Stressmanagement So nehmen Sie Druck aus Ihrem Leben

Für mehr als jeden zweiten Deutschen gehört Stress zum Alltag, zeigt eine aktuelle Umfrage. Aus den Daten lässt sich auch ablesen, was Deutsche besonders unter Druck setzt - und mit welchen Strategien sie sich vor der dauerhaften Anspannung schützen.
Spaziergang: Das beliebteste Mittel der Deutschen, Stress zu entgehen

Spaziergang: Das beliebteste Mittel der Deutschen, Stress zu entgehen

Foto: Wolfram Steinberg/ picture alliance / dpa

Der typische deutsche Gestresste ist eine 36-jährige Frau, die in einer Großstadt in Süddeutschland wohnt. Ihr komfortables Zuhause - sie hat Abitur, arbeitet und verdient gut - teilt sie sich mit ihrem Mann und ihrem Kind. Eigentlich könnte das Leben so schön sein, wären da nicht die hohen Ansprüche, die sie an sich selbst stellt. Gleichzeitig fällt es ihr schwer, Kind, Karriere und Haushalt unter einen Hut zu bringen. In ihrem Alltag steht sie dauerhaft unter Druck.

Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Forsa-Umfrage, für die im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) 1000 Deutsche zu ihrem Stresslevel befragt wurden. Neben den Lebensumständen, die Deutsche unter Druck setzen, lassen sich aus den Daten auch Strategien zum Stressmanagement herauslesen:

Sich dem Stress stellen: Die meisten Deutschen (59 Prozent) lassen Stress einfach auf sich zukommen, ein paar laufen unter Druck sogar erst zur Höchstform auf (17 Prozent). Beide Strategien können dabei helfen, souverän mit der Anspannung umzugehen. Wer stattdessen versucht, Druck aus dem Weg zu gehen (17 Prozent), ist stärker Burnout-gefährdet und berichtet besonders häufig von psychischen Beschwerden wie Depressionen oder Angstzuständen.

Positiven Stress nutzen: Zu viel Stress belastet, das ist klar. Wohl dosiert kann sich der Druck allerdings positiv auswirken und Kreativität sowie Konzentration stärken. Jeder zweite Berufstätige sagt, dass ihn die Anspannung anspornt, wenn sie nicht zur Dauerbelastung wird.

Den Feierabend würdigen: Der Feierabend ist für mich da! Wer diese Regel verinnerlicht, lebt gesünder und glücklicher. Bleibt der Stresspegel auch in der Freizeit hoch, können sich Körper und Psyche nicht genügend erholen. Die Leistung lässt nach, das Stressempfinden steigt, und die Betroffenen geraten in einen Teufelskreis. Laut der Umfrage gelingt es nicht einmal zwei Dritteln der Berufstätigen, die Arbeit nach Feierabend loszulassen und abzuschalten. Vor allem Frauen sind in Gedanken auch in ihrer Freizeit beim Job, bei beiden Geschlechtern trifft es besonders die 36- bis 45-Jährigen. Jeder zweite Betroffene beschreibt sich als ausgebrannt; überdurchschnittlich viele berichten von psychischen Beschwerden.

Fotostrecke

Stress: Frau, 36, Kind, Karriere, Bayern

Foto: SPIEGEL ONLINE

Auch mal nicht erreichbar sein: Neun von zehn Deutschen unter 25 Jahren sind ständig erreichbar, bei den Berufstätigen befinden sich vier von zehn in ständiger Abrufbereitschaft. Das stresst. Fast sieben der zehn ständig Erreichbaren gibt an, im Alltag unter Druck zu stehen, jeder Vierte berichtet von Dauerdruck. Die immer Erreichbaren kämpfen überdurchschnittlich häufig mit familiären Krisen, mehr als jeder Vierte hatte in den letzten Jahren seelische Beschwerden.

Hohe Ansprüche hinterfragen: Das Alter zwischen 36 und 45 bildet für die Deutschen die Rushhour des Lebens. Fast vier von zehn arbeitenden Eltern beschreiben die Herausforderung, Familie und Karriere miteinander zu vereinbaren, als einen Stressfaktor. Wer das Gefühl hat, beides nicht unter einen Hut zu bekommen, fühlt sich viel häufiger ausgebrannt; nicht einmal jeder Dritte der Betroffenen ist mit seinem Leben zufrieden. Umso wichtiger ist es, sich der Belastung bewusst zu werden, Strategien zu entwickeln, um mit ihr umzugehen, und die eigenen hohen Ansprüche zu hinterfragen.

Arbeit suchen, die Spaß bereitet: Wer gerne arbeitet und sich mit seinem Job identifiziert, empfindet die Arbeit weniger als Stressfaktor und nimmt Stress häufiger positiv wahr, zeigt die Umfrage. Jeder vierte Berufstätige, der Spaß an seinem Job hat, erreicht unter Druck seine Top-Form. Bei den Befragten, die ihre Arbeit als reinen Broterwerb sehen, trifft dies nur auf jeden Neunten zu. Die Freude am Job senkt auch das Burnout-Risiko. Es ist bei Menschen, die Spaß an ihrer Arbeit haben, nur halb so hoch wie bei Pflichtarbeitern.

Glück bei Familie und Freunden suchen: Vor allem junge Erwachsene zweifeln häufig an ihrem Lebensweg, nicht einmal jeder dritte Deutsche unter 25 Jahren ist laut der Umfrage mit sich im Reinen. Je mehr die Befragten hadern, desto mehr Stress empfinden sie. Wer versuchen möchte, zufriedener mit seinem Leben zu werden, sollte sein Glück laut der Umfrage vor allem bei Familie und Freunden suchen. Die Liebsten bilden für 91 Prozent der Deutschen einen starken Rückhalt, gefolgt von Hobbys.

irb