Krankenkassenbericht Nur die Hälfte der Zweijährigen ist vollständig geimpft

Zu Impfungen gegen 13 Krankheiten rät die Ständige Impfkommission in den ersten zwei Lebensjahren. Aber die Empfehlung wird von nur der Hälfte der Eltern angenommen. Warum?

Impfung
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Laut einer aktuellen Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) ist nur knapp die Hälfte der Kinder (46,6 Prozent) im zweiten Lebensjahr so geimpft, wie es die Ständige Impfkommission empfiehlt. Die Experten raten in dieser Lebensphase zur Immunisierung gegen 13 verschiedene Krankheiten.

Aber: Die Hälfte (49,9 Prozent) der Kinder sind zumindest zum Teil immunisiert - sie haben also noch nicht alle empfohlenen Teilimpfungen erhalten, aber zumindest eine oder bereits mehrere davon. Lediglich 3,6 Prozent der Zweijährigen seien überhaupt nicht geimpft, berichtet die TK, die Daten von rund 104.000 bei der Kasse versicherten Kindern ausgewertet hat.

"Wenn Kinder nicht alle notwendigen Teilimpfungen erhalten, sind sie nicht sicher immunisiert", warnt Kassenchef Jens Baas. Die Teilimpfungen könnten meist problemlos nachgeholt werden, ohne dass die Impfserie von vorn beginnen müsse.

Die Impfquoten unterscheiden sich je nach Krankheitserreger. Gegen Diphtherie, Hib (Haemophilus influenzae b), Masern, Mumps, Keuchhusten, Röteln und Wundstarrkrampf liegen sie jeweils zwischen 81 und 82 Prozent. Vollständig gegen Windpocken geimpft sind dagegen nur 75 Prozent der Zweijährigen, gegen Rotaviren sind nur 60 Prozent immunisiert.

Impfpflicht ist "letztes Mittel"

Nach Angaben der Erfurter Psychologieprofessorin Cornelia Betsch gibt es "viele praktische Hürden" beim Impfen. "Die meisten Menschen sind impfbereit - aber Impfen ist oft nicht einfach genug", sagt Betsch, die zu Impfentscheidungen forscht. Erwachsenen sei außerdem oft auch nicht bekannt, dass oder wann sie sich impfen lassen sollten.

Eine Impfpflicht hält Betsch ebenso wie der Gesundheitsexperte Gerd Glaeske von der Universität Bremen für das "letzte Mittel". Mit der Einführung einer teilweisen Impfpflicht könnten andere freiwillige Impfungen weniger wichtig erscheinen oder von impfkritischen Personen häufiger weggelassen werden, sagt die Expertin.

Glaeske hält mehr Aufklärung für nötig. "Dabei sollte allen klar sein, dass es um die Gesundheit der Gemeinschaft geht", betonte er. Zum 1. März 2020 soll die Masernimpfpflicht kommen.

wbr/AFP



insgesamt 148 Beiträge
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Seite 1
Newspeak 01.10.2019
1. ...
Man sollte einfach aus der Empfehlung eine Pflicht machen. Ich kann mir auch nicht aussuchen, ob ich beim Autofahren einen Sicherheitsgurt anlegen will.
Hyacinth 01.10.2019
2. Werden eigentlich impfsäumige Eltern an anstehende Impftermine erinnert?
Screening-Centren nerven ja auch Frauen, die nicht zur Brustkrebsuntersuchung kommen. Die sind aber vielleicht schon erwachsen genug sich für eine andere Untersuchungsmethode oder eine andere Praxis zu entscheiden. Ich finde, das solche Aufgaben bei den Kassen angesiedelt werden müssen, denn nur die wissen, ob ein Kind eine Impfung oder eine Frau ein Screening hatte.
SaveTimE 01.10.2019
3. Das 'Warum',
wurde hier ja - bis auf ein paar allgemeine Plätze - kaum erörtert. Wer ist zuständig für die Informierung der Öffentlichkeit? Was sagt die Schulbehörde als Wächter über die Bildungshoheit zu diesen lange Bekannten Defiziten in der allgemein Bildung ? Ärztekammer? Auch interessant. Im lamentieren sind wir immer noch Weltmeister....
Poli Tische 01.10.2019
4. Wie weit geht die Verantwortung des Einzelnen...
...gegenüber der Gemeinschaft? Bin ich verantwortlich für die Gesundheit der Anderen? Schon heute können Eltern ihre Kinder impfen lassen, wenn sie vermeiden möchten, dass ihr Kind an einer im Kindesalter üblichen Krankheit erkrankt. Sie tragen ihrem Kind gegenüber die Verantwortung für die Folgen einer Impfung, genauso wie sie die Verantwortung tragen, wenn ihr nicht geimpftes Kind erkrankt. Ist es gerechtfertigt wenn Kinder durch den Staat zur Impfung gezwungen werden? Vielleicht um einige Kinder zu schützen, die nicht geimpft werden können? Bei wie vielen Kindern trifft dies zu? Wieviele Kinder erleiden einen Impfschaden? Wer trägt dann die Verantwortung?
eigene_meinung 01.10.2019
5.
Impfungen gegen 13 Krankheiten an Kleinstkindern (unter 2 Jahren) vorzunehmen, ist vorsätzliche gefährliche Körperverletzung. Wer meint, dass die Kinder so etwas unbeschadet überstehen, ist nicht in der Lage, logisch zu denken.
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