Afrika WHO wirft Tansania Verschweigen von Ebola-Verdachtsfällen vor

Die WHO mischt sich selten so deutlich in Politik ein. Doch nun rügt sie Tansania dafür, Informationen über Ebola-Verdachtsfälle zurückzuhalten. Möglicherweise greift die Krankheit in dem bei Touristen beliebten Land um sich.

Ein verstorbener Ebola-Patient wird im Kongo von Gesundheitsspezialisten getragen
Jerome Delay/ AP

Ein verstorbener Ebola-Patient wird im Kongo von Gesundheitsspezialisten getragen


Tansania wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschuldigt, Informationen über Ebola-Verdachtsfälle in dem Land zurückzuhalten. Laut der Organisation sind dort wahrscheinlich mehrere Menschen an dem Virus erkrankt. "Trotz mehrerer Anfragen hat die WHO von den tansanischen Behörden keine weiteren Einzelheiten zu einem dieser Fälle erhalten", erklärte sie.

Sie erfuhr demnach bereits am 10. September von einer 34 Jahre alten Patientin, die in Daressalam zwei Tage zuvor verstorben war. Sie sei positiv auf das Virus getestet worden. In der vergangenen Woche hätten sich zudem Hinweise verdichtet, dass Menschen aus dem Umfeld der Patientin nun auch im Krankenhaus mit ähnlichen Symptomen behandelt würden. Zwei weitere Verdachtsfälle seien der Organisation inoffiziell gemeldet worden.

Befürchtet wird, dass sich das Ebolavirus von der Demokratischen Republik Kongo aus in Nachbarstaaten - darunter Tansania - verbreiten könnte. Im Kongo sind viele Menschen bei einer Ebola-Epidemie gestorben.

Tansanische Behörden erklärten Mitte September, es gebe keine Ebola-Erkrankten in dem Land. Laut WHO lehnten sie jedoch "zusätzliche Bestätigungstests" in einem Zentrum der Weltgesundheitsorganisation ab.

Die WHO kritisierte, dass der Informationsmangel die Bemühungen zur Eindämmung der Ausbreitung des tödlichen Virus behindere. Da die potenziell erkrankte Patientin zuvor viel gereist war, sei "das Risiko auf nationaler Ebene als sehr hoch eingeschätzt worden". Sollten sich die Verdachtsfälle bestätigen, würde es sich laut WHO um die ersten offiziellen Ebola-Erkrankungen in Tansania handeln. Das Land ist bei Touristen beliebt, sie sind dort eine wichtige Einnahmequelle.

Ostafrikanische Länder sind wegen des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo in Alarmbereitschaft. Das Virus forderte dort seit Beginn der Epidemie im August 2018 bereits mehr als 2000 Menschenleben. In Uganda starben vier Menschen. Zwischen 2014 und 2016 waren bei der schlimmsten Ebola-Welle der Geschichte in Guinea, Sierra Leone und Liberia mehr als 11.000 gestorben.

Laut dem Auswärtigen Amt würden in Tansania derzeit alle Reisende aus dem Kongo an Flughäfen und der Landesgrenze mittels Temperaturscanner überprüft. Außerdem sei bei einem Verdacht von Maßnahmen wie einer Quarantäne auszugehen, heißt es. Der von der WHO beschriebene, mögliche Krankheitsfall könnte bei solchen Kontrollen übersehen worden sein.

Das Ebolavirus wurde erstmals 1976 im Norden der Demokratischen Republik Kongo registriert und ist nach einem dortigen Fluss benannt. Die Betroffenen leiden an Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall sowie an inneren Blutungen und schließlich Organversagen. Die Krankheit endet laut WHO je nach Virenstamm in 25 bis 90 Prozent der Fälle tödlich. Übertragen wird das Virus durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten Infizierter. Ein wirksames Heilmittel gibt es bislang nicht.

Allerdings werden bereits experimentelle Therapien eingesetzt, die Hoffnung wecken. Sie basieren auf der Gabe von Antikörpern, bei einem Mittel dienten die Antikörper eines Überlebenden als Vorbild. Wurden Patienten innerhalb weniger Tage nach der Infektion mit dem Mittel behandelt, überlebten 89 Prozent. Bei dem anderen Mittel, einem Cocktail aus verschiedenen Antikörpern, waren es sogar 94 Prozent. Zum Vergleich: Ohne die Medikamente sterben beim aktuellen Ausbruch rund 70 Prozent der Infizierten.

Auch mit einer Schutzimpfung wird derzeit im Kongo experimentiert. Bei Tests mit rund 200.000 gesunden Geimpften, schützte das Mittel 97,5 Prozent vor einer Infektion. Zugelassen ist der Wirkstoff aber noch nicht.

joe/AFP/Reuters

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