Neue Verordnung Werden Tattoos bald in Hinterzimmern entfernt?

Ab Ende 2020 dürfen nur noch Ärzte Tattoos per Laser entfernen. Die Zukunft vieler Laser-Studios ist damit ungewiss - die Inhaber prognostizieren längere Wartezeiten und höhere Kosten.

Tattoo-Entfernung per Laser: Ab 2020 dürfen das nur noch Ärzte (Archivbild)
Uli Deck/ DPA

Tattoo-Entfernung per Laser: Ab 2020 dürfen das nur noch Ärzte (Archivbild)


Arschgeweih, Stern am Ellbogen oder der Name einer Ex-Freundin auf dem Unterarm: Unliebsame Tattoos am Körper sehen nach Jahren mitunter unschön aus und sollen weg, manchmal können sie auch psychisch belasten.

Die Erzieherin Vanessa Stark aus Berlin etwa trägt Tattoos am ganzen Körper. Weil zwei Motive missglückt sind, sollen sie verschwinden. Seit Wochen besucht die 24-Jährige deshalb schon ein Laser-Studio. "Das ist ziemlich ärgerlich und nicht billig", sagt sie. Allein die Entfernung eines Mandalas auf der Hand kostet rund 1300 Euro - etwa das Zehnfache des Tattoo-Preises.

Momentan darf noch jeder, der ein Gerät und einen Gewerbeschein hat und einen Laserschutzkurs absolviert hat, Tattoos per Laser entfernen. Doch laut einer neuen Verordnung zum Strahlenschutz dürfen ab Ende 2020 nur noch Ärzte die Behandlung anbieten.

Die Zukunft vieler Laser-Studios ist damit ungewiss: "Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht", sagt Markus Lühr, Gründer der Kette "Tattoolos", die mit Heilpraktikern arbeitet. Ärzte darf die GmbH nicht anstellen. "Die Tattoo-Entfernung wird künftig viel teurer und es wird lange Wartezeiten geben", sagt er. "Ich hoffe, dass das Ganze nicht in eine Grauzone abdriftet und in Hinterzimmern praktiziert wird."

Pro Sitzung fallen bei "Tattoolos" je nach Größe des Tattoos zwischen 95 und 690 Euro an. Die Patienten bezahlen das selbst, nur in Ausnahmefällen kommt die Krankenkasse dafür auf. Auf der Website des Hautarzt-Zentrums Kiel, das ebenfalls Tattoo-Entfernungen anbietet, werden die Kosten für eine Lasersitzung zwischen 60 und 200 Euro angegeben.

Auch die Gründerin von "Endlich ohne", Andrea Goeman, teilt die Befürchtung, dass die Tattoo-Entfernung künftig teurer werden könnte. "Unsere Kunden sind oftmals sehr belastet durch ihre Tattoos und haben demnächst keine Möglichkeit mehr, sie zu bezahlbaren Preisen legal professionell entfernen zu lassen. Ich hoffe, dass die Politik noch einlenkt", sagt die Heilpraktikerin aus Hannover, die an bundesweit 19 Standorten mit Kosmetikerinnen und Krankenschwestern, aber auch beratenden Ärzten arbeitet. Die neue Regelung sei vernichtend für ihr Unternehmen. Goeman rechnet damit, dass Kunden zur Tattoo-Entfernung künftig auch ins Ausland gehen.

Es kommt auf die Größe an

Der Karlsruher Hautarzt und Laser-Experte Christian Raulin rechtfertigt die neue Regelung: "Ein Arzt hat eine Ausbildung, medizinisches Verständnis und vielfach auch eine Ethik." In fast der Hälfte der Fälle rate er Patienten von einer Tattoo-Entfernung ab. "Wenn ich sehe, dass die Farben ungünstig sind oder das Tattoo zu groß ist, lasse ich die Finger davon", sagt er. Tattoos, die einen halben Oberarm bedecken, sind aus seiner Sicht noch entfernbar. Großflächige Tätowierungen hingegen müssten für den Rest des Lebens bleiben.

Bei einer Laserbehandlung werden die Farbstoffpartikel in kleine Teile zerschossen. Die Bruchstücke sollen vom Körper abtransportiert oder abgebaut werden. Mögliche Nebenwirkungen: Bei der Zerstörung mancher Pigmente können - so das Bundesamt für Strahlenschutz - giftige und krebserregende Verbindungen wie Blausäure oder Benzol entstehen. Das Amt warnt zudem vor Verbrennungen, Pigmentveränderungen, Entzündungen und Narbenbildung, wenn der Laser nicht richtig eingesetzt wird. (Lesen Sie hier mehr über die Risiken der Tattoo-Entfernung.)

"Wenn im Tattoo ein suspektes Muttermal ist, kann sich nach einer Laserbehandlung nahezu unbemerkt ein Hautkrebs entwickeln", sagt der Mediziner Raulin. Außerdem sei es möglich, dass allergische Stoffe aus dem Tattoo sich im ganzen Körper verteilen: "Dann juckt es plötzlich überall."

20 Sitzungen oder mehr

Das Lasern ist Raulin zufolge die einzige Option, ein Tattoo vollständig zu entfernen. Darüber hinaus werden unliebsame Bilder aber auch abgeschliffen oder abgefeilt, mit Säure weggeätzt oder mit flüssigem Stickstoff per Kältetherapie behandelt. Wegen ästhetisch inakzeptabler Narben, Pigmentstörungen und sonstiger dauerhafter Nebenwirkungen seien diese Verfahren aber strikt abzulehnen.

Über die Zahl der Tätowierten gibt es nur Schätzungen. Laut einer 2017 veröffentlichten Studie der Uni Leipzig sind es rund 16 Millionen Menschen. 1,2 Millionen Patienten nehmen Schätzungen zufolge jedes Jahr eine Laserbehandlung zur Tattoo-Entfernung in Anspruch.

Im Idealfall lasse sich eine Profitätowierung nach bis zu 20 oder mehr Sitzungen entfernen, so Raulin. Doch die klinische Erfahrung zeige, dass etwa bei einem Drittel der Patienten auch nach sehr vielen Sitzungen keine vollständige Entfernung gelinge. Vor allem bunte und mehrfarbige Tattoos seien schwierig zu entfernen. "Tattoos sind keine Abziehbilder, sondern etwas fürs Leben", sagt Raulin. Er gibt dem Trend keine große Zukunft mehr: "Nach zehn Jahren ist das wieder vorbei."

Anja Sokolow, dpa/kry



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