Studie zu Zigaretten-Konsum Rauchstopp ist auch für die Seele gut

Mediziner lassen psychisch Kranken in der Therapie häufig ihre Zigaretten, um sie nicht zusätzlich zu belasten. Eine Studie rüttelt jetzt an diesem Prinzip: Wer aufhört zu rauchen, profitiert demnach auch mental. Das gilt für psychisch Kranke wie Gesunde.
Zigaretten: Schaden der Gesundheit extrem

Zigaretten: Schaden der Gesundheit extrem

Foto: Daniel Karmann/ dpa

Wer raucht, verschwendet Lebensjahre. Doch wie wirkt sich Rauchen auf die psychische Gesundheit aus? Und was passiert mit ihr, wenn man damit aufhört? Bisher wurden die Effekte auf die Psyche kaum erforscht, eine große Überblicksstudie könnte diese Lücke jetzt schließen. Sie kommt zu einem sehr eindeutigen Ergebnis: Wer auf die Zigaretten verzichtet, schützt nicht nur seinen Körper. Er pflegt auch seine Psyche.

Für die Untersuchung durchforstete eine Forschergruppe von der University of Birmingham medizinische Datenbanken nach Studien, bei denen die Teilnehmer vor dem Rauchstopp und mindestens sechs Wochen danach etwa zu ihrem Stresslevel oder depressiven Verstimmungen befragt wurden. Anschließend fassten die Forscher die Ergebnisse der verschiedenen Studien zusammen. Solche sogenannten Metaanalysen gelten aufgrund der großen Datenmenge als wissenschaftlich besonders aussagekräftig.

Erhebliche Auswirkungen auf die Therapie psychisch Kranker

Ein Teil der 26 ausgewählten Studien beschäftigte sich mit Auswirkungen auf Depressionen, ein Teil mit Angststörungen, ein Teil mit Stress, ein Teil mit der generellen psychologischen Lebensqualität, doch alle kamen unterm Strich zum selben Ergebnis: Stoppten die Teilnehmer das Rauchen, ging es ihrer Psyche signifikant besser. Dies gelte für psychisch Kranke genauso wie für psychisch Gesunde, schreiben die Forscher um Gemma Taylor in ihrem Fazit im "British Medical Journal" .

"Die Studie könnte erhebliche Auswirkungen auf die Therapie psychisch Kranker haben", sagt Falk Kiefer, Suchtforscher und Mediziner am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, als unabhängiger Experte. "Gerade bei Patienten mit seelischen Erkrankungen sind Ärzte und Therapeuten sehr zurückhaltend, was die Empfehlung einer Nikotinentwöhnung angeht." Aufgrund der Vorstellung "Das können wir ihnen nicht auch noch antun" werde das Rauchen toleriert. Sogar die Nichtraucherschutzgesetze sehen Ausnahmen für geschlossene psychiatrische Einrichtungen vor.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie sprechen dafür, diese Praxis zu überdenken - ganz abgesehen von den erheblichen Risiken des Rauchens für die Gesundheit von Lunge, Herz und Kreislauf. Daneben existiert laut Kiefer noch ein weiterer Grund, der für eine Rauchentwöhnung psychisch Kranker spricht: Der Konsum von Tabak aktiviert eine Reihe von Enzymen, die Psychopharmaka inaktivieren. "Vor diesem Hintergrund sollte die Raucherentwöhnung ein relevanter Baustein in der Regelbehandlung psychiatrischer Patienten werden", sagt Kiefer.

Trugschluss: Zigarette hilft gegen schlechte Stimmung

Die Frage, wie der Zusammenhang zwischen dem Rauchstopp und der psychischen Gesundheit zu erklären ist, kann die aktuelle Studie allerdings nicht beantworten. Bewirkt das Aufhören, dass sich die mentale Gesundheit verbessert? Oder führt eine verbesserte Psyche dazu, dass man das Rauchen aufgibt? Möglich wäre auch, dass beides nicht direkt miteinander verbunden ist und etwas anderes zur Folge hat, dass Menschen mit dem Rauchen aufhören und dass es ihnen gleichzeitig mental besser geht.

Kiefer hält wie die Autoren der Studie die erste Möglichkeit am wahrscheinlichsten. "Rauchen löst die Probleme, die es zuvor selbst geschaffen hat", sagt Kiefer. Viele Raucher brauchen Zigaretten, um Ängste und schlechte Stimmung zu tilgen und gehen deshalb davon aus, dass ihnen das Rauchen guttut. Ein Trugschluss: Nervosität, Angst und depressive Stimmungen gehören zu den Entzugssymptomen - sie entstehen oft erst durch eine Zigarettenpause. "Aus diesem Grund geht es einem nach Abschluss der Entzugssymptome seelisch besser als während des Konsums", glaubt Kiefer. Bis es soweit ist, dauert es laut der Studie etwa sechs Wochen.

Weitere Untersuchungen müssen jetzt zeigen, wie stark die Wirkung des Rauchstopps konkret ist. Die aktuelle Studie deutet darauf hin, dass der Effekt bei Depressionen sogar annähernd so stark sein könnte wie der von Antidepressiva. Da dies bisher allerdings eher bei Menschen mit depressiven Verstimmungen als bei Menschen mit richtigen Depressionen untersucht wurde, interpretiert Kiefer diese Aussage vorsichtig. Dennoch zeigt die Metaanalyse in einzelnen Studien auch einen Rückgang der Depression bei erkrankten Patienten. "In der Gesamtsicht ist der Vergleich Rauchstopp versus Antidepressiva interessant, und es gibt auf Grundlage der Studiendaten Hinweise auf einen vergleichbaren Effekt bei Depressiven", sagt der Experte.

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