Hitze in Wohnung und Büro Die richtige Kühl-Taktik

Wie bleibt die Wohnung schön kühl, wenn es draußen heiß ist? Macht ein Ventilator Sinn, obwohl das Gerät Wärme abgibt? Wann befeuchtet man Vorhänge, wann lässt man es besser: Der Bauphysiker Anton Maas gibt Tipps fürs effektive Chillen.
Abkühlung per Wasserschlauch: Was tun in der Wohnung?

Abkühlung per Wasserschlauch: Was tun in der Wohnung?

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

SPIEGEL ONLINE: Herr Maas, sollte man bei Sommerhitze die Fenster geschlossen halten oder öffnen?

Maas: Beides. Am Tag sollte man die Fenster geschlossen halten, um möglichst wenig Wärme hereinzulassen und nur lüften, wenn es unbedingt notwendig ist, also wenn Geruchs- oder Schadstoffe raus müssen. Immer dann, wenn es draußen kälter ist als drinnen, also vor allem nachts und früh am morgen, sollte man die Fenster öffnen, um kalte Luft herein zu lassen.

SPIEGEL ONLINE: Viele Menschen haben das Gefühl, dass keine Luft im Raum ist, wenn das Fenster geschlossen ist - und reißen das Fenster auf.

Maas: Dadurch entsteht ein Luftzug, die Luft über unserer Haut wird ausgetauscht. Das erleichtert wiederum unsere Transpiration, mehr Verdunstungskälte entsteht, wir können unseren Körper besser kühlen. Allerdings ist es bei einer Hitzewelle wie zuletzt besser, diesen Luftstrom durch einen Ventilator zu erzeugen, um nicht die Hitze in Wohn- und Arbeitsräume zu lassen.

SPIEGEL ONLINE: Der Elektromotor eines Ventilators gibt doch auch zusätzliche Wärme ab.

Maas: Der Ventilator fügt nicht viel Wärme zu - der Effekt der Abkühlung ist größer. Sie können natürlich auch einen Fächer benutzen. Aber dann gibt man ja auch mehr Wärme ab.

SPIEGEL ONLINE: Der Mensch, noch so eine unangenehme Wärmequelle. Bei 36 bis 37 Grad Körpertemperatur dürfte da so einiges abgestrahlt werden.

Maas: Der Wärmeeintrag durch den Menschen im Raum ist natürlich da, aber man kann sich ja nicht in Luft auflösen. Der Mensch gibt bei sitzender Tätigkeit um die 70 bis 100 Watt an Leistung ab, ein Ventilator circa 40 Watt. Ein Mensch, der sich körperlich anstrengt, um einen Fächer zu schwingen, wird wahrscheinlich noch mehr Wärme erzeugen als ein Ventilator.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann man Gebäude am besten vor Sonneneinstrahlung schützen?

Maas: Mit dem Sonnenschutz kann man den größten Einfluss auf die Temperatur eines Gebäudes nehmen. Am besten wirkt er, wenn er draußen, vor dem Fenster, angebracht ist. Die Wärme, die an der Oberfläche des Sonnenschutzes entsteht, kommt dann gar nicht erst in den Raum.

SPIEGEL ONLINE: Wie wirksam sind weiße Vorhänge drinnen?

Maas: Das bringt auch noch etwas, jede Beschattung ist gut. Aber den Sonnenschutz außen zu haben, ist besser. Denn wenn die Vorhänge auf der Innenseite sind, ist die Wärme schon im Raum und wird zur Scheibe reflektiert. Sie gelangt dann nur noch zum Teil wieder nach außen, der größte Teil bleibt aber im Raum.

SPIEGEL ONLINE: Ist es sinnvoll, Vorhänge zu befeuchten?

Maas: Das kommt auf die Wettersituation an. In Kuba beispielsweise sieht man oft Vorhänge außen am Fenster, die befeuchtet werden. In unserem Kulturkreis ist das weniger üblich. Aber bei trockener Hitze ist es durchaus sinnvoll. Durch die Verdunstung wird die Luft abgekühlt - wie angenehm das sein kann, merkt man, wenn man neben einem Springbrunnen steht. Bei einer Hitzewelle wäre es am besten, einen Springbrunnen in der Nähe des Fensters zu haben.

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Hitze: So bleibt der Körper kühl

Foto: Andy Rain/ dpa

SPIEGEL ONLINE: Mir schwebt da schon ein Experiment mit Gartenschlauch vor - oder ein Zimmerspringbrunnen! Aber bewirkt die Verdunstung innerhalb von Räumen nicht, dass die Luftfeuchtigkeit steigt und es so noch unangenehmer wird?

Maas: Ja, wenn es schwülwarm ist und Gewitter in der Luft liegen. Dann macht eine Befeuchtung das Raumklima noch unangenehmer, weil wir dann noch schlechter transpirieren und Wärme abgeben können.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange dauert es, bis sich ein Gebäude in einer Hitzeperiode maximal aufheizt?

Maas: Grundsätzlich kann man sagen, dass ein schweres Gebäude aus Mauerwerk oder Beton sich langsamer und weniger stark aufheizt. Leichte Gebäude oder auch leichte Teile eines Gebäudes, wie der Dachstuhl, erwärmen sich schneller. Angenommen, wir haben eine lang andauernde Schönwetterperiode, 30 Grad Celsius am Tag und 20 in der Nacht. Dann würde es ungefähr drei Wochen dauern, bis sich die Durchschnittstemperatur eines Gebäudes im Tagesverlauf nicht mehr ändert. Irgendwann wird es im Raum ungefähr 28 Grad warm werden. Bei Temperaturen, die dauerhaft zwischen 20 und 30 Grad Celsius liegen, schafft das Gebäude es nicht mehr, die Wärme abzuführen.

SPIEGEL ONLINE: Heißt das, es ist dann egal, ob man die Fenster tagsüber aufmacht?

Maas: Wenn man beispielsweise einen Sonnenschutz nicht bedient oder tagsüber die Fenster öffnet, kann es durchaus passieren, dass es im Gebäude wärmer wird als draußen - wenn das der Fall ist, dann weiß man, dass man etwas falsch gemacht hat. Aber eine Temperatur, die zwei bis drei Grad geringer ist als draußen, ist das, was ein Gebäude ohne Klimaanalage leisten kann.

Das Interview führte Frederik Jötten
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