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Schwangerschaft: Toxoplasmose verhindern durch die richtige Hygiene

Foto: CDC/ Edwin P. Ewing

Toxoplasmose Parasiten könnten das Suizidrisiko erhöhen

Schwangere können ihr Kind verlieren, wenn sie sich mit Toxoplasmen anstecken. Eine neue Studie lässt noch etwas anderes befürchten: Mit dem Parasiten infizierte Frauen unternehmen demnach eher Suizidversuche.

In der Küche ist die Gefahr am größten. Ungewaschener Salat oder Messer, mit denen erst das rohe Fleisch und dann das Gemüse geschnitten werden, überhaupt das Fleisch. Nicht richtig durchgebratenes Fleisch ist eine der wichtigsten Ursachen für die bei Schwangeren gefürchtete Infektion mit dem Parasiten Toxoplasma gondii. Überträgt die Schwangere den Erreger auf das ungeborene Kind, drohen Fehlbildungen oder gar der Verlust des Kindes.

Eine dänische Studie verdächtigt die Toxoplasmen nun, auch noch für etwas ganz anderes verantwortlich zu sein: für die Suizidversuche von einmal mit den Parasiten infizierten Frauen. Für ihre Untersuchung hatten Marianne Pedersen und ihre Kollegen die Daten von mehr als 45.000 Däninnen ausgewertet. Das Ergebnis war eindeutig: Hatten die Frauen sich irgendwann mit Toxoplasmen angesteckt, begingen sie mit einer um 50 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit einen Suizidversuch als nichtinfizierte Frauen, berichten die Forscher in den Archives of General Psychiatry .

Die Toxoplasmose-Studie

Zwar können die Forscher nicht sicher sagen, ob die Infektion mit dem Parasiten tatsächlich für die Suizidversuche verantwortlich ist. Es könnte zum Beispiel auch sein, dass Frauen, die aus anderen Gründen irgendwann im Leben einen Suizidversuch begehen, sich häufiger infizieren. Doch der deutsche Toxoplasmose-Experte Uwe Groß von der Universität Göttingen hält die Ergebnisse der dänischen Wissenschaftler nicht für völlig abwegig: "Toxoplasmen bleiben lebenslang im Gehirn. Dass der Parasit dort überhaupt nichts macht, kann man sich kaum vorstellen. Nur was er dort anstellt, das ist nicht klar."

Einen direkten Beweis dafür zu erbringen, dass tatsächlich die Toxoplasmen die Selbstmordversuche der untersuchten Frauen ausgelöst haben, wäre äußerst schwer: "Man müsste eine Gruppe von Frauen behandeln und die andere unbehandelt lassen", sagt Groß. Wenn man dann sehe, dass die behandelte Gruppe weniger Selbstmordversuche unternehme, könnte das ein Beleg für die Schuld der Parasiten sein.

Schwangere können ihre Katze behalten

Der Mensch ist eigentlich gar nicht das Ziel der Toxoplasmen, der bevorzugte Wirt der Parasiten sind Katzen. Diese scheiden die Oozysten genannte infektiöse Form der Toxoplasmen mit ihrem Kot aus, auf diesem Weg kann sich auch der Mensch infizieren. Allerdings brauchen die Oozysten 24 Stunden, bis sie ansteckend sind. "Schwangere Frauen können mit einer Katze im Haushalt leben, wenn die Katzentoilette täglich von jemand anderem gereinigt wird", sagt Groß. Die Katze sei auch nicht die Hauptquelle für Infektionen beim Menschen, sondern das im Haushalt falsch verarbeitete Fleisch anderer Tiere, die sich mit den Toxoplasmen angesteckt haben.

Einmal mit Toxoplasmen infiziert, trägt der Mensch den Parasit sein Leben lang in sich. In der dänischen Studie fanden die Forscher bei knapp 27 Prozent der untersuchten Frauen Hinweise auf eine Toxoplasmen-Infektion. Der Erreger gelangt vom Darm in Muskeln und vor allem das Gehirn. Dort versteckt er sich im Nervensystem in winzigen Zysten eingekapselt, in denen ihn das Immunsystem des Körpers nicht aufspüren kann.

Bei Nagern setzen Toxoplasmen ureigene Instinkte außer Gefecht

"Diese Zysten brechen immer mal wieder ganz kurz auf, bei einem Menschen mit intaktem Abwehrsystem werden die Toxoplasmen wieder in die Zysten zurückgedrängt", sagt Mikrobiologe Groß. "Aber der Parasit produziert Proteine, die beim Aufbrechen der Zysten freigesetzt werden. Und diese Eiweiße könnten etwas im Gehirn bewirken."

Bei Nagern haben die Forscher Toxoplasmen in Gehirnregionen gefunden, die Emotionen und Verhaltensweisen kontrollieren. Der US-Forscher Robert Sapolsky und seine Kollegen von der kalifornischen Stanford University beobachteten bei mit Toxoplasmen infizierten Ratten eine Veränderung , die für die Nager tödlich, aus Sicht der Parasiten aber nützlich ist.

Die mit Toxoplasmen infizierten Ratten verloren ihre natürliche Aversion gegenüber Katzenurin, wurden vom Geruch der Auscheidungen ihres natürlichen Feindes sogar angelockt. Lässt eine mit Toxoplasmen infizierte Ratte sich vom Urin anlocken, statt die Nähe von Katzen zu meiden, steigt die Chance, dass die Toxoplasmen wieder zu ihrem bevorzugten Ziel gelangen, wenn die Katze die Ratte erbeutet.

Infektionen vor der Schwangerschaft sind ungefährlich

Während die Verhaltensänderungen bei den Nagern im Interesse des Parasiten sein können, trifft dies auf den Menschen nicht zu. "Wenn die Toxoplasmen den Menschen in den Selbstmord treiben würden, wäre das dumm", sagt Mikrobiologe Groß. "Dann haben sie keinen Wirt mehr."

Schon vor den aktuellen Ergebnissen gab es Hinweise aus weiteren Studien, dass eine Infektion mit Toxoplasmen das Risiko für Schizophrenien erhöhen könnte und die Patienten sich häufiger in Verkehrsunfälle verwickeln lassen . Allerdings, so Groß, hätten diese Studien deutlich weniger Patienten untersucht als die jetzt vorgestellte, und seien daher weniger aussagekräftig.

Schwangere Frauen schützen sich am effektivsten vor einer Infektion mit Toxoplasmen, indem sie nur richtig durchgebratenes Fleisch essen. Lebt eine Katze im Haushalt, sollte die Katzentoilette täglich von einer anderen Person gereinigt werden. Steckt sich eine Schwangere mit dem Erreger an, kann die Infektion mit Antibiotika behandelt werden. Zu Beginn der Schangerschaft kann der Arzt mit einem Bluttest herausfinden, ob die Frau in ihrem Leben schon einmal Kontakt mit Toxoplasmen hatte. Ist die Infektion nicht neu, gibt es keine Ansteckungsgefahr für das ungeborene Kind.

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