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01. Juli 2015, 12:18 Uhr

Krankenkassenreport

So gestresst sind Deutschlands Studenten

Jeder fünfte Student in Deutschland bekommt eine psychische Diagnose. Ein aktueller Krankenkassen-Report zeigt, dass vor allem Depressionen, Ängste und Erschöpfung zunehmen.

Prüfungsdruck, Zukunftsangst und finanzielle Sorgen: Mehr als jeder zweite Student in Deutschland steht einer Umfrage zufolge regelmäßig unter Stress. Ein Viertel fühlt sich sogar unter Dauerdruck, wie aus einem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Report der Techniker Krankenkasse (TK) hervorgeht. Die Hälfte der Studentinnen und vier von zehn ihrer männlichen Kommilitonen leiden demnach unter stressbedingter Erschöpfung.

Zu den wichtigsten Stressauslösern gehören Prüfungen (52 Prozent), der Lernstoff (28 Prozent) sowie die Doppelbelastung von Uni und Nebenjob (26 Prozent). Ebenso sehr stresst viele die Angst vor schlechten Noten (26 Prozent) oder davor, keinen Job zu finden (23 Prozent). Jeden Fünften plagen finanzielle Sorgen.

Jeder fünfte Student bekommt psychische Diagnose

Für den Report mit dem Schwerpunkt "Gesundheit Studierender" wurden Arzneimittelverordnungen von 2014 sowie Diagnosedaten von 190.000 direkt bei der TK versicherten Studierenden von 2013 ausgewertet. Zudem befragte das Institut Forsa im März dieses Jahres 1000 repräsentativ ausgewählte Studierende zu ihrem Ernährungs- und Bewegungsverhalten, zum Umgang mit Stress und digitalen Medien. Dieser "CampusKompass" wurde ebenfalls am Mittwoch in Berlin vorgestellt.

Ihn habe überrascht, "wie stark das Alter angehender Akademiker für Erkrankungen wie Depressionen, Belastungs- oder Angststörungen eine Rolle spielt", sagte TK-Vorstandschef Jens Baas. "Ab 30 können sie mit Belastungen schwerer umgehen." Dann spielten entscheidende Prüfungen, Fragen der Studienfinanzierung und womöglich auch Kinder eine treibende Rolle als Stressfaktoren.

Rund 21 Prozent der Studierenden erhielten dem TK-Report zufolge im Jahr 2013 eine psychische Diagnose - das war mehr als jeder Fünfte. Frauen sind demnach deutlich häufiger betroffen. Zu den am weitesten verbreiteten Erkrankungen gehören Depressionen, Ängste, Anpassungs- und Belastungsstörungen sowie körperliche Beschwerden, die sich nicht unbedingt auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen.

Mehr als jeder vierte Hochschüler (27 Prozent) gab an, dass der Druck schon einmal so hoch war, dass er ihn mit den üblichen Entspannungsstrategien nicht mehr bewältigen konnte. Dem Gesundheitsreport zufolge nahmen 4,3 Prozent der Hochschüler psychotherapeutische Hilfe in Anspruch. Fast vier Prozent der angehenden Akademiker bekamen Antidepressiva verordnet - das sind nach Angaben der Krankenkasse 43 Prozent mehr als 2006.

Suchtpotenzial Internet

Die Stressfaktoren gleichen grundsätzlich denen früherer Generationen. Aber offenbar falle der Generation Smartphone, die jetzt auch an den Hochschulen angekommen sei, das Abschalten schwerer, so Baas. Der Umfrage zufolge lässt sich jeder Zweite von digitalen Medien ablenken, wenn eigentlich gelernt werden soll, drei Viertel bescheinigen dem Internet Suchtpotenzial.

Um Gesundheitsproblemen vorzubeugen, rät Baas Studenten das, was er auch anderen Versicherten empfiehlt - einen guten Umgang mit Stress, vernünftige Medien-, vor allem Computernutzung - und viel Bewegung. "Es ist schon erschreckend, dass nur drei Viertel der Studenten sagen, dass sie Sport für sich als wesentlich ansehen", so Baas, "aber ein Viertel eben nicht." Auch wer selbst in seiner Freizeit noch viel am Computer sitze, habe häufiger gesundheitliche Probleme als andere Studierende, die öfter "offline" seien.

Vor vier Jahren hatte ein TK-Gesundheitsreport gezeigt, dass Studenten insgesamt weniger gesundheitlich belastet sind, weniger Arztkontakte haben und weniger Arzneimittel verschrieben bekommen als ihre berufstätigen Altersgenossen. Beim Thema psychische Störungen entfielen auf diese Gruppe jedoch schon damals deutlich mehr Diagnosen und ein größeres Arzneimittelvolumen.

hei/dpa/AFP

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