen. Und genau das ist das Problem, nicht die Beratung.
Die bestellt Ihnen auch die kleine Apotheke um die Ecke, wenn Sie nachfragen und das auch noch deutlich schneller! Aber Sie müssen dafür eben aktiv werden. Und wenn es alle so wie Sie machen würden, gäbe es die kleine Apotheke um die Ecke leider nicht mehr. Und um ehrlich zu sein, mich freut es, wenn der Apotheker nachfragt, wie es mir denn gerade gehe, oder dass ich viel besser aussähe als beim letzten Besuch. Denn im Gegensatz zu allen Freunden und Bekannten - er kennt meine Erkrankung und nimmt sie so ernst, wie sie ist! Denn wenn ich zum tausendsten Mal den Spruch "Das wird schon wieder!" anhören muss, könnte ich so langsam ausrasten ...
genugistgenug 24.10.2017
5. Beratungsmanko auch VOR Ort
Hier werden ALLE Medikamente online bestellt - zwar nicht bei den Werbe-Marktführern, sondern bei einer günstigeren Apotheke. Die kriegen das Quartalsrezept (Praxis hat den Freiumschlag) und 2 Tage später ist alles da. Bei der Apotheke vor Ort, Rezept abgeben (Bestellanrufe machen die nicht), dann 1 Tag später abholen = 2 mal unnötig fahren. Beratung wird da nicht groß gebraucht (zuletzt laktosefreies Alternativmedikament nachdem der Hersteller die Produktion eingestellt hatte) und vor Ort war der früher auch nicht notwendig. Denn die sehen ja immer nur EINE Verordnung und nicht alle. Das ist zwar eine Floskel mit der die Apotheker Zugriff auf die Gesundheitskarte bekommen wollen - doch dann sehen die auch genau, was verordnet wurde und was NICHT bei ihnen gekauft wurde. Außerdem ist die angeblich dringend notwendige qualifizierte Beratung/Kontrolle eine Überheblichkeit, die dem Arzt indirekt beweisen soll, dass der keine Ahnung hat und die Kontrolle des Apothekers dringend braucht = Apotheker ist der bessere Arzt. Allerdings scheinen die Onliner den Lokalen schon zuzusetzen - in der bisherigen Apotheke steht nur noch 1 Mitarbeiterin, früher bis zu 4. PS gab es da nicht schon einen Bericht zur Schmerzmitteln, wo die Apotheken vor Ort locker Medikamentenmixe verkauften, ohne auf Details zu achten oder nachzufragen - Hauptsache der Umsatz stimmt.
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