Tropenkrankheit Der erste wirksame Malaria-Impfstoff

Er könnte das Leben Hunderttausender Menschen retten: Forscher präsentieren eine klinische Studie, in der ein Malaria-Impfstoff bei Tausenden afrikanischen Kindern Wirkung zeigt. Die Hoffnung auf die neue Wunderwaffe ist groß - dennoch gibt es ernstzunehmende Einwände.

Anopheles-Mücke: Hoffnung durch neue Vakzine
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Anopheles-Mücke: Hoffnung durch neue Vakzine

Von Cinthia Briseño


Aus Sicht des Wissenschaftsjournals "Science" gehört sie zu den Meilensteinen des Jahres 2011: Im Oktober stellen Mediziner erstmals eine klinische Studie vor, in der sich der Malaria-Impfstoff mit der Bezeichnung RTS,S als wirksam erweist. Nach gut drei Jahrzehnten Forschungsarbeit scheint eine effektive Waffe gegen die Tropenkrankheit endlich zum Greifen nahe.

Die Bill & Melinda Gates Foundation, die seit den neunziger Jahren mehrere Milliarden Dollar in den Kreuzzug gegen Malaria investiert hat, feierte die Ergebnisse als großen Durchbruch, der rasch für weltweite Schlagzeilen sorgte.

Und tatsächlich sind diese ersten Studienergebnisse das Beste, was man bisher beim Thema Malaria-Impfung erreicht hat: Bei einer Gruppe der Kinder verringerte sich das Risiko, an Malaria zu erkranken, durch den Impfstoff um bis zu 56 Prozent. Auch die Zahl der schweren Malaria-Erkrankungen sank um etwas mehr als ein Drittel.

Allerdings bemängeln Kritiker, dass diese Wirksamkeit für einen flächendeckenden Einsatz des Impfstoffs nicht ausreichend wäre. Üblicherweise wird eine Produktion von Impfstoffen erst in Erwägung gezogen, wenn dessen Effektivität 70 bis 80 Prozent beträgt. Zudem sei in den ersten Ergebnissen ein erhöhtes Auftreten von Hirnhautentzündungen und Krämpfen zu beobachten gewesen.

Zudem warnen Experten davor, konventionelle Maßnahmen gegen Malaria nicht zu vernachlässigen. Moskitonetze und Medikamente seien nach wie vor wichtig. Die Mediziner werden also noch eine Reihe von Tests machen müssen, bevor der Durchbruch auch in der Praxis angekommen ist.

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