Geschlechtskrankheit Tripper Kann ein alter Impfstoff vor Gonorrhoe schützen?

Eine Massenimmunisierung gegen Hirnhautentzündung in Neuseeland hatte einen unerwarteten Nebeneffekt: Die Geimpften infizierten sich seltener mit Tripper. Ein neuer Ansatz für ein Vakzin?

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Kürzlich hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gewarnt, dass die Geschlechtskrankheit Gonorrhoe (Tripper) wegen des Mangels an wirksamen Antibiotika immer schwerer zu bekämpfen ist. Jetzt haben Forscher Daten veröffentlicht, denen zufolge eine bereits vorhandene Impfung gegen andere Bakterien zumindest teilweise vor der Geschlechtskrankheit schützen könnte.

Nach Angaben eines Teams von Wissenschaftlern aus den USA und Neuseeland schützt ein Impfstoff gegen sogenannte Meningokokken, die eine Hirnhautentzündung verursachen können, auch vor Bakterien, die Gonorrhoe auslösen.

Für ihre am Dienstag im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichte Studie hatten die Forscher Daten von mehr als 14.000 Menschen untersucht, die sich entweder mit Gonokokken (den Erregern der Gonorrhoe) oder mit Chlamydien oder beidem infiziert hatten. Weil zwischen 2004 und 2006 im Rahmen einer Massenimmunisierung in Neuseeland rund eine Million Menschen (80 Prozent der Bevölkerung unter 20 Jahren) gegen Meningokokken der Gruppe B geimpft worden waren, konnten die Forscher überprüfen, wie sich Geimpfte und nicht Geimpfte unterschieden.

Genetisch ähnliche Erreger

Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass sich die gegen Meningokokken Geimpften nur zu 41 Prozent mit Gonorrhoe-Erregern infizierten, bei den Ungeimpften waren es hingegen 51 Prozent. Unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren wie Geschlecht oder Herkunft reduzierte sich die Infektionsrate demnach um 31 Prozent.

Zwar unterscheiden sich die beiden Erkrankungen Meningitis und Gonorrhoe hinsichtlich ihrer Symptome deutlich. Die beiden Erreger - Neisseria gonorrhoeae und Neisseria meningitidis - sind sich aber genetisch sehr ähnlich. Das könnte dazu führen, dass eine Impfung gegen Meningokokken mitunter auch vor Gonokokken schützt, vermuten die Forscher.

Bislang sind alle Bemühungen, einen Impfstoff gegen die Geschlechtskrankheit zu finden, erfolglos geblieben. "Es ist das erste Mal, dass eine Impfung eine Schutzwirkung vor Gonorrhoe zeigt", sagte die Hauptautorin Helen Petousis-Harris von der neuseeländischen University of Auckland. Warum das so sei, sei allerdings noch unklar.

Übertragung beim Sex

Der in Neuseeland verwendete Impfstoff ist inzwischen nicht mehr erhältlich. Die Wissenschaftler hoffen jedoch, dass neuere Impfstoffe gegen Meningokokken einen ähnlichen Effekt haben könnten. Dafür seien aber dringend weitere Studien nötig. Zunächst müssten wiederholte Analysen bestätigen, was die Beobachtungen in Neuseeland nahelegen. Außerdem muss untersucht werden, ob es sich bei der gemessenen Immunantwort nur um einen kurzfristigen oder einen länger anhaltenden Schutz handelt.

Gonorrhoe wird durch ungeschützten Sex übertragen und kann zu Harnwegsentzündungen sowie zur Unfruchtbarkeit führen. Laut WHO erkranken jedes Jahr 78 Millionen Menschen an der Geschlechtskrankheit. In Deutschland muss eine Infektion seit 2001 nicht mehr bundesweit gemeldet werden. In Sachsen aber, wo die Meldepflicht aufrechterhalten wurde, hat sich die Häufigkeit dem Robert Koch-Institut zufolge von 6,8 Tripper-Infektionen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2003 auf 13,7 Infektionen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2011 verdoppelt.

hei/AFP

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