Herztransplantationen An fünf Kliniken wurde manipuliert

Detaillierter Bericht über Kungeleien: Zwischen 2010 und 2012 hat es bei der Vergabe von Spenderherzen an fünf deutschen Kliniken Manipulationen gegeben - darunter auch in Jena und Köln.

Zu den Unregelmäßigkeiten bei Organtransplantationen in Deutschland sind im Zuge der Untersuchungen weitere Details bekannt geworden: Neben den Universitätskliniken von München, Berlin und Heidelberg wurde zwischen 2010 und 2012 auch in Jena und Köln bei Herztransplantationen manipuliert. Die Zentren hätten Medikamente genutzt, um die Patienten kränker erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich gewesen seien. Dies teilten die an der Bundesärztekammer angesiedelte Prüfungskommission und die Überwachungskommission für Transplantationen in Deutschland am Donnerstag bei der Vorstellung ihres Jahresberichts in Berlin mit.

Demnach hat es am Deutschen Herzzentrum Berlin und an der Herzchirurgischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München - Campus Großhadern - "systematische Manipulationen und Auffälligkeiten" gegeben. Auch an den Universitätskliniken Heidelberg, Jena und Köln-Lindenthal seien in der Prüfperiode "systematische Richtlinienverstöße und Manipulationen" festgestellt worden. Demnach hat es in Heidelberg in dem geprüften Zeitraum 33 Verstöße bei knapp 80 Herztransplantationen gegeben, in Jena 17 bei 32 Verpflanzungen.

Bereits 2012 war bekannt geworden, dass zwei Mediziner der Göttinger Universitätsklinik die eigenen Patienten beim Empfang von Spenderlebern bevorzugt haben sollen. Zuletzt hatte es in Heidelberg einen Skandal gegeben, als am Universitätsklinikum wegen des Verdachts ermittelt wurde, bei Herzspenden betrogen zu haben.

"Verloren gegangenes Vertrauen zurückerlangen"

Seither werden die 46 Transplantationszentren schärfer kontrolliert - so wurde etwa ein Mehraugenprinzip bei der Anmeldung von Wartelistenpatienten eingeführt und sogenannte Transplantationskonferenzen eingerichtet. Hans Lippert, Vorsitzender der Überwachungskommission erklärte, die regelmäßigen Kontrollen trügen dazu bei, "verloren gegangenes Vertrauen der Menschen in die Transplantationsmedizin zurückzuerlangen". Die Prüfer betonten zugleich, dass in den meisten Transplantationszentren "ordnungsgemäß und korrekt" gearbeitet wurde.

Untersucht haben die Experten auch 45 Fälle von Hirntodfeststellungen im Zeitraum von 2010 bis 2014. Die unzweifelhafte Feststellung des Hirntodes ist nach dem deutschen Transplantationsgesetz die Voraussetzung für eine Organspende. Den Kommissionen zufolge wurde keinem Patienten eine potentiell lebenserhaltende Behandlung vorenthalten. In einem Fall erfolgte die Feststellung des Hirntods zwar nicht nach den Richtlinien, es kam aber nicht zu einer Organentnahme.

Eine positive Bilanz zogen die Experten hingegen für den geprüften Zeitraum nach der Verschärfung der Kontrollen. Hier wurden lediglich vereinzelte Dokumentationsfehler festgestellt.

Normalerweise wird jeder Patient, der auf eine Organspende wartet, bundesweit in einer Liste geführt. Damit soll erreicht werden, dass gespendete Organe nur nach medizinischer Notwendigkeit und nicht gegen hohe Geldsummen vergeben werden.

In Deutschland warten derzeit mehr als 10.000 schwer kranke Menschen auf ein Spenderorgan. Infolge des Transplantationsskandals waren die Spenderzahlen massiv eingebrochen. Erst in diesem Jahr zeichnet sich eine Stabilisierung ab. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) gab es in den ersten neun Monaten 672 Organspender, das waren mehr als im Vorjahreszeitraum, als nur 649 Spender registriert wurden.

joe/dpa/AFP
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