Tabakkonsum Weltbevölkerung raucht immer weniger

Die gute Nachricht: Während die Weltbevölkerung wächst, sinkt laut WHO die Zahl der Tabaknutzer. Die schlechte: Noch immer sterben Millionen Menschen an den Folgen. Einfache Mittel könnten das verhindern.
Anti-Tabak-Kampagne in Kalkutta, Indien (Archivbild)

Anti-Tabak-Kampagne in Kalkutta, Indien (Archivbild)

Foto: SOPA Images / LightRocket via Getty Images

Die Welt kommt immer mehr von der Tabaksucht los. Trotz des Anstiegs der Weltbevölkerung sinkt die Zahl der Tabaknutzer kontinuierlich, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag in Genf berichtet. Sie rechnet damit, dass der Trend sich fortsetzt. Unter den 15- bis 24-Jährigen sei der Anteil der Tabaknutzer zwischen 2000 und 2020 von 20,8 Prozent auf 14,2 Prozent gefallen. 2025 seien es vermutlich nur noch 13 Prozent.

Im vergangenen Jahr gab es nach dem WHO-Trendreport  weltweit 1,3 Milliarden Tabaknutzer ab 15 Jahren. Fünf Jahre zuvor waren es 1,32 Milliarden. Im gleichen Zeitraum wuchs die Weltbevölkerung von etwa 7,3 auf 7,8 Milliarden. Die WHO rechnet mit einem Rückgang auf 1,27 Milliarden Tabaknutzer im Jahr 2025. Sie schätzt den Anteil der Tabaknutzer an der Weltbevölkerung ab 15 Jahren 2020 auf 22,3 Prozent. In Deutschland sind es nach WHO-Angaben 19,6 Prozent. Weltweit nutzten 36,7 Prozent aller Männer die Produkte und 7,8 Prozent aller Frauen, in Deutschland waren es 2020 22,3 Prozent der Männer und 17,1 Prozent der Frauen.

Rauchen, schnupfen, lutschen, kauen

Tabaknutzung schließt das Rauchen von Zigaretten, Zigarren und Pfeifen ein, aber auch Schnupf-, Lutsch- oder Kautabak. Mehr als 90 Prozent der Tabaknutzer sind Raucher. Ein Teil der Raucher kaut, lutscht oder schnupft zusätzlich Tabak. Elektronische Zigaretten, die keinen Tabak enthalten, sind in dem Report nicht berücksichtigt. Für Aussagen über die globale Verbreitung fehlen nach WHO-Angaben aus zu vielen Ländern Erhebungen.

Sorgen macht der WHO die Europaregion, die 53 Länder bis nach Turkmenistan und Israel umfasst. 18 Prozent der Frauen konsumierten hier noch Tabak, deutlich mehr als in anderen Regionen, und der Anteil nehme nur langsam ab. In Westeuropa war der Tabakkonsum nach den WHO-Zahlen 2020 in Island (11,9 Prozent) und Großbritannien (14,3) eher niedrig, in Frankreich (28,7) und Spanien (24,5) eher hoch. Deutschland liegt im Mittelfeld.

Tabakindustrie will Profite verteidigen

Nach WHO-Angaben sterben jedes Jahr sieben Millionen Menschen infolge ihres Tabakkonsums, 1,2 Millionen Nichtraucher sterben, weil sie den Tabakrauch von anderen abbekommen.

»Wir haben noch einen langen Weg vor uns«, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. »Die Tabakindustrie wird jeden Trick ausnutzen, um ihre gigantischen Profite zu verteidigen, die sie mit dem Verkauf ihrer tödlichen Produkte erzielen.« Die WHO empfiehlt Hinweise durch Hausärztinnen und -ärzte auf den Gewinn an Lebensqualität ohne Tabak sowie Gratis-Hotlines und SMS-Dienste für die Unterstützung von Tabaknutzern beim Entwöhnungsprozess. Allein dadurch könnten bis 2030 rund 88 Millionen Menschen weltweit vom Tabakkonsum wegkommen und 1,4 Millionen Menschenleben gerettet werden.

hei/dpa
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