Erfurt Stadtwerke warnen vor Darmbakterien im Trinkwasser

Im Trinkwasser rund um Erfurt sind Keime entdeckt worden, die für den Darm gefährlich werden können. Jetzt hat ein Wasserversorger die Chlor-Dosis zur Desinfektion erhöht, um die E.-coli-Bakterien abzutöten. Die Stadtwerke warnen trotzdem: Bewohner sollten das Wasser aus der Leitung abkochen.
Leitungswasser: Nicht immer ist das Nass frei von Keimen - eine Gefahr besteht in der Regel aber nur selten

Leitungswasser: Nicht immer ist das Nass frei von Keimen - eine Gefahr besteht in der Regel aber nur selten

Foto: Oliver Berg/ picture-alliance/ dpa

Erfurt/Sömmerda - Die Erinnerung an Ehec, jener Epidemie, die Deutschland letztes Jahr für Monate in Atem hielt, ist noch sehr präsent. Jetzt verunsichert eine neue Meldung erneut viele Bürger: In Trinkwasser aus Erfurt und der Umgebung sind E.-coli-Bakterien gefunden worden.

Die Chlordosierung sei erhöht worden, um die gesundheitsgefährdenden Erreger abzutöten, sagte eine Sprecherin des Versorgers Thüringen Wasser GmbH am Dienstag in Erfurt. Rund 230.000 Menschen in der Landeshauptstadt sowie einigen Orten der Umgebung sollten ihr Leitungswasser mindestens fünf Minuten lang abkochen, sagte eine Sprecherin der Stadtwerke Erfurt. Dies gelte bis mindestens Donnerstagabend.

Wie die Darmbakterien ins Trinkwasser gelangten, war zunächst unklar. Ebenso lagen zunächst keine Angaben darüber vor, um welche Art von E.-coli-Bakterien es sich handelte, und wie groß die Menge der Keime im Trinkwasser war.

Trinkwasser wird aus Grundwasser bezogen, das in Wasserwerken aufbereitet wird. Es muss den Normen der Trinkwasserverordnung entsprechen. Bakterien wie E.-coli-Keime dürfen demzufolge nicht enthalten sein. Andernfalls müssen sie dem Umweltbundesamt (UBA) gemeldet - und abgetötet werden. Trinkwasser großer öffentlicher Versorger sei aber in der Regel sehr sicher, heißt es bei der Behörde.

Belastung gering

Am Montag waren in Erfurt mehrere Proben positiv auf die E.-coli-Bakterien getestet worden. "Die Belastung war eher gering", sagte die Sprecherin. Die Darmbakterien können unter anderem Durchfall auslösen. Sie weisen auf eine fäkale Verunreinigung des Wassers hin.

In einigen Erfurter Supermärkten war am Dienstag Tafelwasser nahezu ausverkauft, ergab eine Nachfrage bei mehreren Supermarktketten. "Wir haben die Meldung auch erst gestern bekommen und bereiten eine Sonderlieferung vor", sagte eine Tegut-Sprecherin. Auch andere Händler wollten zusätzlich Wasser ordern.

Einige Gastronomen in Erfurt schenkten keinen Kaffee aus. "Bei vielen Restaurants sind die Kaffeeautomaten direkt an die Wasserleitung angeschlossen. Ein Vorbrühen ist daher oft nicht möglich", sagte die Sprecherin des Thüringer Hotel- und Gaststättenverbandes, Susanne Ritzmann.

In München war vor Kurzem bekannt geworden, dass in den Rohrleitungen des ehemaligen Olympadorfes eine erhöhte Anzahl an Legionellen gemessen worden. Diese Bakterien können schwere Lungenentzündungen hervorrufen - allerdings nur, wenn sie mit der Luft eingeatmet werden. Das passiert in der Regel nur beim Duschen, wenn sich Aerosole bilden, weshalb bei einer erhöhten Legionellen-Menge vor dem Duschen gewarnt wird.

Einige Experten sehen die Lage in Deutschland kritisch: Vor allem in kleineren Wasserwerken wird das Wasser bisweilen nur einmal im Jahr getestet. Eine Belastung mit E.-coli-Bakterien wird dort immer wieder festgestellt. Laut einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation WHO etwa schwammen in fünf Prozent der Proben aus kleineren Wasserwerken Baden-Württembergs und in fast jedem zweiten privaten Brunnen des Landes Darmbakterien. Die Trinkwasserkommission fordert deshalb strengere Kontrollen für das Trinkwasser aus kleineren Wasserwerken.

Weltweit sterben Schätzungen zufolge mehr als zwei Millionen Menschen jährlich an Krankheiten, die durch verunreinigtes Trink- oder Brauchwasser übertragen werden.

cib/dpa
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