Wer nicht versteht, was die Ärztin erklärt, sollte unbedingt nachfragen (Symbolbild)
Wer nicht versteht, was die Ärztin erklärt, sollte unbedingt nachfragen (Symbolbild)
Foto: Lumina / Stocksy United

Termin in der Praxis So bereiten Sie sich auf ein Arztgespräch vor

Die Zeit im Sprechzimmer ist knapp und die Unsicherheit bei dem Termin mit der Ärztin manchmal groß. Tipps für davor, währenddessen und danach.

Manchmal dauert es Wochen, bis man einen Termin bei einer Ärztin oder einem Arzt bekommt. Wer dann – nach mehr oder weniger langer Zeit im Wartezimmer – den eigenen Namen hört, geht oft leicht angespannt ins Sprechzimmer. Und vergisst dann, der Ärztin die eine Frage zu stellen, die ihm eigentlich wichtig war. Oder er verlässt die Praxis, ohne verstanden zu haben, was der Arzt erklärt hat.

Wer ein paar Tipps befolgt, kann das verhindern:

Vor dem Arztbesuch

Egal, aus welchem Grund jemand die Arztpraxis aufsucht: »Setzen Sie sich mit dem Arztbesuch wenigstens einen Tag vorher auseinander und nicht erst auf dem Hinweg«, sagt Anke Puzicha von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Sie können etwa bereits vorab Worte für Ihre Symptome finden. Haben Sie Schmerzen? Dann ist es hilfreich, diese so präzise wie möglich zu beschreiben. Sind sie etwa bohrend, pochend oder vielleicht stechend? »Wenn man die Symptome erst beim Arzt versucht zu formulieren, gelingt das möglicherweise aus verschiedenen Gründen nicht so gut«, sagt Puzicha. Etwa, weil vor Ort in der Arztpraxis wenig Zeit bleibt. Manchmal sind die Schmerzen dann auch plötzlich verschwunden – und die Worte gleich mit.

»Wichtig ist auch, mitzuteilen, wie lange die Beschwerden schon andauern und ob sie im Laufe der Zeit stärker geworden sind«, sagt Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheitswissen.

Hilfreich ist auch, wenn sich Patientinnen und Patienten vorab überlegen, was die Ärztin zur Krankengeschichte wissen sollte. »Das wären zum Beispiel Krankheitshäufungen in der Familie, Allergien oder chronische Erkrankungen«, sagt Suhr. Ein Überblick über die Arzneimittel, die jemand aktuell einnimmt, kann ebenfalls wichtig sein. »Dazu gehören auch selbst gekaufte Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel«, so Suhr. Wer all diese Informationen parat hat, erleichtert es der Ärztin oder dem Arzt, sich ein Bild von den Beschwerden zu machen.

Viele Patientinnen und Patienten suchen vorab Gesundheitsinformationen im Internet. Hier ist allerdings Vorsicht geboten, denn häufig trifft so eine Internet-Selbstdiagnose gar nicht zu, oft ist sie viel zu drastisch. »Viele Informationen im Netz sind interessengeleitet oder manche sogar falsch«, sagt Suhr. Wer sich vorab informieren will, sollte das gezielt auf vertrauenswürdigen Seiten tun. Dazu gehören etwa die Website der Stiftung Gesundheitswissen  oder gesund.bund.de , eine Initiative des Bundesgesundheitsministeriums. Der IGeL-Monitor klärt über Sinn und Nutzen von ärztlichen Leistungen auf, für die die Krankenkasse nicht aufkommt. Hinter dem IGeL-Monitor  steht der Medizinische Dienst Bund.

Allerdings gilt immer: »Selbst seriöse Informationen ersetzen nicht unmittelbar ein Arztgespräch«, sagt Suhr. Denn eine Diagnose kann nur ein Arzt stellen und keine Internetseite.

Während des Arztbesuchs

Beim Gespräch selbst kommt es manchmal vor, dass Patientinnen und Patienten nicht alles verstehen. Hier gilt: Haben Sie keine Scheu vor Nachfragen und bitten Sie darum, dass die Ärztin das Gesagte noch einmal in einfachen Worten formuliert. Das ist besser, als die Informationen einfach hinzunehmen und womöglich erst zu Hause zu merken, dass man nicht genau weiß, was das nun bedeutet. »Da kann es auch hilfreich sein, jemanden zum Arztgespräch mitzunehmen, der zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Fragen zu stellen vermag«, sagt Puzicha.

Oft besteht außerdem ein Unterschied zwischen dem, was gesagt, gemeint und tatsächlich verstanden wird. Ralf Suhr nennt ein Beispiel: Der Arzt erklärt einem Patienten, er habe eine akute Rhinitis. Da der Erkrankte den medizinischen Fachausdruck nicht kennt, löst das Wort erst einmal große Sorgen aus. Der Arzt meint einen Schnupfen, aber der Patient bringt das für ihn fremde Wort mit etwas Bedrohlichem in Verbindung. »Umso wichtiger ist es, dass man gleich Rückfragen stellt, sobald man etwas nicht verstanden hat«, sagt Suhr.

Laut der Stiftung Gesundheitswissen gibt es eine Methode, mit der sich prüfen lässt, ob man alles verstanden hat: »Bei der Kommunikationstechnik Teach-Back fasst man am Ende die wesentlichen Punkte in eigenen Worten noch einmal zusammen«, sagt Suhr. So verstünden Patientinnen und Patienten nicht nur besser, was der Arzt meint, sondern könnten sich auch besser an das Gespräch erinnern. Außerdem lassen sich so mögliche Missverständnisse direkt klären.

Nach dem Arztbesuch

Es kann auch hilfreich sein, die Informationen der Ärztin unmittelbar nach dem Gespräch aufzuschreiben. So stellen Sie sicher, dass Sie die wichtigsten Infos auch behalten.

Manchmal arbeitet der Arztbesuch noch eine Weile in einem – etwa, weil man sich vom Arzt respektlos oder nicht korrekt behandelt fühlt. Und dann? »Am besten ist es, noch einmal ruhig und offen das Gespräch zu suchen«, sagt Suhr. Denn auch die Ärztin oder der Arzt des Vertrauens kann mal einen schlechten Tag haben. Wer sich dauerhaft in einer Praxis nicht wohlfühlt, sollte wechseln, sagt Anke Puzicha.

mar/dpa
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